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StartseiteUmwelt und VerbraucherWenig Nachfrage nach nachhaltigem Palmöl19.06.2019

Schutz der RegenwälderWenig Nachfrage nach nachhaltigem Palmöl

Palmöl gilt als ökologisch und auch gesundheitlich kritisches Produkt und trotzdem findet es vielfach Verwendung, auch in Lebensmitteln. Wenn Palmöl schon eingesetzt wird, dann wenigstens aus nachhaltiger Produktion, so lautet eine Forderung von Umweltverbänden. Doch es hapert an der Nachfrage.

Von Philip Banse

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file - An Indonesian palm oil farmer displays some of the palm harvest, in Tamiang, Aceh, Indonesia, 15 December 2015. A EPA/HOTLI SIMANJUNTAK (zu dpa "Studie: Ersatz von Palmöl kann Umweltprobleme verschärfen" vom 30.08.2016) | (DPA)
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"Es ist sogar so, dass meine Kinder zögern und sagen: Palmöl? Gibt es da nichts Besseres?"

Das macht Thomas Mielke sichtlich zu schaffen. Denn er ist ein Palmöl-Fan und gibt die "Oil World" heraus, einen monatlichen Bericht über die Märkte für Öle wie Palmöl. Die Lebensmittelindustrie schätzt Palmöl wegen seiner speziellen Eigenschaften: Palmöl gibt Süßigkeiten Struktur und Zartheit, es lässt sich in sehr viele Unterarten aufteilen, die sehr unterschiedliche Eigenschaften haben. Und deshalb hat sich die Palmöl-Produktion zuletzt alle zehn Jahre verdoppelt, sagt Marktbeobachter Mielke.

Palmölgewinnung auf Kosten der Regenwälder

Umweltschützer kritisieren jedoch vor allem, dass für Palmöl-Plantagen oft Regenwälder gerodet werden. Denn bis die Palmen das erste Öl geben, vergehen drei Jahre - drei Jahre, die Bauern finanziell überbrücken, indem sie teures Tropenholz zu Geld machen. Das weiß auch Mielke, aber er sagt: Wenn man die landwirtschaftliche Fläche der Welt nimmt, inklusive Rinderweiden, "dann wird Palmöl nur auf 0,4 Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Fläche angebaut. 0,4 Prozent! Da kann ich doch als vernünftiger Menschen nicht sagen, Palmöl ist einer der Haupttreiber des Klimawandels. Das ist Blödsinn."

Das behauptet auch kaum jemand. Umweltschutzverbände entgegnen, dass Palmöl in besonders sensiblen Gebieten angebaut wird, der Schaden daher besonders hoch sei. Deswegen laufen Umweltverbände Sturm, deswegen darf in der EU nur nachhaltig produziertes Palmöl in Biodiesel gemischt werden. Dieser Druck zeige Wirkung, sagt Marktanalyst Mielke:

"Der spielt eine Rolle. Große Firmen, die erfolgreich sind in der Palmölproduktion, die möchten ihr Image verbessern."

Wie an einem guten Ruf gearbeitet wird

Deswegen sind einige Firmen dem "Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl" beigetreten, einer Vereinigung aus Umweltschützern und Industrie. Der Runde Tisch hat Standards entwickelt, wie Palmöl angebaut werden kann, ohne Mensch und Natur dauerhaft zu schaden. Erich Dumelin war 30 Jahre beim Lebensmittelriesen Unilever und hat den Runden Tisch vor knapp 20 Jahren mitgegründet. Seine Bilanz: "Ja, die ist durchmischt."

Denn vom ganzen Palmöl weltweit werden bis heute nur 18 Prozent einigermaßen nachhaltig produziert – und rund die Hälfte davon wird gar nicht verkauft:

"Der Abfluss stockt. Es ist eindeutig so, dass auf der Konsumentenseite das Öl nicht weggeht. Wir sprechen davon, wir fordern es eigentlich, aber am Schluss sind wir nicht bereit, dafür zu zahlen."

Hilfe vom Gesetzgeber

Deswegen fordert der ehemalige Konzern-Mann, dass der Staat Vorgaben macht: "Wir hofften ja ursprünglich, dass das auf freiwilliger Basis gelingen sollte. Aber offenbar braucht es eine gewisse Gesetzgebung, die das entsprechend fördert."

Also ein Gesetz, dass in Nahrungsmitteln nur nachhaltiges Palmöl erlaubt – wie beim Biodiesel: Die Hälfte des Palmöls in der EU wird Biodiesel beigemischt. Und hier erlaubt die EU nur nachhaltiges Palmöl. Dieser Druck zeigt Wirkung bei den größten Palmölproduzenten Malaysia und Indonesien. Malaysia will schon länger keine neuen Flächen mehr für Ölpalmen zur Verfügung stellen. Auch Indonesien hat einen permanenten Plantagen-Stopp verhängt, sagt der indonesische Botschafter in Berlin, Arif Havas Oegroseno:

"Das bedeutet, es wird keine Erweiterungen bestehender Palmöl-Plantagen geben. Kleine Farmer bekommen neue Pflanzen und wir arbeiten an einer Finanzierung, damit sie die ersten 3 Jahre überbrücken können. Wir haben eine starke Politik: Keine neuen Palm-Öl-Plantagen."

Vision und Wirklichkeit

Umweltverbände sind allerdings sehr skeptisch, was dieses Versprechen in der Realität bedeutet. So zeigten Satellitenbilder zuletzt eine fortschreitende Entwaldung, obwohl Indonesien einen Stopp versprochen hatte. Auch die EU macht weiter Druck: In gut zehn Jahren soll selbst nachhaltiges Palmöl nicht mehr als Biokraftstoff erlaubt sein. Indonesiens Botschafter sagt: "Wir werden die EU verklagen."

"Die EU-Politik ist nicht wissenschaftlich, sondern basiert auf Gefühlen, es ist grüner Protektionismus, um europäische Raps-Öl-Bauern zu schützen. Wir werden die EU bei der WTO und vor dem Europäischen Gerichtshof verklagen." 

Die Deutsche Umwelthilfe begrüßt dagegen, dass Palmöl, ein Lebensmittel, das mit großem Aufwand in den Tropen hergestellt wird, nicht in Autotanks verbrannt wird.  

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