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StartseiteVerbrauchertippNeue Broker machen es möglich 03.02.2021

Schneller Aktienhandel für KleinanlegerNeue Broker machen es möglich

Der Handel mit Wertpapieren erlebt seit Beginn der Corona-Pandemie einen Boom. Besonders die sogenannten "Neo-Broker" haben davon profitiert. Sie haben den Wertpapierhandel mit niedrigen oder gar keinen Gebühren zum Großteil über das Smartphone ermöglicht. Doch gibt es bei der Benutzung dieser Broker Risiken?

Von Tristan Schwarz

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Überlappende beleuchtete Linien-und Balkendiagramme als Symbolbild für Geschäfte mit Wertpapieren, die eine hohe Rendite in Aussicht stellen., (imago / Saul Gravy)
2020 wurden so viele Wertpapierdepots wie noch nie zuvor eröffnet. (imago / Saul Gravy)
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Drei Klicks auf dem Smartphone und schon ist man Aktionär oder zumindest der Besitzer eines Aktienindexfonds. Deutsche Start-ups wie "Trade Republic", "Scalable Capital", "Gratisbroker" oder auch "JustTrade" ermöglichen für Gebühren von einem Euro je Transaktion, teilweise sogar kostenlos, den Handel mit Wertpapieren. Vor nur ein paar Jahren waren Kosten von zehn Euro aufwärts gang und gäbe. Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Verbraucher-Ratgebers "Finanztip", begrüßt diese Veränderung der Brokerlandschaft.

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"Das Wichtige an dieser neuen Marktentwicklung ist erstmal, dass die Leute überhaupt Geld in Wertpapiere anlegen. Da ist diese neue Entwicklung natürlich prima, weil tatsächlich die Kosten, die man hat, um also so ein Wertpapierdepot zu unterhalten und zu füllen, die sind deutlich niedriger geworden, das ist prima."

Einstieg in den Wertpapierhandel leichter

Die Kostenstruktur der neuen Broker sorgt dafür, dass der Einstieg in den Wertpapierhandel leichter von statten geht, denn so lohnt sich auch die Investition kleinerer Beträge. Außerdem wird mit intuitiven Smartphone Apps oder auf simpel gehaltenen Internetseiten den Anlegern ein einfacher Zugang zum Kapitalmarkt ermöglicht. Neo-Broker zeichnen sich im Gegensatz zu anderen Banken dadurch aus, dass sie einzig und allein für den Wertpapierhandel zuständig sind. Für Hermann-Josef Tenhagen braucht es für die Geldanlage nicht mehr als das.

"Man muss eigentlich nur einen günstigen Aktienindexfonds kaufen. Dann ist nur die Frage, wo kriege ich den günstig und wenn ich einen Sparplan machen will, wo sind die Sparplangebühren günstig."

Nur gibt es bei manchen der neuen Anbieter Kosten, die einem nicht direkt ins Auge springen, wie zum Beispiel Depotführungsgebühren oder Negativzinsen auf dem Verrechnungskonto. Entscheidend ist ein genauer Blick in das aktuelle Preis-Leistungsverzeichnis des Brokers, auch um auf eventuelle Gebührenerhöhungen aufmerksam zu werden.

Um die Wertpapiere zu einem fairen Kurs kaufen zu können, sollte zudem auf die Handelszeiten der Referenzbörse geachtet werden. Außerhalb dieser Handelszeiten können die Kaufkurse stärker abweichen, sodass die Anleger sehr hohe Aufpreise zahlen müssen.

Tenhagens Meinung nach besteht die Gefahr der Nutzung aber eher darin, dass Anleger häufiger aus dem Affekt handeln.

"Da kann man tatsächlich die Geschäfte mit dem Handy machen. Das ist völlig in Ordnung. Was man aber gar nicht braucht ist, dass man ständig hin und her handelt."

Wertpapiere möglichst langfristig halten

Dies ist zwar durch die niedrigen Gebühren heutzutage weniger problematisch. Dennoch empfiehlt er für die Geldanlage, die Wertpapiere möglichst langfristig zu halten.

Manche der neuen Broker bieten zusätzlich zu Aktien und Aktienindexfonds auch Derivate an. Mit Derivaten werden Wetten auf kurz- und mittelfristige Kursentwicklungen abgeschlossen. Diese sind eindeutig dem spekulativen Handeln zuzuordnen und für Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ein Tabu in puncto Vermögensaufbau.

"Day-Trading hat mit Geld anlegen nun gar nichts zu tun. Das ist reine Spekulation. Die meisten, die sich im Day-Trading versuchen, verlieren auch viel Geld."

Bei dem Handel mit Derivaten ist es durchaus möglich, dass das eingesetzte Geld vollständig verloren geht. Riskant sind die neuen Broker aber nur soweit, wie es die dort erworbenen Wertpapiere zulassen, sagt Niels Nauhauser.

"Was die Sicherheit betrifft, gibt es im Vergleich zu Direktbanken keinen Unterschied, sofern der Broker seinen Sitz in Deutschland hat. Also die Einlagen auf dem Konto sind bis 100.000 Euro abgesichert und Wertpapiere, also Aktien und Fonds, sind sowieso Sondervermögen und vor der Pleite eines Brokers geschützt."

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