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StartseiteKultur heuteKritischer Blick auf den Zustand in Frankreich05.12.2018

Schriftststeller und die "Gilets Jaunes"Kritischer Blick auf den Zustand in Frankreich

Auf den Plakaten der "Gilet Jaunes" liest man "Ich bin ein wütender Gallier!" oder "Besteuert lieber die Reichen!". Schriftsteller wie Édouard Louis und Didier Eribon hätten den Konflikt in Frankreich vorausgesehen, sagte der Literaturkritiker Dirk Fuhrig im Dlf. Wo die Wurzeln der Protestbewegung liegen, beschreiben viele aktuelle Bücher.

Dirk Fuhrig im Gespräch mit Anja Reinhardt

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Die französischen Schriftsteller Edouard Louis (l) und Didier Eribon (r). (dpa / AFP / Combo: Deutschlandradio)
Die französischen Schriftsteller Edouard Louis (l) und Didier Eribon (r). (dpa / AFP / Combo: Deutschlandradio)
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Aufstände und Autobahnblockaden - Michel Houllebecq hat solche Szenarien bereits in seinem Roman "Unterwerfung" beschrieben. Der Schriftsteller habe schon immer die Stimmung in der Gesellschaft erspürt, so der Literaturkritiker Dirk Fuhrig im Dlf. In Houllebecqs Buch kommt es zu Plünderungen an Raststätten, es brennen Tankstellen, und der Konflikt zwischen oben und unten bestimmt das Land.

Abgehängte Landbevölkerung versus arrivierte Städter

Auch der diesjährige Prix-Goncourt-Preisträger Nicolas Mathieu beschreibe in seinem Roman "Leurs enfants après eux" das ländliche Milieu, die Situation der Abgehängten, sagte Fuhrig.

Die heftigsten Kritiker Macrons sind die Schriftsteller Didier Eribon und Édouard Louis. Eribon beschreibt in seinem autobiographischen Buch "Rückkehr nach Reims"  den starken Gegensatz zwischen dem Leben auf dem Land und in dem in der Stadt. Édouard Louis gebe in seinem aktuellen Buch der Regierung Macron sogar die Schuld am Tod seines Vaters. Denn dieser habe trotz Krankheit harte, nicht adäquate Arbeit verrichten müssen. Der Staat, so Louis, unterdrücke die Armen.

Seltsame Verbündete

Bislang käme die gesellschaftskritische Literatur eher aus linken Schrifstellerkreisen, erklärte Literaturexperte Dirk Fuhrig im Dlf. Es sei schon ein wenig bizarr, dass sich bei den "Gilets Jaunes", den "Gelbwesten", nun rechts und links verbündeten, denn immerhin gebe es in den Reihen der Le-Pen-Wähler auch jede Menge homophobe und rassistische Tendenzen. Und genau die prangerten Schriftsteller wie Eribon und Louis immer wieder an, so Dirk Fuhrig.

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