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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin wenig dynamisches Duo14.08.2019

Schwan und Stegner für den SPD-VorsitzEin wenig dynamisches Duo

Es sei schwer vorstellbar, dass Gesine Schwan und Ralf Stegner der SPD als Vorsitzende neuen Schwung verleihen könnten, glaubt Frank Capellan. Aber der deutliche Linkskurs, für den die beiden stehen, könnte interessantere Bewerber aus der Reserve locken.

Von Frank Capellan

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Kandidaten-Duo für den SPD-Parteivorsitz: Gesine Schwan und Ralf Stegner (dpa/ Carsten Rheder, Imago, Bildkombo: Deutschlandradio)
Kandidaten-Duo für den SPD-Parteivorsitz: Gesine Schwan und Ralf Stegner (dpa/ Carsten Rheder, Imago, Bildkombo: Deutschlandradio)

Erfahrung und Erneuerung, Kontinuität und Aufbruch – ein Duo, das genau das verkörpert, wünschen sich viele Genossen für ihre am Boden liegende Partei. Können Gesine Schwan und Ralf Stegner dafür stehen? – Man kann es sich nur schwer vorstellen! Eine 76-jährige Politikwissenschaftlerin, die vielen Bürgern allenfalls wegen einer eigentümlichen Frisur in Erinnerung geblieben ist und ein 59-jähriger Parteivize, der in Talkshows vor allem durch seine Griesgrämigkeit auffällt - sie stehen nicht wirklich für ein verjüngtes Erscheinungsbild der deutschen Sozialdemokratie.

Sympathieträger gesucht

Denn schließlich geht es auch darum, wer die Partei nach außen repräsentiert, gefragt sind Sympathieträger, die der SPD wieder Aufmerksamkeit verschaffen. Die beiden sollen sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht haben, wohl wissend, dass sie nicht allzu jung und dynamisch daherkommen. Gesine Schwan hatte es genau aus diesem Grund mit Kevin Kühnert, dem Juso-Chef, versuchen wollen. "Es müsste ein jüngerer Mann an meiner Seite stehen", hatte sie unserem Sender kürzlich erklärt… Jetzt also Schwan und Stegner, zwei Bewerber, die auch in eigenen Reihen oft genug belächelt werden. Dennoch wäre es unfair, Äußerlichkeiten zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen. Stegner etwa ist ein durchaus humorvoller und fröhlicher Mensch, und Deutschland wird immerhin seit 14 Jahren von einer Kanzlerin regiert, die nichts für ihre herabfallenden Mundwinkel kann und die Frisur sehr bald nach ihrer Wahl geändert hat.

Schwan und Stegner stehen für Linksruck

Entscheidend ist, dass dieses Duo für einen deutlichen Linksruck der Partei stehen würde. So unterschiedlich die beiden im Charakter sind: Beide werben schon lange für ein Linksbündnis. Die zweimalige Bewerberin um das Bundespräsidentenamt verspricht sich davon eine kompetentere Wirtschafts- und Finanzpolitik. Auch Ralf Stegner ist schnell dabei, wenn es um Vermögensverteilung von oben nach unten geht. Mit ihnen würden sich die SPD endgültig vom Dogma verabschieden, wonach Wahlen vor allen Dingen in der politischen Mitte entschieden werden. Die Grünen sind gerade viel realpolitischer unterwegs als Schwan und Stegner, der im Übrigen auf Landesebene in Schleswig-Holstein mit seinem Kurs grandios gescheitert ist.

Interessante Teams möglich

Eine Fortsetzung der Großen Koalition scheint mit diesem Duo kaum vorstellbar. Das wiederum könnte nun endlich andere prominente Bewerber aus der Reserve locken, die vor allzu großer Nabelschau in der SPD warnen und sich lieber auf erfolgreiches Regieren konzentrieren wollen: Generalsekretär Lars Klingbeil, Familienministerin Franziska Giffey, Arbeitsminister Hubertus Heil, Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil, dessen Innenminister Boris Pistorius, die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping – alles Namen, die noch auf der Liste der potentiellen Bewerber stehen und sich zu interessanten Teams zusammenfinden könnten, die Erfahrung und den Willen zur Erneuerung mit sich bringen.     

Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub  )Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub )Frank Capellan, geboren 1965 im Rheinland, studierte Publizistik, Neuere Geschichte und Politikwissenschaften, Promotion an der Universität Münster. Nach einer Ausbildung bei der Westdeutschen Zeitung folgte ein Volontariat beim Deutschlandfunk, dem er bis heute treu geblieben ist. Zunächst Moderator der Zeitfunk-Sendungen, unter anderem der Informationen am Morgen; seit vielen Jahren als Korrespondent im Hauptstadtstudio tätig, dort u. a. zuständig für die SPD und Familienpolitik.

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