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StartseiteCampus & KarriereWeltwissen ohne Internetzugang25.07.2018

Schulen in AfrikaWeltwissen ohne Internetzugang

In vielen afrikanischen Ländern gibt es übervolle Klassen und nur wenige Lernmittel. Zwei Schüler aus Hessen haben eine Lösung für das Problem entwickelt. Ein Computerserver soll Schulmaterial auch dort bereitstellen, wo es keinen Internetzugang gibt.

Von Kai Rüsberg

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Zwei Schulmädchen während einer Pause vor dem Schulgebäude in Kilolo, Tansania (TONY KARUMBA / AFP)
Viele Schulen in Afrika haben keinen Zugang zum Internet (TONY KARUMBA / AFP)
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Im Forschungsinstitut CAIS (Center for Advanced Internet Studies) in Bochum wird das Bildungsprojekt "Nextgeneration Afrika" vorgestellt. Vor den Fachleuten erklären die beiden jugendlichen Initiatoren aus Hessen, wie sie begonnen haben, Computerserver in Schulen von Malawi in Zentralafrika aufzustellen. Darauf ist eine Art lokales Internet gespeichert. Diese Informationen ersetzen dort die Schulbücher, erklärt Niels Kunz, einer der beiden:

"In Malawi an den Schulen gibt es kaum Bücher, wenn man sie vorfindet, dann sind sie meistens sehr veraltet und passen nicht mehr zum aktuellen Lehrplan. Keine Chemikalien für Experimente oder kein Physik-Equipment und so findet Unterricht häufig sehr, sehr theoretisch statt, dass heißt, die Schüler können sich kein Bild davon machen, was sie lernen."

Jetzt aber können Lehrer und Schüler mit ihren Computern oder Laptops auf das Wissen der Welt zurückgreifen, obwohl es vor Ort an der Schule gar kein Internet gibt. Die sogenannten Libraryboxes, übersetzt etwa: Bibliotheks-Speicher, haben die Informationen auf der Festplatte vorinstalliert.

"Alle relevanten Inhalte, die in der Schule wichtig sind, findet man in dieser Box, dass heißt, neben den Inhalten, die wir zusammengesucht haben für den Unterricht selbst, wie es zum Beispiel Videos von Chemieexperimenten, gibt es auch Wikipedia offline, eBooks offline, auch viele weitere, eine offline map."

Fehlendes Lehrmaterial ist ein Problem

Kalan Mwandira ist Lehrer an einer der ersten drei beteiligten Schulen. Er bestätigt, dass fehlende Lehrmaterialien für ihn das größte Problem sind.

"We have a very, very big problem with books and access of these materials."

Und dabei gehe es nicht nur allein um Materialien für die Schüler, meint Frederik Bachmann, der zweite Entwickler der Librarybox.

"Die Lehrer haben oft Schwierigkeiten, sich selbst fortzubilden, weil kein Materialien da sind. Und die andere Sache ist eben, dass sie gar keine Materialien haben, um es dann anderen zu erklären. Frau Tanganika hat in unseren Workshops auch gelernt, wie man das macht. Sie konnte vorher noch nicht mal eine Maus bewegen. Plötzlich erstellt sie eigene Präsentationen, sucht sich eine Grafik über das Sonnensystem, wie sich die Planeten bewegen. Es wird endlich klar, was sich eigentlich um was bewegt."

Die beiden hatten das Projekt noch als Abiturienten an einer Partnerschule in Malawi gestartet. Jetzt, nach einem Jahr, hat sich das Projekt quasi verselbstständigt.

"Die Lehrer haben sich übrigens bei uns beschwert, man würde ihnen Druck machen, dass sie das doch dringend benutzen sollen im Unterricht. Sehr viel Spaß, weil man viel mehr Erfolge, auch beim Lernen hat, also gerade bei abstrakten Themen und naturwissenschaftlichem Unterricht merkt man es. Viel belebter, mit viel mehr Freude verbunden, und die Lehrer sagen uns ganz oft, sie hätten noch nie so aufmerksame Schülerinnen und Schüler erlebt."

Projekt wird weiter verbessert

Finanziert durch Sponsoren konnten sie mehrfach vor Ort persönlich die Akzeptanz überprüfen und technische Probleme lösen, berichtet Niels Kunz:

"Aber uns wurde auch viel Motivation entgegengebracht, gerade auch in Workshops, die wir gemacht haben, haben wir gespürt, dass die Lehrer daran wirklich sehr, sehr viel Sinn sehen, mit Unterrichtsmaterial unterrichten zu können."

Durch ein wissenschaftliches Stipendium vom Internetforschungsinstitut CAIS in Bochum konnten sie weiteres Know-how in das Projekt hineinholen. Durch eine gründliche Evaluierung wurden Schwachstellen und Verbesserungspotenzial aufgedeckt.

Um das Projekt besser an den örtlichen Lehrplan anzupassen, ist nun ein örtliches Universitätscollege eingebunden. Der Bischof von Karonga, Martin Mtumbuka, betont, dass vor allem die ärmsten Familien durch den Zugang zu Lernmitteln profitierten, der bislang fehle.

"It'll make children from the poorest families access education in a way that at the moment is not possible."

Durch die Zusammenarbeit in Malawi soll das Projekt jetzt auf weitere Schulen ausgeweitet werden. Die beiden Macher hingegen wollen sich nach der vielen Arbeit an "Nextgeneration Afrika" nun endlich ihrem eigenen Studium widmen.

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