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StartseiteForschung aktuell"Bei bestimmten Wetterlagen könnte es schwierig werden"14.01.2019

Schneelasten auf Hausdächern"Bei bestimmten Wetterlagen könnte es schwierig werden"

Für jedes Gebäudedach in Deutschland sei ausgerechnet, wie viel Schnee es maximal aushalten müsse, sagte der Meteorologe Bodo Wichura im Dlf. In einem Ort in Bayern könnten die berechneten Werte bald überschritten werden.

Bodo Wichura im Gespräch mit Michael Böddeker

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13.01.2019, Bayern, Elisabethszell: Ein Mann schaufelt Schnee von einem Dach. (picture alliance/dpa - Armin Weigel)
Eine Norm in Deutschland bestimmt, wie viel Schnee ein Gebäudedach aushalten muss (picture alliance/dpa - Armin Weigel)
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Michael Böddeker: In den Alpen und in Süddeutschland kämpfen die Menschen gerade mit dem starken Schneefall. Viele Straßen sind gesperrt, es droht Gefahr durch Lawinen. Und auch durch schwere Schneelasten auf den Dächern. Im Landkreis Berchtesgaden im Südosten Deutschlands sind nach Behördenangaben schon über 1.800 Hilfskräfte im Einsatz. 

Mehr über Schnee und über die Schneelast auf Dächern weiß der Meteorologe Bodo Wichura vom Deutschen Wetterdienst in Potsdam. Mit ihm habe ich vor der Sendung gesprochen und ihn gefragt, wie viel Gewicht durch Schnee ein Dach in Deutschland eigentlich aushalten muss – wonach richtet sich das?

Bodo Wichura: Das richtet sich nach der Region, also wo dieses Gebäude in Deutschland steht. Es gibt in Deutschland eine Norm, nach der man das bestimmen kann. Und da sind verschiedene Schneelastzonen festgelegt abhängig davon, wie die Region klimatologisch einzuordnen ist. Und in diesen Zonen werden dann mit bestimmten Gleichungen entsprechende Schneelasten berechnet, die die Gebäude aushalten müssen.

Sicherheitspuffer für außergewöhnliche Wetterereignisse

Böddeker: Und diese Schneelastzonen richten sich wahrscheinlich danach, wie viel Schnee erwartet wird in der Region?

Wichura: Ja, also Schneelasten oder überhaupt Einwirkungen auf Bauwerke werden angegeben oder werden berechnet immer mit einem 50-Jahres-Wiederkehr-Intervall dieses Wertes, das heißt also, ein solcher Wert, hier die Schneelast, der Druck, den Schnee auf ein Dach ausüben kann, tritt einmal in 50 Jahren auf oder wird einmal in 50 Jahren überschritten.

Böddeker: Ist das jetzt zu erwarten, dass dieser Wert überschritten wird in den Regionen, die gerade betroffen sind, Berchtesgaden zum Beispiel?

Wichura: Ja, nach meinen aktuellen Angaben, die ich habe von den Messungen an unseren Wetterstationen oder an den ehrenamtlichen Stationen ist es derzeit so, dass es aktuell mit Stand heute Morgen; Messung heute Morgen um 7 Uhr, dass es da in Reit im Winkl nahe der Schneelastwerte ist, die in der Norm festgelegt sind. Reit im Winkl hatte aber schon immer eine Sonderstellung, da wurde auch in der Norm angegeben, dass das lokal speziell festgelegt werden muss. Ansonsten haben wir Schneelasten, die bis maximal 80 Prozent der Normwerte betragen, meist aber nur um die 60 Prozent und darunter.

Nasser Schnee ist deutlich schwerer

Böddeker: Trotzdem machen sich die Leute ja Sorgen und der Schneefall geht womöglich noch weiter. Wie ist das, es gibt ja unterschiedliche Arten von Schnee: Ganz lockeren Neuschnee oder auch matschigen Schnee, wenn es noch taut oder regnet - macht das einen Unterschied für die Belastung aufs Dach?

Wichura: Das macht sicher einen Unterschied, ob nun der Schnee nasser ist, wenn er fällt; also wenn man einen ganz trockenen Neuschnee hat, der gerade im Schneefall ist, dann liegt er irgendwo, dann fängt das bei 50 Kilogramm pro Kubikmeter an Masse im Schnee an und kann bei einem Neuschnee bis 150 Kilogramm pro Kubikmeter hochgehen. Wenn man dann Schnee hat, der schon gelegen hat, also Sonne kann draufscheinen, oder es kann eben auch etwas Regen reinfallen, dann können also die Lasten oder die Dichte des Schnees deutlich hochgehen, dann kann der Schnee zwischen 300 bis 500 Kilogramm pro Kubikmeter haben.

Böddeker: Wie kommt das denn, dass dieses unterschiedliche Gewicht zustande kommt - allein dadurch, dass Schnee schmilzt und den Aggregatzustand ändert, wird er ja nicht schwerer?

Wichura: Nein er wird nicht schwerer, das ist richtig. Er kann, wenn er einmal liegt und nichts dazu kommt vom Niederschlag her, also kein frischer Neuschnee oder kein Schneefall dazukommt oder kein Regen in den Schnee hineinfällt, kann er nicht schwerer werden. Dann ändert sich bloß die Höhe der Schneedecke, weil sich die Dichte ändert; der Schnee wird dichter. Wenn es aber dann zusätzlich Niederschlag gibt, dann kann sich auch die Last entsprechend erhöhen. Das kann eben Neuschneefall sein oder eben wenn Wasser in die Schneedecke fällt, kann der Schnee dieses Wasser bis zu einem gewissen Grad aufsaugen wie ein Schwamm. Das ist aber auch nur in begrenztem Maße möglich; wenn also zuviel Wasser reinfällt, dann geht das Wasser auch unten aus dem Schnee wieder raus und geht in den Abfluss.

Schneelasten könnten an Grenzwerte herankommen

Böddeker: Was heißt das jetzt für die nächsten Tage und Wochen, welches Wetter würde denn dazu führen, dass der Schnee in Süddeutschland und in Österreich noch schwerer wird?

Wichura: Wenn es weiterhin sehr anhaltend schneien würde, sodass die Schneehöhen oder die Schneedecke insgesamt mehr noch Schnee aufbauen würde, akkumulieren würde, das wäre ein Fall. Das sieht nach aktuellem Stand der Dinge in dieser Woche im Süden Bayern so aus, dass man da also drauf schauen muss in Gebieten größer 1.000 Meter über Normalnull, da sind die Vorhersagen zurzeit so, dass da etwas mehr Schnee wieder kommen kann. In geringeren Höhenlagen über Normalnull ist es also so, dass das dann häufig wahrscheinlich als flüssiger Niederschlag fällt, oder eben gar nicht so viel Niederschlag kommt. Da ist dann die Frage, wie viel Niederschlag, also wie viel Regen fällt dann? Ist das so viel, dass insgesamt die Schneedecke taut und der Schnee gar nicht mehr an Masse bekommen kann, oder ist das ganz wenig über einen langen Zeitraum so um die null Grad - das sind so die Wetterlagen, wo das schwierig werden könnte.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.
 
 

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