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StartseiteVerbrauchertippAchtung bei Vermittlungsportalen07.10.2019

SchlüsseldiensteAchtung bei Vermittlungsportalen

Wer sich aus der Wohnung aussperrt, muss für eine Türöffnung oft tief in die Tasche greifen. Besonders teuer wird es zu Nachtzeiten und an Sonn- und Feiertagen. Sucht man nach Hilfe im Internet, landet man nicht selten bei dubiosen Schlüssel-Notdiensten, berichtet die Stiftung Warentest.

Von Dieter Nürnberger

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Ein Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes baut ein neues Türschloss ein.  (dpa/ picture alliance / Holger Hollemann)
Viele Schlüsseldienste nutzen die Notlage der Kunden aus: nie unter Druck setzen lassen und am besten einen Schlüssel bei Nachbarn hinterlegen. (dpa/ picture alliance / Holger Hollemann)
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Es ist ein Klassiker der Unachtsamkeit: Schnell mal raus aus der Wohnung, die Tür zugezogen und den Schlüssel leider drinnen vergessen. Das passiert jeden Tag einige hundert Mal in Deutschland, sagt Warentesterin Anke Scheiber und die Ausgesperrten werden meist hektisch. Die Suche nach einem Schlüsseldienst beginnt:

"Meistens wird tatsächlich erstmals das Handy gezückt - und nach einem Schlüsselnotdienst gesucht, der in der Nähe ist. Man kann das über "Google-Maps" machen, man kann auch selber im Internet recherchieren und schauen, wer ist wirklich in meiner Nähe verfügbar."

Umleitung zu Fake-Adressen

Die Stiftung Warentest landete recht schnell - wie viele Ausgeschlossene wohl auch - auf Internetseiten von Vermittlungsportalen. Diese verweisen meist auf ihre Zusammenarbeit mit hunderten von regionalen Schlüsselnotdiensten. Nicht selten klickt man sogar zuerst auf Internetseiten mit Bezeichnungen wie "Schüsseldienst Kreuzberg" und wird dann doch weitergeleitet. Vorsicht ist also angebracht:   

"Bei einigen dieser Portale mussten wir dann aber feststellen, dass dann doch Dienste oder Handwerker kamen, die von weiter weg angefahren waren. Und auch die Daten, die im Impressum genannt wurden, führten teilweise zu Adressen, wo keine wirkliche Firma vorhanden war."

Überhöhte Gebühren für Anfahrten, dubiose Zuschläge

Den langen Anfahrtsweg stellten die Schlüsselnotdienste dann natürlich in Rechnung. Doch damit nicht genug. Es wurden Zuschläge für Mehrarbeit oder auch - so wörtlich - fallspezifische Einsatzpauschalen berechnet. Miese Monteure, so der Eindruck von Anke Scheiber, die die Lage der Ausgeschlossenen schamlos ausnutzten. 

"So eine zugefallene Tür bekommt ein guter Handwerker innerhalb weniger Minuten auf. Und die Dienste, die wir da vor Ort hatten, haben ziemlich lange dafür gebraucht. Kostentreiber vor Ort ist beispielsweise auch ein Schließzylinder, der ausgetauscht wird, obwohl der alte eigentlich noch weiter hätte benutzt werden können. Oder aber auch sehr teure Ersatzteile."

"Schluesseldienst.gelbeseiten.de" - transparente Preise

Von den Vermittlungsportalen konnte nur eines überzeugen. Es ist die Internetseite "Schluesseldienst.gelbeseiten.de": 

"Dort war es so, dass man direkt über die Webseite gebucht hat. Tatsächlich auch ein lokaler Schlüsseldienst gekommen ist und man vor allem auch einen Festpreis vereinbart hatte. Da kostet die Türöffnung zwischen 89 und 119 Euro. Je nachdem, wie schwierig der Fall ist, ob nur zugefallen oder nur abgeschlossen - tagsüber."

Schon vor dem Notfall Telefonnummern speichern

Die teuerste Rechnung bei den mit "mangelhaft" bewerteten Portalen betrug üppige 415 Euro. Die betreffende Vermittlungsplattform ist inzwischen abgeschaltet.
Warentesterin Anke Scheiber rät aufgrund der Erfahrungen grundsätzlich zur Vorsicht bei Schlüsselnotdiensten: 

"Von vornherein - wenn es möglich ist - den Nachbarn oder die Nachbarin fragen, da kommt gleich ein Schlüsseldienst, kommst du mit dazu? Zu zweit hat man einfach ein anderes Auftreten, wenn man da einer oder auch zwei Personen gegenübersteht. Meistens wird sogar Barzahlung verlangt. Also: Mit Rechnung zu zahlen, sollte eigentlich möglich sein, das gibt es aber öfter nicht. Eine unangenehme Situation."

Ersatzschlüssel bei Nachbarn deponieren

Exemplarisch wurden auch Schlüsseldienste von Geschäften in der Nachbarschaft untersucht. Sie waren verlässlicher, transparenter und auch günstiger. Empfehlung hier: Schon vor dem Notfall sich deren Telefonnummer notieren oder im Handy speichern.

Und am besten - so die Stiftung Warentest - sei es, bei Nachbarn oder Freunden in der Nähe einen Ersatzschlüssel zu deponieren. Das spart Ärger und auch viel Geld. 

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