Dienstag, 11.12.2018
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteWirtschaft und GesellschaftSaudi-Arabien will weniger Öl fördern12.11.2018

Schwankungen auf dem Ölmarkt Saudi-Arabien will weniger Öl fördern

Hohe Benzinpreise auf der einen Seite und sinkende Rohölpreise auf der anderen. Um dieses Paradox zu lösen, will Saudi-Arabien die Fördermenge um eine halbe Million Barrel pro Tag senken. Schon am Sonntag hatten die OPEC-Länder und Russland neue Strategien zur Stabilisierung des Ölpreises angekündigt.

Von Brigitte Scholtes

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Ölfeld in der Wüste Saudi-Arabiens, aufgenommen im Juni 2008. (picture alliance / dpa / epa Ali Haider)
Weniger Ölförderung soll den Preis stabilisieren (picture alliance / dpa / epa Ali Haider)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

US-Sanktionen gegen Iran "Langfristig wird das Öl-Angebot kleiner ausfallen"

Essad Bey: "Öl und Blut im Orient" Literarische Opulenz und kühle Zeitdiagnostik

Aberdeen in Schottland Das Ende vom Öl

Die Märkte werden nervös: Nachdem Saudi-Arabien heute Förderkürzungen angekündigt hat, ist der Preis für Rohöl deutlich gestiegen. Das Fass der Nordseesorte Brent kletterte auf bis zu 71,88 Dollar, der für das Fass WTI auf bis zu 61,28 Dollar, bröckelte im Handelsverlauf aber wieder etwas ab. Saudi-Arabien will  von Dezember an eine halbe Million Barrel weniger fördern. Die Lagerbestände seien zu hoch, sagte Chaled al-Faleh, Ölminister des Landes.

Die 25 Ölförderländer – neben denen der Opec etwa auch Russland – würden nicht zulassen, dass sich das fortsetze. Eine Million Barrel am Tag würden derzeit zu viel gefördert. Noch im Sommer hatte man Sorge gehabt, ob man den Ausfall der iranischen Ölproduktion wegen der Sanktionen der USA gegen das Land überhaupt werde kompensieren können. Stattdessen war der Ölpreis seit Anfang Oktober  bis zum Ende vergangener Woche gefallen – von etwa 80 Dollar auf unter 70 Dollar für Brent.

Das hat Folgen, erklärt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Diba: "Es ist aktuell teuer sich abzusichern, denn diese Schwankungen kennen wir auch gar nicht so. Es spielen halt so viele Faktoren eine Rolle: da sind die Iran-Sanktionen, da ist auch Zweifel darüber, wie stark ist die Weltwirtschaft aktuell? Da sind Russland und Saudi-Arabien, die sich gar nicht eins sind darüber, wo die Reise hingehen soll, und das macht es auch so schwierig für Unternehmen, um sich aktuell gegen diese Schwankungen abzusichern."

Fliegen könnte teurer werden

Das spürt etwa die Lufthansa, die erst vor wenigen Tagen erklärt hatte, sie habe ihren Bedarf inzwischen zu 60 Prozent abgesichert. Den gestiegenen Ölpreis, mit dem sie rechnet, will sie auf die Preise überwälzen, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei der Vorlage der Bilanz für das dritte Quartal.

"Wir werden bei der Lufthansa Group alles daran setzen, die gestiegenen Ölpreise in unseren Ticketpreisen besser abzubilden. Fliegen kann und wird bei einem Preis von über 80 Dollar nicht so günstig bleiben können, wie es bei einem Preis von 30 Dollar pro Barrel war."

Den Rückgang der Preise haben die Verbraucher beim Fliegen in den vergangenen Monaten vielleicht noch genießen können. Doch an der Zapfsäule haben die Autofahrer davon nichts gespürt. Als Grund führten die Mineralölkonzerne da vor allem das Niedrigwasser des Rheins an, dadurch habe man nicht so viel Treibstoff transportieren können. 

An der Zapfsäule sollte es Spielraum für Preissenkungen geben

Das kann Johannes Boos, Sprecher des ADAC, nicht ganz überzeugen: "Aus unserer Sicht ist die Preisentwicklung an den Tankstellen deutlich übertrieben, das heißt der Effekt des Niedrigwassers, der ist gar nicht so groß wie das im Augenblick erscheint. Da versuchen die Mineralölkonzerne durchaus den einen oder anderen Prozentpunkt an Marge noch heraus zu kitzeln. Da besteht aus unserer Sicht durchaus Spielraum für Preissenkungen an der Zapfsäule."

Es sei denn, schränkt er ein, dass die Förderkürzung der Ölförderländer sich noch stärker auswirken sollte. Carsten Brzeski von der ING-Diba rechnet jedenfalls mit weiteren Schwankungen.

"Wir werden sehen, dass wir in dieser Bandbreite bleiben werden. So zwischen 50 und 80 Dollar pro Barrel, das ist eine große Bandbreite, aber diese Schwankungen werden wir auch in den nächsten Monaten weiter mitmachen."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk