Donnerstag, 19. Mai 2022

PEN-Deutschland
Schriftsteller Josef Haslinger soll als Übergangspräsident Neuanfang einleiten

Der Schriftsteller Josef Haslinger wird übergangsweise als Präsident das deutsche PEN-Zentrum führen. Der 66-Jährige wurde auf der Mitgliederversammlung in Gotha mit großer Mehrheit an die Spitze der Schriftstellervereinigung gewählt. Haslinger will nach eigener Aussage einen Neustart vorbereiten.

14.05.2022

Das Logo des Schriftstellerverbands PEN-Zentrum.
Das Logo des Schriftstellerverbands PEN-Zentrum. ( imago/photo2000 )
Haslinger war schon einmal von 2013 bis 2017 PEN-Präsident. Er soll den PEN bis zur Neuwahl der Führungsriege auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in einigen Monaten führen.
Die Neuwahl war notwendig geworden, weil zuerst der bisherige PEN-Präsident Deniz Yücel zurückgetreten war und danach auch noch Vizepräsident Ralf Nestmeyer und der Beisitzer Christoph Links.
Der Führungsstil der Spitzenriege hatte zu heftigem Streit innerhalb der Schriftstellervereinigung geführt. Dabei ging es unter anderem um Beleidigungen, Mobbingvorwürfe und den Umgangston. Der zuvor gescheiterte Abwahlantrag gegen den PEN-Präsidenten war ein Novum in der jüngeren Geschichte der Vereinigung.

Neuanfang gefordert

PEN-Mitglieder forderten eine personelle Verjüngung des Gremiums. Die Schriftstellerin Thea Dorn sagt bei der Aussprache auf der Mitgliederversammlung in Gotha, für sie mache ein Verbleib im PEN nur Sinn, wenn sich die Vereinigung radikal neu aufstelle. PEN-Mitglied Herbert Wiesner sagte: "Wir brauchen einen Neuanfang mit jüngeren Leuten nach diesem Desaster, wir steuern ins Nirwana.".
Die Schriftstellerinnen Eva Menasse und Julia Franck äußerten in der Aussprache ihre Befremden über die in Gotha zutage getretene Häme und Grabenkämpfe.
Die ehemalige Vorsitzende des PEN-Deutschland, Regula Venske, kritisierte den Ablauf der Mitgliederversammlung. Sie sagte im Deutschlandfunk Kultur (Audio-Link), nach dem überraschenden Rückzug von PEN-Präsident Yücel hätte sich der komplette Vorstand zur Wiederwahl stellen müssen. Notwendig wäre ein Mediation gewesen.
Der Journalist Yücel war im Oktober in das Amt gewählt worden. Seitdem hatte es auch Kritik an seinen Äußerungen zum russischen Ukraine-Krieg gegeben. Frühere Vorsitzende kritisierten etwa dessen vehementes Eintreten für die Einrichtung einer Flugverbotszone über der Ukraine.
Diese Nachricht wurde am 14.05.2022 im Programm Deutschlandfunk Kultur gesendet.