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StartseiteKultur heuteHommage an Erika und Klaus Mann 01.11.2016

Schwules Museum BerlinHommage an Erika und Klaus Mann

War die Homosexualität der Geschwister Erika und Klaus Mann ausschlaggebend für ihr Leben und Werk? Auf diese Frage gibt die Ausstellung des Schwulen Museums in Berlin keine eindeutige Antwort. Stattdessen schärft sie den Blick für die komplexen Zusammenhänge in Leben und Kunst der Kinder von Katja und Thomas Mann.

Erika Mann, die Tochter des Schriftstellers Thomas Mann, in der Rolle der Gouvernante in dem Film "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" aus dem Jahr 1957. Die Schauspielerin und Schriftstellerin Erika Mann wurde am 9. November 1905 in M (dpa)
Erika Mann im Film "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" nach dem gleichnamigen Roman ihres Vaters Thomas Mann - der Überfigur für die Kinder Klaus und Erika (dpa)
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"Das Problem bei dieser Doppelausstellung über Klaus Mann und Erika Mann ist natürlich, dass Klaus Mann sehr viel geschrieben hat über sich selbst. Erika Mann war eher bedeckt. Hier äußern sich Zeitgenossen mehr oder weniger höflich, freundlich, manche auch gehässig über die Geschwister Mann."

Sagt Kurator Wolfgang Theis. Er setzt auf Lesestoff, geduldige Lektüre. Textauszüge und selten gezeigte Originaldokumente sind dafür klug gewählt: Zumeist knappe Charakteristiken, die biografische Stationen wie auch Lebensumstände in Deutschland, der Schweiz und den USA schlaglichtartig erhellen. Genauso wie Schwarzweißfotos, etwa von Erika Mann am Steuer eines sportlichen Kabrios oder 1940 dann als Kriegsberichterstatterin der britischen Armee. Wolfgang Theis:

"Toughen Lesben steht Uniform immer gut. Sie hat ja auch früh schon Autorennen gefahren. Sie war durchaus maskulin.

Homosexualität ausschlaggebend?

Diese homosexuelle Orientierung, hat sie den Ausschlag gegeben für Leben und Werk? Darauf gibt das Schwule Museum keine eindeutige Antwort, sondern schärft den Blick des Betrachters für komplexe Zusammenhänge. So wird deutlich, dass beide Geschwister, in den USA als "the famous Mann twins" bekannt, im Kampf gegen Hitler den Sinn ihres Lebens fanden: Klaus als Publizist, der in der US-Army Flugblätter gegen die Nazis verfasste.Erika als umtriebige Pazifistin, die im Exil Anstoß erregte in vielfacher Hinsicht, nicht nur mit ihrem Kabarett. Wolfgang Theis:

"Erika Manns ‚Pfeffermühle‘ in Zürich. Die Freundschaft mit Annemarie Schwarzenbach, auch aus Zürich. Und die Auseinandersetzung mit der Familie Schwarzenbach, die ja wohl etwas reaktionär war. Die waren sehr deutschfreundlich und haben das gar nicht goutiert, dass ihre Tochter mit diesem Exilantenpack zu tun hatte.

Und dennoch wird die Schweiz nach Kriegsende erneut zum Exil: Mit Familie kommt Thomas Mann zurück aus den USA, wo der Kalte Krieg das geistige Leben lähmt. Klaus wird depressiv, nimmt sich 1949 in Cannes das Leben. Fortan kümmert sich Erika um das literarische Werk ihres Bruders. Und führt die Geschäfte ihres Vaters – der als Hotelgast auf seine alten Tage jungen Kellnern hinterherschaut. Eine homoerotische Neigung, über die Erika zunehmend spottet. Was Thomas Mann in seinen Tagebüchern wiederum mit einer Auflistung der lesbischen Freundinnen seiner Tochter quittiert. Wolfgang Theis

"Da wird es auch immer vermerkt, wenn Therese Giehse wieder auftaucht. Die ja auch in Zürich Exil hatte am Theater dort. Zürich hatte ja große Erfolge mit seinem Theater wegen der deutschen Emigranten."

Thomas Manns Problem

So geht es am Ende nicht nur um Kultur oder Weltpolitik. Sondern auch um mehr oder weniger offene Homosexualität. Diese Facette im Leben der Familie Mann würde das Schwule Museum seit Jahren schon gerne einmal mit einer Leihgabe aus Zürich illustrieren: Ludwig von Hofmanns Ölgemälde "Die Quelle" mit drei nackten Jünglingen hing seit 1914 im Arbeitszimmer – das in der Dauerausstellung des Thomas-Mann-Archivs komplett nachgestellt ist. Um diese Inszenierung nicht zu beeinträchtigen, auch nicht für wenige Monate, darf das heimliche Lieblingsbild des "Zauberers" Thomas Mann nicht auf Reisen gehen. So die offizielle Begründung. Wolfgang Theis:

Das kann man ja auch so sehen, denn inzwischen sind die Tagebücher längst von allen gelesen. Und dass Thomas Mann ein Problem mit seiner Homosexualität hatte, ist ja nun allgemein bekannt. 

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