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StartseiteKommentare und Themen der WocheDas Problem liegt im Wie22.02.2021

SchulöffnungDas Problem liegt im Wie

Völlig richtig sei es, die Grundschulen nach zwei Monaten Pause wieder zu öffnen, kommentiert Manfred Götzke. Es komme allerdings auf das Wie der Öffnungen an. Ein Präsenzunterricht mit allen Schülerinnen und Schülern gleichzeitig wie in Schleswig-Holstein oder Sachsen sei nicht zu verantworten.

Ein Kommentar von Manfred Götzke

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22.02.2021,Berlin,Deutschland,GER,Grunewald-Grundschule im Ortsteil Grunewald Bezirk Wilmersdorf.Ab heute beginnen die Klassen eins bis drei mit den Unterricht. (imago-images /Stefan Zeitz)
Schule und Corona: Bei verschiedenen Kultusbehörden zeigten sich Inkompetenz und Überforderung, so Manfred Götzke (imago-images /Stefan Zeitz)
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Der Bildungsföderalismus zeigt sich in der Corona-Krise von seiner schlechtesten Seite. Das wird an diesem Montag der Grundschulwiedereröffnung besonders deutlich. In Schleswig-Holstein soll der Schulbesuch im Präsenzunterricht ab einem Inzidenzwert knapp unter 100 ungefährlich sein, in Mecklenburg-Vorpommern dagegen erst ab 50, während alle anderen Bundesländer den Wechselunterricht für die ungefährlichste Variante halten: Das dürfte sich weder den Grundschülern, noch deren Eltern und Lehrerinnen erschließen. Und erst recht nicht, dass in dem Bundesland mit den höchsten Corona-Zahlen – nämlich Sachsen – die Grundschüler schon vor Wochen in den Unterricht geschickt wurden und damit in eine Art Corona-Versuchslabor.

Schülerinnen und Schüler sitzen mit Masken und Abständen in einem Klassenraum. Vorne steht eine Lehrerin, ebenfalls mit Maske. (IMAGO / Independent Photo Agency Int./ Marco Passaro) (IMAGO / Independent Photo Agency Int./ Marco Passaro)Kinder und Corona - Wie sich Schulen verantwortlich öffnen lassen
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Schulbesuch für die Jüngsten essentiell

Eins soll hier klar sein: Es ist völlig richtig, dass die Grundschulen nach zwei Monaten Pause jetzt wieder öffnen. Denn gerade für die Jüngsten ist der Schulbesuch, der direkte Austausch mit Lehrerinnen und Lehrern, aber natürlich auch mit den Mitschülern, essentiell. Auch dass ihr psychisches Wohl durch Lockdown und Eingeschlossensein in Gefahr ist: unbestritten. Jedes dritte Kind zeigt inzwischen psychische Auffälligkeiten, seien es Ängste, Essstörungen oder Depressionen.

Das Problem liegt im Wie der Schulöffnungen: Anders als im Wechselunterricht sind Schulöffnungen auch für Grundschüler angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen nicht zu verantworten. Präsenzunterricht mit allen Schülern gleichzeitig wie in Schleswig-Holstein oder Sachsen sind dagegen ein Spiel mit dem Feuer. Was fehlt ist ein bundesweit verbindlicher Stufenplan, welche Art der Schulöffnungen ab welchen Inzidenzwerten verantwortbar wäre. Zwar haben die Kultusminister einen Stufenplan beschlossen, doch weder ist er verbindlich, noch an Inzidenzwerte geknüpft – und somit vollkommen sinnfrei.

Mundmasken und Jacken hängen im Flur der Schule an einem Kleiderhaken. Die Schulen bleiben während des Corona-Lockdowns geschlossen.  (dpa/Inderlied/Kirchner-Media) (dpa/Inderlied/Kirchner-Media)Prien zu Schulöffnungen - "Bewusste Entscheidung"
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Keine überzeugenden Konzepte für Hybridunterricht

Aber auch beim nun in den meisten Bundesländern praktizierten Wechselunterricht zeigt sich die Inkompetenz und offensichtliche Überforderung einzelner Kultusbehörden. Auch ein Jahr nach Beginn der Corona-Krise haben manche Länder keine überzeugenden Konzepte für den Hybridunterricht entwickelt. Noch immer brechen Server von Schulplattformen zusammen, noch immer haben nicht alle bedürftigen Schülerinnen Laptops bekommen – und dass, obwohl der Bund dafür längst Geld zur Verfügung gestellt hat.

Völlig abstrus wird es bei der Frage der Luftfilter: Statt den Schulen die Filteranlagen mit Landesmitteln zur Verfügung zu stellen, werden die Schulen bei der Anschaffung weitgehend allein gelassen, mancherorts durch Bürokratie sogar daran gehindert. Ja, es ist nicht abschließend geklärt, wie viel zusätzlichen Schutz die Geräte wirklich bringen, schaden dürften sie aber wohl kaum.

Immerhin einen Lichtblick im Schulöffnungsföderalismuschaos gibt es: Die Gesundheitsminister der Länder haben sich heute darauf einigen können, Lehrerinnen und Lehrer in der Impfreihenfolge vorzuziehen.

Doch im Großen und Ganzen zeigt sich: Das föderale Prinzip richtet zurzeit mehr Schaden an, als dass es nützt.

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