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StartseiteVerbrauchertippDynamik ist wichtig25.05.2020

SchreibtischstühleDynamik ist wichtig

Synchron-Mechanik, Lordosenstütze oder 3D-Stuhl: Wer im Home Office arbeitet, sollte sich einen ergonomischen Schreibtischstuhl zuzulegen. PC-Arbeit auf dem Küchenstühl ist dem Rücken auf Dauer nicht zuträglich. Bei den zahlreichen Modellen lohnt sich allem aber ein Preisvergleich.

Von Anne Debus

Ein Sessel steht hinter einem Schreibtisch. ( imago/Horst Rudel)
Entscheidend für die Sitzhaltung ist auch die Rückenlehne - wer lange am Schreibtisch arbeitet, sollte in einen guten Stuhl investieren ( imago/Horst Rudel)
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Ein Büromöbel-Fachgeschäft im Münsterland. Werkstattleiter Jürgen Bomholt holt einen Musterstuhl für eine Kundin.

"Wir setzen Sie jetzt da gleich mal drauf. Ich will den erst mal grob ein wenig einstellen, dass wir da ein wenig Grundeinstellung haben... Gut, dann einfach mal Platz nehmen!" "Ja, der fühlt sich gut an."

Ein Schreibtischstuhl sollte individuell einstellbar sein, sagt Matthias Hartwig von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Und: Er sollte es ermöglichen, 'dynamisch' zu sitzen, also oft die Haltung zu verändern.

"Eine statische Haltung – egal wie gut – führt immer dazu, dass bestimmte Muskeln verkümmern, dass andere überlastet sind, und viele Stoffwechselprozesse in unserem Körper funktionieren nur durch Bewegung."

Wippen, bewegen, strecken

Dafür gibt es bei Schreibtischstühlen unterschiedliche Lösungen. Bei der Wippmechanik sind Rückenlehne und Sitzfläche fest verbunden. Beim Zurücklehnen neigen sich beide im selben Winkel, als säße man in einem Schalensitz. Beweglicher ist die Synchron-Mechanik: Hier bewegen sich Sitz und Rückenlehne separat, das streckt den Körper und bewegt die Gelenke. Noch dynamischer sind dreidimensional bewegliche Modelle, '3D-Stuhl' oder 'Pendelsitz' genannt. Bei ihnen schwingt die Sitzfläche nach allen Seiten, erklärt Werkstattleiter Jürgen Bomholt:

"Bei dieser Sitzplatte ist es so, dass die komplett gummigelagert aufgehängt ist. Das heißt, wir haben rechts und links sehr wenig Halt. Der ein oder andere findet das total interessant und sagt: Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Der nächste sagt: Ich fühl mich so ein bisschen wie auf hoher See, ich bin ja nur am Rumschaukeln."

Auch Ergonomie-Experte Matthias Hartwig gibt zu bedenken, dass der Körper nicht nur Bewegung, sondern auch Halt brauche. 3-D-Stühle vergleicht er mit dem Sitzen auf einem Therapie-Ball:

"Darauf als untrainierte Person eine halbe Stunde gerade zu sitzen, ist schon anstrengend. Wenn ich mir das vorstelle für einen 8-Stunden-Tag für jemanden, der untrainiert ist, ist die Wahrscheinlichkeit sehr sehr groß, dass die Person aufgrund einer Überforderung der Muskeln plötzlich wieder eine sehr schlechte Haltung einnimmt."

Die richtige Rückenlehne für die Sitzhaltung

Entscheidend für die Sitzhaltung ist auch die Rückenlehne. Im Idealfall enthält sie eine Lordosenstütze - eine Polsterung, die so verstellbar sein sollte, dass sie genau in die Vertiefung am unteren Rücken passt. Greift man bei der Arbeit oft hinter sich, kann eine schmale Rückenlehne in Form eines Kreuzes sinnvoll sein. Solche Stühle haben oft keine Armlehnen, stattdessen legt man die Arme auf die Querbalken der Rückenlehne. Die Kundin ist begeistert:

"Ich hab so das Gefühl, ich kann mich mit den Armen auch besser mal nach hinten bewegen, die Schulterblätter haben da Platz." "Und nebenbei hat der Stuhl noch die Möglichkeit, auch mal verkehrt rum drauf zu sitzen. Und ich kann auch von der Seite darauf sitzen. Also ein sehr beweglicher Stuhl."

Bis zu tausend Euro und mehr

Manche Bürostühle kosten bis zu tausend Euro und mehr. So viel braucht man aber nicht zu investieren, meint Büromöbel-Fachmann Jürgen Bomholt.

"Ein guter Stuhl, den ich da vorne zum Beispiel stehen habe, der fängt so bei 250 Euro an. Klar, ob man hinterher mit Armlehnen haben will oder mit zusätzlicher Lordosenstütze, das ist eine andere Geschichte. Aber ich sag' mal: 200 bis 300 Euro sollte man für einen Bürostuhl schon ausgeben. Ich glaube, darunter wird es sehr schwierig."

Für Zusatzausstattung wie Kopfstütze oder Lederbezug wird es schnell teurer. Fachleuten zufolge ist aber bei ungefähr 800 Euro eine Grenze beim Sitzkomfort erreicht. Wer mehr ausgibt, zahlt dann eher für die Optik.

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