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StartseiteHintergrundSchrecken der 'Todesküste'20.11.2003

Schrecken der 'Todesküste'

Spanien ein Jahr nach der Schiffskatastrophe vor der galizischen Küste

Santiago de Compostela am vergangenen Sonntag. Knapp 150.000 Menschen demonstrieren auf der Prazo do Obradoiro vor der berühmten Kathedrale der Pilgerstadt gegen das Verhalten der spanischen Behörden während der Ölpest vor der Küste der nordwestspanischen Region Galicien. Ein Jahr zuvor, am 13. November 2002, war der nach offiziellen Angaben mit 77.000 Tonnen Schweröl beladene Tanker ''Prestige'' an der so genannten ''Todesküste'' leck geschlagen. Aus den beiden mittleren Tanks flossen 8.000 Tonnen Öl aus. Bis zu seinem Untergang am 19. November verlor das Schiff insgesamt 64.000 Tonnen Öl, noch heute befinden sich 13.000 Tonnen im Rumpf des Schiffs.

Hans-Günter Kellner

Spanisches Marinepersonal räumt Öl des gesunkenen Tankers Prestige von den Stränden Galiziens 20. November 2002. (AP)
Spanisches Marinepersonal räumt Öl des gesunkenen Tankers Prestige von den Stränden Galiziens 20. November 2002. (AP)
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Schon vor einem Jahr war der Unmut beträchtlich. Galizien erlebte die größten Massenproteste in seiner Geschichte. Noch heute werfen die Demonstranten der spanischen wie auch der galizischen Regierung vor, zu spät auf die Katastrophe reagiert und mit falschen Entscheidungen die Folgen für die Küste noch verschlimmert zu haben. Der spanische Schriftsteller Manuel Rivas, seit einem Jahr der intellektuelle Kopf der Proteste, eine Art spanischer Heinrich Böll, verliest das Manifest der Protestierenden:

Wir hatten es mit Regierenden zu tun, die niemals etwas fragten, niemals zuhörten, und niemals mit uns sprachen. Sie zeigten ebenso viel Inkompetenz wie Feindschaft gegenüber den Bürgern. Immer wieder sagen sie, sie würden alles wieder genauso machen. Dabei wissen sie noch heute nicht, was sie angerichtet haben. Sie haben das Schiff in ihrer eigenen Schande versenkt. Sie lachen ihre Bürger aus und glauben, die Wahrheit mit dem Schweröl ins Meer gegossen zu haben. Heute ist ein guter Tag, um sie daran zu erinnern, was sie getan haben.

Am umstrittensten von allen Entscheidungen war die Weigerung der Behörden, den Tanker Prestige in einen sicheren Hafen zu schleppen, wie es der griechische Kapitän beantragt hatte. Statt dessen sollte das Schiff so weit wie möglich von der spanischen Küste entfernt werden. Die Prestige wurde zunächst in den Norden geschleppt, bis sich Frankreich weigerte, den lecken Tanker in die von ihm kontrollierten Gewässer fahren zu lassen. Die Schlepper kehrten um, diesmal bis zu den portugiesischen Gewässern, wo ein Schiff der portugiesischen Marine die Weiterfahrt blockierte. Schließlich ging die Reise in den Westen. Diese Irrfahrt mit einem lecken Öltanker sei es gewesen, die zum verheerenden Ausmaß der Ölpest führte, meinen die Regierungskritiker. Hinterher habe Spanien zudem alles unternommen, die eigenen Fehler zu vertuschen:

Sie informierten absichtlich falsch über das, was auf dem Meer geschah, während das erste Gebot die wahrheitsgemäße Information der Betroffenen gewesen wäre. Sie hörten nicht auf die Experten und Wissenschaftler. Sie versuchten die Beteiligung der Bevölkerung an den
Reinigungsarbeiten zu verhindern. Sie missachteten die Parlamente und verhinderten Debatten und Untersuchungen der Katastrophe.


330.000 Freiwillige strömten an die Küste, um die Strände vom Öl zu reinigen. Diese Arbeit wurde zu einem sozialen Ereignis. Unternehmen charterten an Wochenenden Busse für ihre Belegschaften, Universitäten verschoben die Examenstermine. Der Fall Prestige entwickelte sich für die spanische Regierung zum politischen Problem. Am 23. Februar demonstrierten knapp 500.000 Menschen im Zentrum Madrids wegen der Ölpest gegen die Regierung von Ministerpräsident José María Aznar. Niemals zuvor waren so viele Spanier wegen eines Umweltproblems auf die Straße gegangen.

Im Mai sollten die Spanier ihre Kommunalparlamente und vielerorts auch die Regionalparlamente neu wählen. Die politische Situation wurde für die Regierung Aznar noch komplizierter, als sich der spanische Regierungschef im Irak-Konflikt an die Seite von US-Präsident George Bush stellte und dafür massive Proteste der Bevölkerung erntete. Ob wegen der Ölpest oder des Irak-Kriegs – bis zu den Wahlen verging kaum ein Wochenende ohne Großkundgebungen.

Doch die Wahlen gingen glimpflich aus für Aznars Volkspartei. Die Sozialisten wurden zwar erstmals seit Jahren wieder landesweit stärkste Partei. Doch fast nirgends kam es zu einem spektakulären Machtverlust. Die Konservativen gewannen die Wahlen in 35 von 52 Provinzhauptstädten. In Madrid bauten sie ihre absolute Mehrheit sogar aus.

Auch in Galicien blieb der von den Protestierenden erhoffte politische Erdrutsch aus. Die Konservativen unter Ministerpräsident Manuel Fraga, schon unter Diktator Francisco Franco Minister und Gründer der Volkspartei, verloren zwar landesweit knapp vier Prozent. Das sind knapp 140 Stadträte weniger. Doch immer noch gaben 41 Prozent der Galicier ihre Stimmen der Volkspartei, nur 27 Prozent den Sozialisten und 19 Prozent dem Galicisch-Nationalistischen Block. Kaum ein konservativer Bürgermeister wurde abgewählt. In einigen besonders schlimm von der Ölpest betroffenen Dörfern wie Muxía oder Fisterre baute die Partido Popular ihre Mehrheiten sogar aus. Die Opposition hatte sich mehr erhofft. Roberto Castro, Sprecher der Volkspartei im Regionalparlament in Galicien über die seiner Meinung nach geringen politischen Konsequenzen des Falles Prestige:

Ich machte mir vor den Wahlen schon Sorgen. Dann kam ja noch der Irak-Krieg zur Prestige-Katastrophe dazu. Ich hätte nicht gedacht, dass der politische Preis so gering wäre. Im März sind die spanischen Parlamentswahlen, da werden die Auswirkungen noch viel geringer sein. Am Ende sind es die Wähler, die entscheiden, ob wir gut arbeiten oder ob wir ausgetauscht werden sollen. Die Oppositionsparteien hätten vom ersten Augenblick an mit uns an einem Strang ziehen, ernsthafte Vorschläge machen müssen. Statt uns von Beginn an zu kritisieren. Natürlich haben wir Fehler gemacht. Vielleicht haben wir einige Entscheidungen übereilt getroffen. Wären wir alle erst im März zu unserer Parteipolitik zurückgekehrt, wären die Wahlen für die Opposition vielleicht besser und für uns schlechter ausgegangen.

Der Vorwurf der sowohl in Galicien wie auch in Madrid regierenden Volkspartei: Die Opposition habe zu eifrig versucht, aus dem Tankerunglück Kapital zu schlagen. Die Protestbewegung Nunca Mais sei zudem von der Opposition organisiert worden. Während anfangs selbst Mitglieder der Volkspartei demonstriert hätten, seien es jetzt nur noch galicische Nationalisten, die an den Kundgebungen teilnähmen, sagt Roberto Castro.

Bei den Protesten in diesen Tagen zum Jahrestag des Tankerunglücks sieht man tatsächlich besonders viele Fahnen der galizischen Nationalisten. Vor allem diese Gruppierung hatten viele Beobachter vor den Wahlen als politischen Gewinner der Ölpest gesehen. Am Ende legte der "Block", wie es in Galicien schlicht heißt, lediglich um knapp einen Punkt auf 19 Prozent zu. Die Gefahr, neben dem Baskenland und Katalonien könne es nun auch in Galicien zu einer starken Unabhängigkeitsbewegung kommen, war gebannt. Bieito Lobeira, Abgeordneter der Nationalisten im Regionalparlament, über seine Formation:

Wir sind keine Partei, wir sind eine Koalition aus unterschiedlichen Bewegungen, Parteien, Nationalisten, Separatisten, Kommunisten. Ideologisch stehen wir ganz klar links. Wir verteidigen die Interessen des einfachen Volks, der Arbeiter. Und wir haben ein großes, nationales Projekt. Wir haben eine nationalistische Gewerkschaft, einen nationalistischen Bauernverband, eine Frauen- und eine Jugendorganisation. Unser Programm reduziert sich wegen dieser Vielfalt auf einen Minimalkonsens. Wir fordern das Recht auf Selbstbestimmung. Für uns sind die Gallegos ein Volk, das bisher keine Rechte hat. Die Macht muss beim galizischen Volk liegen, nicht beim spanischen, wie es in der spanischen Verfassung steht. Wir wären mit einer Konföderation einverstanden, der unabhängige Staaten angehören, Spanien, das Baskenland, Katalonien und Galicien.

Die Struktur des Galizisch-Nationalistischen Blocks erschwert es der Gruppierung, als Einheit zu erscheinen. Viele Gallegos nehmen den Block nur als eine in sich zerstrittene kommunistische Partei wahr. Dass die Differenzen innerhalb dieser Gruppierung über den Grad der anzustrebenden Unabhängigkeit oder über mögliche Allianzen mit den Sozialisten bisher nicht offen zu Tage getreten sind, ist vor allem Manuel Beiras, dem historischen Führer der galizischen Nationalisten zu verdanken. Der 67-Jährige möchte jedoch abtreten, und ein Nachfolger als Integrationsfigur ist nicht in Sicht. Der "Block" steckt in der Krise.

Nicht allein deshalb erscheint die Opposition den galizischen Wählern als nicht besonders attraktiv. Sozialisten und Nationalisten können nur gemeinsam regieren. Doch in den Städten, in denen sie gemeinsame Mehrheiten erringen konnten, gibt es nur wenige Monate nach den Kommunalwahlen schon Ärger. In Vigo zum Beispiel ist die Koalition der beiden Linksparteien gescheitert. Die Nationalisten setzten dort mit den Stimmen der Konservativen einen eigenen Stadtrat für Städtebau gegen die Sozialisten durch. Gleichzeitig stellten sie gegen den mit ihren eigenen Stimmen gewählten sozialistischen Bürgermeister ein Misstrauensvotum. Auch der nationalistische Politiker Lobeira gibt zu, dass beide Parteien nicht den Eindruck einer seriösen Alternative erwecken, weist die Schuld an den Streitigkeiten jedoch von sich. Er sieht die Nationalisten als Opfer einer gemeinsamen Strategie der beiden großen spanischen Parteien:

Es gab viele Situationen hier im Parlament, die belegen, dass es vielmehr eine ständige Koalition aus Volkspartei und Sozialisten gibt. Zum Beispiel: Wir fordern, Galicien muss die Kompetenzen über die Seenotrettung und den Küstenschutz bekommen. Um schnell handeln zu können. Volkspartei und Sozialisten stimmten dagegen. Sie haben immer die gleichen Vorstellungen davon, wie der Staat organisiert sein soll.

Solche Streitereien verzeiht der galizische Wähler den Parteien nicht, warnt Luis Ventoso, Politikchef von "La Voz de Galicia", der auflagenstärksten Tageszeitung in der Region. Die südliche Hafenstadt Vigo sei die größte Stadt Galiciens, an den Zwist dort würden sich die Gallegos noch lange erinnern, prophezeit er. Dabei sieht er durchaus politische Folgen der Prestige-Katastrophe. Immerhin habe die Volkspartei erstmals ihre landesweite Mehrheit verloren. Wäre statt der Kommunalparlamente das Regionalparlament gewählt worden, könnten Sozialisten und Nationalisten zusammen regieren – wenn sie sich denn vertragen würden. Die Regionalwahlen stehen in Galicien jedoch erst 2005 wieder an. Dann will sich der fast 81-jährige Manuel Fraga nicht mehr zur Wahl stellen. Und für die Nachfolgedebatte hat das Tankerunglück wichtige Konsequenzen gehabt:

Xosé Cuiña, der starke Mann hinter Manuel Fraga, stand bereits als sein Nachfolger bereit. Dieser Mann musste zurücktreten, als ans Licht kam, dass eines seiner Unternehmen der Regionalregierung Material zur Reinigung der Strände verkaufte. Das Machtgefüge innerhalb der Volkspartei hat sich vollkommen verschoben. Nicht mehr der konservative, ländlich geprägte Flügel dominiert, sondern die Parteimitglieder aus den Städten, der urbane, moderne Flügel.

Zumal dies nicht die einzige Nachfolgedebatte dieses Jahres innerhalb der spanischen Volkspartei war. In Spanien stehen im März Parlamentswahlen an, und Ministerpräsident José María Aznar möchte sich nicht mehr zur Wahl stellen. Er ernannte Mariano Rajoy zu seinem Nachfolger als Parteichef und Spitzenkandidat. Dabei war es ausgerechnet Rajoy, der nach zwei Wochen völliger Improvisation innerhalb der Regierung den Fall Prestige in die Hand nahm.

Damals war das größte Unheil bereits angerichtet, der Tanker an der Küste entlang geschleppt und schließlich gesunken, die erste von insgesamt drei Ölfluten hatte die Strände erreicht. Trotzdem stand Rajoy für alle Entscheidungen der Regierung gerade. Das hat seinem Image offenbar keineswegs geschadet. In den Umfragen liegt er weit vor dem sozialistischen Spitzenkandidaten José Luis Zapatero.

Tatsächlich ruft ein Besuch an der Todesküste zunächst Verblüffung hervor. Die Strände sind weiß, selbst an den Felsen klebt kaum noch Schweröl. Dass sich hier vor nur einem Jahr eines der schlimmsten Tankerunglücke Europas ereignet hat, mag man kaum glauben. Das Weiß hatte jedoch seinen Preis: Um das Öl möglichst schnell von den Stränden zu bekommen, habe man auch schwere Bagger eingesetzt, das empfindliche Ökosystem der Dünen sei zerstört worden, sagen Umweltverbände.

Andere kritisieren dagegen, es sei nicht schnell genug gereinigt worden, der Wind habe sauberen Sand über das Schweröl geweht. Wer nun auch Recht hat: Die Genugtuung über die sauberen Strände ist dem konservativen Abgeordneten Roberto Castro jedenfalls anzusehen. Besonders freut er sich aber über die finanziellen Hilfen, die seine Regierung den Fischern gezahlt hat.

Am 13.November schlug das Schiff leck. Am 19.November sank es. Nur zehn Tage später zahlten wir die ersten Hilfen. Nicht nur die Fischer selbst, alle die vom Fisch leben, auch die Frauen, die ihn verkaufen, bekamen Geld, um weiterleben zu können. Das ist auch Solidarität. Man muss doch sehen, was in diesen Familien vor sich ging. Es war Herbst, in Galicien eine graue und dunkle Jahreszeit, aber auch die Zukunft der Fischer sah schwarz aus. Sie wussten nicht, wie lange sie nicht mehr arbeiten können. Sie leben vom Meer, daran hängt ihre ganze Existenz. Es ist schwer zu sagen, ob die Hilfen zu großzügig oder zu gering waren. Hier konnten wir helfen, hoffentlich können wir immer allen, die leiden, in solchem Umfang helfen.

Aber auch diese Maßnahme kritisierte die Opposition. Die Finanzhilfen seien viel höher gewesen, als die Erträge so manchen Fischers aus dem Fischfang, so die Kritik. Journalist Luis Ventoso rechnet vor. Eine Familie, in der der Mann zur See fährt, die Frau als Muschelfischerin arbeitet und der Sohn ein bisschen dabei hilft, kam während der Ölpest leicht auf 6.000 Euro Monatseinkommen, mehr als doppelt so viel als normal. Die Opposition behauptet, die Regierung hätte mit den großzügigen Hilfen die Kritik der Bevölkerung erstickt.

Der konservative Politiker Castro hält das für eine Beleidigung der galicischen Bevölkerung. Die Menschen ließen sich nicht einfach so kaufen, meint er. Es sei einfach nur schnell geholfen worden. Das war nicht immer so. Javier Sar, Chef der Fischer aus Muxía an der Todesküste, über die Finanzhilfen:

Ein Fischer, der raus fährt, verdient Geld, einer der an Land bleibt, verdient nichts. Darum sind die Leute so dankbar. Nicht, weil uns etwas geschenkt worden wäre, sondern weil wir ein Recht auf diese Hilfen haben. Eine Familie kann nicht elf Monate lang ohne Einnahmen auskommen. Bei vorangegangenen Unglücken war das aber so.

Die Katastrophe der Prestige ist noch lange nicht vorbei. Das Schweröl hat sich großflächig auf den Meeresboden gelegt. Die ersten Herbststürme wirbeln es jetzt immer wieder auf. Das Öl steigt nach oben. Erst vor wenigen Tagen zogen galicische Fischer nach Stürmen ölverschmierte Netze an Bord.

Und noch immer befinden sich mindestens 13.000 Tonnen Öl im Rumpf der Prestige. Das Wrack liegt auf 4.000 Metern Tiefe. Niemals ist aus solcher Tiefe Schweröl aus einem Schiff geborgen worden. Der spanische Mineralölkonzern Repsol wurde damit beauftragt. Ein erster Test verlief im September erfolgreich, im April soll mit den Arbeiten begonnen werden.

Selbst wenn diese Bergung reibungslos abläuft: Niemand kann den Fischern sagen, wie sich ihre Fangmengen entwickeln werden. Das im Fall Prestige äußerst regierungskritische "Spanische Ozeanographische Institut" warnt, es sei normal, wenn nach einer Ölpest zunächst mehr Fisch als vorher gefangen werde, da die Fischer ein Jahr lang nicht gearbeitet hätten. Schwierig würden die Folgejahre, weil sich eine Ölpest vor allem auf die Fortpflanzung der Tiere auswirke. Fischer Javier Sar meint resigniert, wenn die Behörden schon jetzt nichts mehr gegen die Folgen dieser Katastrophe unternehmen könnten, sollten sie sich wenigstens besser auf künftige Tankerhavarien vorbereiten:

Seien wir realistisch. Früher oder später kommt das nächste Tankerunglück. Wir fordern, dass endlich Schiffe zum Absaugen von Öl auf dem Meer hierher kommen. Wir haben die am stärksten befahrene Wasserstraße in Europa vor der Tür, aber keinerlei Schutz vor der Umweltverschmutzung. Ideen gab es immer viele, auch schon nach der Katastrophe der Agaen Sea. Passiert ist aber nichts. Wir werden sehen, ob die Behörden jetzt endlich die notwendigen Infrastrukturen zur Bekämpfung solcher Katastrophen bereit stellen.

Die spanischen und die galicischen Behörden haben viele Pläne. Moderne Boote zum Abpumpen des Öls, die auch bei hohem Wellengang arbeiten könne, sollen ebenso gebaut werden wie kräftige Hochseeschlepper. An beidem fehlte es während der Katastrophe.

Zudem wollen die spanischen und portugiesischen Behörden gemeinsam das bisher modernste System zur Überwachung des Meeres vor Galicien entwickeln. Es soll permanent über die Schifffahrt und mögliche Verschmutzungen informieren. Bisher wurde allerdings weder im spanischen noch im galicischen Haushalt für solche Maßnahmen Geld bereitgestellt.

Vor der galizischen Küste fahren täglich 1.200 mit Gefahrgut beladene Schiffe vorbei, warnt Journalist Ventoso von La Voz de Galicia . Es könne jeden Tag zu einem neuen Tankerunglück kommen. Doch in Spanien gibt es heute, im Gegensatz zu früher, eine sensible Protestbewegung, die auf die Einhaltung der Regierungsversprechen pochen wird. Und das lässt hoffen.

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