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Schroeder & SomuncuRadioeins entschuldigt sich für Äußerungen im Podcast - Somuncu: "Beleidigungen stellen Gerechtigkeit her"

Der Kabarettist Serdar Somuncu steht auf einer dunklen Bühne ("Christian Schneider / Maulhelden" )
Der Kabarettist Serdar Somuncu ("Christian Schneider / Maulhelden" )

Der RBB-Sender Radioeins hat sich auch im Namen der Protagonisten Florian Schroeder und Serdar Somuncu ausdrücklich für einen Podcast-Ausschnitt entschuldigt.

Programmchef Skuppin schrieb auf Twitter, dass sich bei vielen Zuhörer*innen offenbar der Eindruck verfestigt habe, der Radioeins-Podcast wolle rassistische und sexistische Klischees zementieren. Und weiter: "Nach der Live-Ausstrahlung bei Instagram hätte Radioeins den Podcast redaktionell bearbeiten müssen, die missverständlichen Passagen einordnen bzw. herausnehmen müssen. Es tut uns leid, dass es zu diesen Missverständnissen gekommen ist. Radioeins übernimmt dafür die Verantwortung und entschuldigt sich auch im Namen der beiden Protagonisten bei all den Menschen, die sich deshalb beleidigt oder herabgewürdigt fühlen. Radioeins hatte niemals die Absicht, rassistische oder sexistische Stereotype zu befördern."

Vulgäre und beleidigende Wortwahl

Bei dem Podcast mit dem Titel "Schroeder und Somuncu" handelt es sich um die erste Folge. Der Podcast wurde von Radioeins auf der Webseite angekündigt mit der Überschrift: "Zwei Titanen des gesprochenen Wortes haben sich zusammengeschlossen". In dem dreistündigen Format, in dem sich die beiden Kabarettisten unter anderem über die Themen Meinungsfreiheit und Dialog mit Andersdenkenden austauschen, fallen rassistische und sexistische Beleidigungen. Somuncu verwendet rassistische Begriffe wie das "N-Wort" und beleidigt Frauen auf vulgärste Weise. Während der Beleidigungen lachte Schroeder mehrfach.

Stilmittel Satire

Programmchef Skuppin betonte, dass die - von Dritten veröffentlichten - Zitate aus dem Zusammenhang gerissen worden seien und ohne Kontext nicht verstanden und bewertet werden könnten: „Auch der veröffentlichte Podcast-Ausschnitt ist als satirische Überspitzung zu sehen, eine gezielte Provokation, die im besten Fall beim Publikum einen Denkprozess in Gang setzt. In diesem Fall war die Idee, zu zeigen, wie in einer verkürzten Medienöffentlichkeit wenige Äußerungen ausreichen, um Menschen zu provozieren, was im Podcast zuvor auch thematisiert wurde."

"Beleidungen sollen Gerechtigkeit herstellen"

Die zweiminütige Passage hatte viel Kritik hervorgerufen. Im Gespräch mit Radioeins argumentierte Somuncu, dass er seit Jahren durch flächendeckende Beleidigungen Gerechtigkeit herstellen wolle, um zu zeigen, wie Intoleranz funktioniere. Er verweist darauf, dass manche, die ihm und Schroeder nun vorwerfen, extrem zu sein, selbst extrem reagierten – etwa durch rassistische Äußerungen oder Morddrohungen. Er habe vor Jahren beschlossen, nicht mehr Opfer zu sein und als Künstler "souverän in die Täterrolle zu springen".

Auch Schroeder stellte klar, dass die rassistischen und sexistischen Aussagen die der Bühnenfigur von Somuncu gewesen seien. Er selbst unterstreiche in dem Podcast nicht die Inhalte der Äußerung, sondern die "Performance".

"Ich schäme mich"

Der Medienblogger Stefan Niggemeier kritisierte Somuncu und schrieb auf Twitter: 2Ich schäme mich, wenn ich Serdar Somuncu auf radioeins höre, und frage mich jedesmal, was er gegen die Verantwortlichen in der Hand hat, womit er sie zwingen kann, ihm Sendezeit zu geben." Er weist darauf hin, dass Somuncu seit Jahren unter anderem mit homophoben Parolen auffalle. Als Comedy sieht er die Ausfälle nicht.

Der Journalist, Podcaster und Moderator Malcolm Ohanwe meinte dazu: "Was ist der Kontext? Ich habe in den ganzen 3 Stunden wirklich wohlwollend keinen Hinweis gefunden, der das Ganze einordnet. Im Gegenteil es wird teilweise noch viel schlimmer und schlimmer. Das Gespräch bleibt konsequent eines von zwei Männern, die einfach frei Schnauze plaudern."

Auch andere Medienschaffende wie Hatice Akyün, Sibel Schick, Micky Beisenherz oder Dunja Hayali kritisierten Somuncu.

Radioeins-Programmchef Robert Skuppin gibt denn auch zu, dass Satire in diesem Fall nicht funktioniert habe. In einem Interview seines Senders betont er: "Der Ausschnitt ist grauenhaft, darüber müssen wir nicht reden, wenn man nicht die Einordnung im Podcast hört". Gleichzeitig stellt Skuppin klar, dass Radioeins an Satire- und Comedyformaten festhalten will.

Inzwischen hat Radioeins den Podcast von der Webseite entfernt.

Diese Nachricht wurde am 16.09.2020 im Programm Deutschlandfunk gesendet.