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StartseiteInterview"Lehrkräfte sind darauf eingestellt, in Gesichter zu schauen"02.08.2020

Schule in Coronazeiten"Lehrkräfte sind darauf eingestellt, in Gesichter zu schauen"

Einige Lehrer wären zu Beginn der Coronakrise gegenüber digitalem Unterrichten reserviert gewesen, sagte Buchautor Jürgen Kaube im Dlf. Viele hätten zunächst Technisches üben wollen. Wichtig sei aber, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie es ist, wenn man nicht alle Schüler sehe oder was schweigen bedeute.

Jürgen Kaube im Gespräch mit Britta Fecke

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Ein Junge mit Kopfhörern sitzt beim Homeschooling vor einem Bildschirm. (imago / Jochen Tack)
Das digitale Unterrichten seit Beginn der Coronapandemie habe den Eltern ein bisschen gezeigt, wie die Schule operiere, sagte der Buchautor Jürgen Kaube im Dlf (imago / Jochen Tack)
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Am Montag (03.08.2020) geht in Mecklenburg-Vorpommern die Schule wieder los, danach folgen Hamburg und Berlin/Brandenburg, am 12.08 Nordrhein-Westfalen. Aber mit welchen Herausforderungen wird der Schulalltag nach Monaten unter Corona-Bedingungen wieder beginnen? 

Zum einen gehe er davon aus, dass die Interaktion durch Corona "relativ stark belastet sei", sagte der "FAZ"-Herausgeber und Buchator Jürgen Kaube. Neben geteilten Klassen, Abständen und Masken auf dem Schulhof, hätten sich viele Schüler lange oder nur sehr kurz gesehen. So müssten sich die Schüler erst wieder in das normale Unterrichtsgeschehen einfinden und ein bisschen aufholen. 

Nach den Sommerferien könnte die Schule nicht in normalem Tempo weitergehen

Schon unter normalen Umständen sei es ein gewisses Problem, das Bildungsniveau von Schülern in bestimmten Regionen nach den Ferien wieder auf dasselbe Niveau zu bringen. Durch die Coronakrise habe sich das sicherlich verstärkt, "je nachdem wie stark das Homeschooling unterstützt wurde" oder wie die einzelnen Schüler die Umstände "absorbiert" hätten. Die Frage sei, ob seit März Fantasie entwickelt wurde, wie man jetzt weiter vorgehen möchte. "Man kann ja nicht in dem normalen Tempo jetzt einfach weitermachen." Vor allem angesichts der Ungleichheiten. Das wäre sinnlos und würde zu weiteren Enttäuschungen führen.

Das digitale Unterrichten seit Beginn der Coronapandemie habe den Eltern ein bisschen gezeigt, wie die Schule operiere. "Das ist, ich will es mal vorsichtig formulieren, sehr interessant gewesen, wie und was da unterrichtet wird", so Kauber im Dlf. Lehrer und Schulbehörden sollten die Krise als Chance nutzen, um sich zu fragen, ob diese Art von Wissensvermittlung, "die vorwiegend auf Absorption abgestellt ist", sinnvoll sei.

Digitales Unterrichten: Lehrer waren zunächst reserviert

Im Hinblick das digitale Unterrichten habe er den Eindruck gehabt, dass "die Lehrer zunächst reserviert waren und damit auch erstmal nichts anfangen konnten", so Kauber. Es sei dann gesagt worden: 'Wir müssen erstmal üben, wie Zoom oder Teams funktionieren'. Doch statt zu üben, gehe es mehr darum, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was eigentlich passiere, wenn man eine Klasse unterrichtet und nicht alle Schüler sehe oder auch nicht wisse, was schweigen bedeute. Das brauche erstmal Erfahrungen. Lehrkräfte seien darauf eingestellt, in Gesichter zu schauen. 

33D-Modell des Coronavirus SARS-CoV2 (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte) (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)

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