Sonntag, 20.10.2019
 
Seit 10:05 Uhr Gottesdienst
StartseiteCorsoMusiktheater in der Baugrube19.09.2019

Schorsch Kamerun bespielt Stuttgart 21Musiktheater in der Baugrube

Der künftige Durchgangsbahnhof Stuttgart 21 wird zur Theaterbühne: Der Regisseur und Sänger der Goldenen Zitronen, Schorsch Kamerun, bespielt den Ort mit Punk und Protest - und sieht Parallelen zum Niedergang der Autostadt Detroit. "Stuttgart wirkt in seinem Herzen aufgerissen", sagte er im Dlf.

Schorsch Kamerun im Gespräch mit Fabian Elsäßer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Schorsch Kamerun, Regisseur des Musiktheaterstücks «Motor City Super Stuttgart», steht bei der Generalprobe in der Baugrube für den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof (dpa (Bernd Weißbrod))
Schorsch Kamerun, Regisseur des Musiktheaterstücks "Motor City Super Stuttgart", steht bei der Generalprobe in der Baugrube für den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof (dpa (Bernd Weißbrod))
Mehr zum Thema

35 Jahre Die Goldenen Zitronen Politik im Pop-Kostüm

Die Mauer als Gedankenexperiment "Katastrophenstimmung" am Hamburger Schauspielhaus

Tagung zu politischem Protest Protestieren ist anerkannter

Protestkultur Musik und Kunst als Durchlauferhitzer

Seit die Elbphilharmonie in Hamburg fertig ist und die Zuschauer in Scharen strömen, sind die anderen kostenintensiven Großbaustellen ein bisschen aus der medialen Wahrnehmung verschwunden. Dabei wird in Stuttgart seit fast zehn Jahren jede Woche gegen den Umbau des ehemaligen Kopfbahnhofs in einen Durchgangsbahnhof demonstriert wird. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt von heute Abend bis zum Sonntag Schorsch Kamerun. So lange inszeniert der Autor, Regisseur, Clubbetreiber und Sänger der Goldenen Zitronen in der Baugrube von Stuttgart 21 nämlich das Musiktheaterstück "Motor City Super Stuttgart". 

Treffpunkt statt Konsumtempel

Mit dem Titel "Motor City" beziehe er sich auf Detroit, denn die Baustelle in Stuttgart, so Kamerun, erinnere an den Niedergang der Autostadt in Detroit. Stuttgart wirke in seinem Herzen aufgerissen, "manche sagen sogar: Wunde", erklärte Kamerun im Dlf.

Mit seinem Musiktheaterstück wolle er zeigen, dass der Ort vielleicht als Platz für Zusammenkünfte dienen könne, ohne dass man etwas konsumieren müsse. Außerdem gehe es darum, seinen Protest gegen den Wachstum deutlich zu machen.

"Im Grunde ist es ein Stück weit Fridays for Future, wo ich Sympathien hege, aber auch der Meinung bin, ein Tag in der Woche nicht zur Schule gehen, reicht nicht, wenn man sagt, die Zukunft wird gerade verbaut. Dann müsste man eigentlich gar nicht zur Schule gehen."

Unmodern und nicht zeitgemäß

Kamerun wolle sich mit dem Projekt nicht auf das Pro und Contra zu Stuttgart 21 einlassen, auch wenn er persönlich dagegen sei. Ein Großprojekt dieser Art "scheint mir nicht mehr modern. Das ist keine Zukunftsbeschreibung mehr. Wenn sogar die Bahn damit wirbt: 'Nimm' dir Zeit, fahr' Bahn', das ist schon ein bisschen grotesk."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk