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Schroeder und SomuncuRBB-Sender Radioeins stellt redaktionell bearbeitete Podcast-Fassung online

Der Kabarettist Serdar Somuncu (Paul Schirnhofer)
Kabarettist Serdar Somuncu (Paul Schirnhofer)

Der RBB-Sender Radioeins hat nach Kritik an sexistischen und rassistischen Äußerungen des Kabarettisten Serdar Somuncu eine redaktionell bearbeitete Podcast-Fassung veröffentlicht.

Wenn man Fehler korrigieren könne, solle man es tun, sagte Programmchef Skuppin dem Deutschlandfunk. Deswegen habe Radioeins die Redaktionsarbeit nun nachgeholt und am Mittwochmittag anstelle der Ursprungsfassung eine redaktionell bearbeitete Version veröffentlicht. Dies geschah in Abstimmung mit den beteiligten Künstlern.

Der Originalpodcast sei - ebenfalls in Abstimmung mit den Künstlern - seitdem nicht  mehr zugänglich, weil sich viele Menschen durch einzelne Passagen beleidigt und herabgewürdigt sahen, betonte Skuppin. "Das lag nie in der Absicht vom radioeins, auch deshalb war eine redaktionelle Bearbeitung notwendig." Skuppin wieß darauf hin, dass Radioeins bewusst sei, dass der Podcast weiterhin Inhalte transportiere, die kontrovers diskutiert würden. Das liege in der Natur des Formats. Er betonte aber: "Sexistisch oder rassistisch zu verstehende Formulierungen haben aber in radioeins-Produktionen nichts verloren."

Vulgäre Wortwahl eines "Wort-Titanen"

Der RBB-Sender Radioeins hatte sich gestern ausdrücklich für einen Ausschnitt aus dem neuen Podcast-Format "Schroeder & Somuncu" entschuldigt, das der Sender mit der Überschrift ankündigte: "Zwei Titanen des gesprochenen Wortes haben sich zusammengeschlossen". In dem dreistündigen Format, in dem sich die beiden Kabarettisten Florian Schroeder und Serdar Somuncu unter anderem über die Themen Meinungsfreiheit und Dialog mit Andersdenkenden austauschen, fielen rassistische und sexistische Beleidigungen. Somuncu verwendete rassistische Begriffe wie das "N-Wort" und beleidigte Frauen auf vulgärste Weise. Während der Beleidigungen lachte Schroeder mehrfach.

Diese Passage stieß auf massive Kritik. Programmchef Skuppin schrieb daraufhin auf Twitter, dass sich bei vielen Zuhörer*innen offenbar der Eindruck verfestigt habe, der Radioeins-Podcast wolle rassistische und sexistische Klischees zementieren. Und weiter: "Nach der Live-Ausstrahlung bei Instagram hätte Radioeins den Podcast redaktionell bearbeiten müssen, die missverständlichen Passagen einordnen bzw. herausnehmen müssen. Es tut uns leid, dass es zu diesen Missverständnissen gekommen ist. Radioeins übernimmt dafür die Verantwortung und entschuldigt sich auch im Namen der beiden Protagonisten bei all den Menschen, die sich deshalb beleidigt oder herabgewürdigt fühlen. Radioeins hatte niemals die Absicht, rassistische oder sexistische Stereotype zu befördern."

"Beleidungen sollen Gerechtigkeit herstellen"

Im Gespräch mit Radioeins argumentierte Somuncu, dass er seit Jahren durch flächendeckende Beleidigungen Gerechtigkeit herstellen wolle, um zu zeigen, wie Intoleranz funktioniere. Schroeder stellte klar, dass die rassistischen und sexistischen Aussagen die der Bühnenfigur von Somuncu gewesen seien. Er selbst habe mit seinem Lachen in dem Podcast nicht die Inhalte der Äußerung, sondern die "Performance" Somuncus unterstreichen wollen.

Niggemeier: "Ich schäme mich"

Der Medienblogger Stefan Niggemeier kritisierte Somuncu und schrieb auf Twitter: "Ich schäme mich, wenn ich Serdar Somuncu auf radioeins höre, und frage mich jedesmal, was er gegen die Verantwortlichen in der Hand hat, womit er sie zwingen kann, ihm Sendezeit zu geben." Er weist darauf hin, dass Somuncu seit Jahren unter anderem mit homophoben Parolen auffalle. Als Comedy sieht er die Ausfälle nicht.

Die Autorin Berit Glanz sagte im Deutschlandfunk, hinter den diskriminierenden Beleidigungen stecke der Wunsch, „dass sich zwei relativ talentfreie Comedians“, er und sein Podcast-Kollege Florian Schroeder, „auf die Bühne canceln lassen“. Wer sich über Somuncu aufrege, spiele ihm in die Karten, weil er dadurch noch mehr Aufmerksamkeit bekomme. Die Kritik müsse sich vielmehr an die Institution richten, die so etwas sagbar machen. Deshalb müsse die Kritik sich in diesem Fall laut Glanz an den Rundfunk Berlin-Brandenburg richten, der den Podcast der beiden produziert. "Und warum werden solche Formate angekündigt als große radikale Form von Comedy, wenn letztlich eigentlich ganz alte Leiern permanent wieder bedient werden?“, so die Autorin. Glanz meint, in diesem Falle werde versucht, Talentmangel durch Skandalisierung auszugleichen.

Breite Kritik von Medienschaffenden

Der Journalist, Podcaster und Moderator Malcolm Ohanwe meinte dazu: "Was ist der Kontext? Ich habe in den ganzen 3 Stunden wirklich wohlwollend keinen Hinweis gefunden, der das Ganze einordnet. Im Gegenteil es wird teilweise noch viel schlimmer und schlimmer. Das Gespräch bleibt konsequent eines von zwei Männern, die einfach frei Schnauze plaudern." Auch andere Medienschaffende wie Hatice Akyün, Sibel Schick, Micky Beisenherz oder Dunja Hayali kritisierten Somuncu.

Diese Nachricht wurde am 17.09.2020 im Programm Deutschlandfunk gesendet.