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StartseiteInterview"Ich nehme für unseren Verband politische Neutralität in Anspruch"12.03.2020

Schützenbruderschaften und AfD"Ich nehme für unseren Verband politische Neutralität in Anspruch"

Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften wehrt sich gegen Vereinnahmungsversuche durch die AfD. Präsidiumsmitglied Emil Vogt sagte im Dlf, man wolle verhindern, dass auch nur der Eindruck einer inhaltlichen Nähe entstehe. Die Auffassung der AfD sei nicht mit den Werten der Schützen vereinbar.

Emil Vogt im Gespräch mit Sarah Zerback

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Schützen stehen bereit kurz vor dem Empfang von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) am 10.09.2017 in Delbrück (Nordrhein-Westfalen) bei einer CDU-Wahlkampfveranstaltung zur Bundestagswahl.  (dpa/ Friso Gentsch)
Mitgliedert eines Schützenvereins in NRW (dpa/ Friso Gentsch)

Sarah Zerback: Für Glaube, Sitte, Heimat – so lautet das Motto der katholischen Schützenbruderschaften, und damit kann sich scheinbar auch die AfD identifizieren und hat sich den Schützen schon mehrfach als Partner angeboten, im Kampf gegen ein neues schärferes Waffenrecht etwa und auch über Spenden. Beim Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften hat das Irritationen ausgelöst und auch Abwehrreflexe. Am Telefon begrüße ich jetzt Bundesschützenmeister Emil Vogt, der auch im Präsidium des Bundes sitzt, dem Dachverband, dem die 400.000 katholischen Schützen in Deutschland angehören, der sie vertritt. Guten Morgen, Herr Vogt!

Emil Vogt: Guten Morgen!

Zerback: Was macht denn Schützenvereine so attraktiv für die AfD?

Vogt: Wir haben im Jahre 2019, sprich zum Ende des Jahres, in der Debatte um das neue Waffenrecht einen Flyer der AfD bekommen, mit dem unsere Schützenbruderschaften und der Verband zielgerichtet angeschrieben wurde. Versandt wurde dieser Flyer zum Waffenrecht, der Bedenken aus Kreisen der Sportschützen und Jäger gegen eine Verschärfung des Waffenrechts aufgreift und die AfD als politische Interessenvertretung empfiehlt. Ich nehme für unseren Verband politische Neutralität in Anspruch und möchte verhindern, dass auch nur der Eindruck einer inhaltlichen Nähe zwischen Schützen und AfD entsteht.

SYMBOLBILD - Ein Sportschütze schießt auf einer Schießanlage mit einer Pistole. (picture alliance / dpa / Keystone / Gaetan Bally) (picture alliance / dpa / Keystone / Gaetan Bally)Waffenrecht - Sportschützen wollen Rassismus-Prävention
Nach den rassistisch motivierten Morden von Hanau wird wieder über eine Verschärfung des Waffenrechts diskutiert, denn der Täter war Sportschütze. Der Deutsche Schützenbund lehnt eine Verschärfung ab, will aber bei der Demokratieförderung mit den hessischen Sicherheitsbehörden zusammenarbeiten.

"Unser Heimatbegriff ist viel weiter zu sehen als seitens der AfD"

Zerback: Auch wenn – und das hat ja der rechtsextreme Anschlag von Hanau gezeigt – das Waffenrecht einmal mehr in der Kritik steht? Es wurde gerade erst verschärft. Da könnten Sie ja eigentlich jede Hilfe gebrauchen.

Vogt: Das ist richtig. Wir sind auch mit allen demokratischen Parteien im Deutschen Bundestag im Kontakt gewesen, um dieses Waffenrecht so zu gestalten, dass unsere Sportschützen, die sich nun wirklich an alle Regeln des Waffenrechts halten, nicht allzu sehr benachteiligt werden.

Zerback: Sie sprechen jetzt davon, dass die Partei versucht, Sie zu vereinnahmen. Es ist ja so, dass die AfD selber sagt, das regionale Brauchtum bewahren, die deutsche Schützentradition, die für das heimatliche und historische Erbe steht. Das sind die Zitate. Was würden Sie denn sagen? Inwieweit unterscheidet sich denn dieser Heimatbegriff der AfD von dem Ihrigen?

Vogt: Unser Heimatbegriff ist viel weiter zu sehen als seitens der AfD. Heimat ist für uns nicht nur der Ort, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Heimat definiert sich nicht über Herkunft, Nationalität, Hautfarbe oder Religion. Heimat ist für uns der Ort, an dem ich mich zuhause und geborgen fühle. Unser christliches Menschenbild unterscheidet sich eindeutig von den Vorstellungen und Aussagen der AfD.

Zerback: Herr Vogt, aber das wäre doch dann eine recht neue Entwicklung. So lange ist es noch nicht her, dass sich katholische Schützen dagegen gewehrt haben, Muslime aufzunehmen oder gar zum Schützenkönig zu machen. Wie weltoffen sind denn deutsche Schützinnen und Schützen tatsächlich?

Vogt: Wir haben als kirchlicher Schützenverband in den letzten Jahren sehr intensiv darüber diskutiert, wie unsere Zukunftsausrichtung denn aussehen soll. Wir möchten als christlicher Verband einladend sein für alle, die mit uns Kontakt haben wollen, und deswegen sind wir auch bereit, diese in unsere Reihen aufzunehmen.

Intensive Aufnahmegespräche geplant

Zerback: Da bewegt sich was, das höre ich bei Ihnen heraus. Jetzt sagen Sie auch, Sie wollen sich von der AfD speziell als Partei distanzieren. Wie weit gehen Sie denn dabei? Keine Vereinsmitglieder mit AfD-Parteibuch?

Vogt: Nein. Gerade in der heutigen Zeit, in der rechte Populisten unter dem Deckmantel der Heimatverbundenheit Grenzen abschotten wollen und Fremdenhass schüren, zeigen wir, dass unser Heimatbegriff auf Miteinander setzt und nicht auf Ausgrenzung.

Zerback: Sie schließen das konkret aus, dass jemand, der in der AfD parteilich organisiert ist, bei Ihnen Mitglied wird?

Vogt: Wir sagen in der Zwischenzeit ganz eindeutig, dass wir uns da distanzieren, und wir überlegen auch, eindeutig da einen Unvereinbarkeitsbeschluss herbeizuführen.

Zerback: Aber das ist noch Zukunftsmusik? Das wollte ich nur noch klarstellen.

Vogt: Ja. Unsere Schützenjugend, der Bund der St.-Sebastianus-Schützenjugend ist da schon einen Schritt weiter. Die haben schon 2017 eine Aktion Schützen gegen rechts ins Leben gerufen und sind im Moment auch dabei, einen Beschlussantrag vorzubereiten, dass kein Mitglied der AfD oder deren Unterorganisationen Mitglied bei den Jungschützen werden kann.

Zerback: Nun wissen wir ja auch, dass Rechtsextremisten nicht immer in Parteien organisiert sind. Wäre es da nicht wichtiger, die Gesinnung zu prüfen?

Vogt: Wir werden nicht umhin kommen, bei den Aufnahmegesprächen und auch bei den Gesprächen mit unseren Mitgliedern sehr intensiv das Gespräch dahingehend zu suchen, ob sie hinter unseren Werten stehen und diese auch vertreten, und nach unserer Auffassung kann schlicht und ergreifend die Auffassung der AfD nicht mit unseren Werten kompatibel sein.

Zerback: Ganz konkret: Wie prüfen Sie das? In Gesprächen, oder wie fragen Sie das ab?

Vogt: Uns wird nichts anderes übrig bleiben, als in Einzelgesprächen dies mit den Mitgliedern zu erörtern. Ja!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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