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StartseiteSprechstundeSchwangerschaft und Stress24.07.2007

Schwangerschaft und Stress

Charité untersucht Auswirkungen auf Frühgeburten

Die Rate der Frühgeburten und auch die Anzahl der Fehlgeburten steigt in den letzten Jahren an. Einige Risikofaktoren wie Rauchen und Alkohol kennt man. Eine noch unveröffentlichte Studie an der Berliner Charite´ untersucht nun, wie Stresshormone störend eingreifen und eine Fehlgeburt auslösen können.

Von Renate Rutta

Schwangere Frau (Stock.XCHNG / Elliott McFadden)
Schwangere Frau (Stock.XCHNG / Elliott McFadden)

Eingeschlossen in die Studie wurden Frauen im ersten Drittel der Schwangerschaft. Nichts deutete bei ihnen zu diesem Zeitpunkt auf eine Risikoschwangerschaft hin. Studienleiterin Professor Petra Arck vom Biomedizinischen Forschungszentrum der Charite´:

"Wir haben die Frauen, diese 1000 Frauen, die wir aufgenommen haben, beobachtet. 56 davon hatten eine Fehlgeburt, der Rest hat ein Kind zur Welt gebracht."

Eine erste Auswertung zielte darauf ab, Risikofaktoren für spontane Fehlgeburten zu ermitteln. Die Wissenschaftler fragten sich: gab es Unterschiede bereits zu dem Zeitpunkt, als der Arzt den Schwangeren sagte, es sei alles in Ordnung? Was unterschied schon damals diejenigen, die später eine Fehlgeburt hatten?

"Und da konnten wir beobachten, dass die Frauen im Schnitt älter waren, das war kein überraschendes Ergebnis, wir konnten dann weiterhin beobachten, dass die Frauen schlanker waren, die eine Fehlgeburt hatten - nicht magersüchtig aber doch schlanker – dass diese Frauen erniedrigtes Progesteron in ihrem Blut hatten und dass sie vermehrt unter verstärkten Anforderungen, also unter Stress gelitten haben."

Normalerweise sorgen Hormone und das Immunsystem in der Schwangerschaft dafür, dass eine Abstoßung und damit eine Fehlgeburt verhindert wird. Das schwangerschaftsschützende Progesteron spielt dabei eine Schlüsselrolle.

"Progesteron ist ein Hormon, was während des normalen Zyklus ausgeschüttet wird, aber was, wenn eine Schwangerschaft eintritt, ganz massiv ansteigt. Und das ist das Hormon, was für den Schwangerschaftserhalt verantwortlich ist. Zum einen führt es dazu, dass der Gebärmuttermuskel entspannt bleibt und so z.B. vorzeitige Wehen verhindert. Aber Progesteron hat auch einen sehr wichtigen Einfluss auf das Immunsystem und trägt dazu bei, dass eine Entzündungsreaktion und eine Abstoßungsreaktion des Kindes verhindert wird."

Wenn Schwangere vermehrt Stress empfinden und ihr Progesteronspiegel sinkt, stört das auch das Zusammenspiel von Hormonen und Immunsystem.

"Eine vermehrte Stresswahrnehmung bewirkt, dass vermehrt Stresshormone ausgeschüttet werden. Diese Stresshormone können dann Hormone, die wichtig sind für den Schwangerschaftsverlauf, wie z.B. Progesteron, unterdrücken. Wenn Progesteron dann wegfällt, fällt damit auch dieser Schutz weg, diese Möglichkeit für das mütterliche Immunsystem, dieses entzündungshemmende Milieu aufzubauen. Es kommen noch andere Mediatoren hinzu, Nervenbotenstoffe, z.B. das Substanz P, die dann auch die Zellen eher in Richtung Entzündungsförderung lenken. Und so fällt im Prinzip ein guter Botenstoff, Progesteron fällt weg, es kommen andere dazu, die das noch verstärken. Und so ist letztendlich das Nettoprodukt dann eine Entzündung in der Gebärmutterschleimhaut."

Ziel der Forschung ist es nun, möglichst frühzeitig Schwangere zu identifizieren, die von einer Einnahme des Hormons Progesteron profitieren würden, weil sie besonders gefährdet sind, eine Fehlgeburt zu erleiden. Bei Tieren gelang es bereits, stressausgelöste Fehlgeburten durch Progesterongaben zu verhindern.

Doch auch wenn eine stressbelastete Schwangerschaft nicht mit einer Fehlgeburt endet, kann sie die Gesundheit des Kindes beeinträchtigen.

"Was aber auch darüber hinaus noch passieren kann, ist, dass die Organentwicklung des Kindes im Mutterleib gestört wird oder beeinträchtigt wird und das Kind dann auf die Welt kommt und empfänglich ist, Erkrankungen zu entwickeln."

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