Forschung aktuell / Archiv 14.06.2001

Schneller UntergangZelluloid ist kein haltbarer Kunststoff

<strong>Technik. - Restauratoren befassen sich allgemeiner Ansicht zufolge mit jahrhundertealten Kunstgegenständen, denen der Zahn der Zeit langsam aber sicher zugesetzt hat. Das ist nur noch bedingt richtig, denn immer öfter landen auch Gegenstände von nur wenigen Jahrzehnten Alter auf den Labortischen. An der Fachhochschule Köln hat man etwa versucht, Zeugnisse aus Zelluloid zu retten - ein aussichtsloses Unterfangen, wie sich zeigte.</strong>

Zelluloid wurde erstmals 1872 hergestellt und war der erste breit eingesetzte Kunststoff der Weltgeschichte. Puppenköpfe, Kämme, Behälter und nicht zuletzt Filme wurden aus der nicht ungefährlichen Mischung aus Zellulose, Nitrat und Kampfer hergestellt. Inzwischen sind die Produkte als wertvolle Kulturzeugnisse in die Museen gewandert und stellen dort die Konservatoren vor beachtliche Probleme, denn das Material zerfällt rapide. An der Kölner Fachhochschule sucht die Restauratorin Kathrin Keßler nach einem Weg den Zerfall aufzuhalten.

Das Problem steckt schon in der Rezeptur. Die Moleküle der beteiligten Stoffe, vor allem des Nitrats, brechen unter dem Einfluss von Sauerstoff und Feuchtigkeit auf. Im Fall des Nitrats verbindet sich der Stickstoff mit Sauerstoff und dem Wasserstoff aus der Luftfeuchtigkeit zu Salpetersäure, die dem Zelluloid zusätzlich zusetzt. Ein weiteres Problem ist der Weichmacher Kampfer, der mit der Zeit entweicht und ein extrem sprödes Material zurücklässt. Ein Schutzfilm oder Klebstoff helfen da nicht. "Das sind ganz viele Brösel, die in dem zersetzten Zelluloid nebeneinander sitzen, und wenn ich einen Klebstoff einbringe, schließe ich diese einzelnen Zellen ab, in denen der Zersetzungsprozess weitergeht", so Keßler.

Die Kuratoren können also nur den unabwendbaren Zerfall herauszögern, etwa durch optimale Lagerung. Das geschieht in Zeolithe eingebettet in säurefreien Pappkartons und unter Ausschluss von Tageslicht. Doch auch dann sind Zelluloid-Objekte dem vergleichsweise schnellen Untergang geweiht.

[Quelle: Matthias Hennies]

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