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StartseiteForschung aktuellSchwung für graue Zellen03.12.2009

Schwung für graue Zellen

Neue Studie zum Zusammenhang zwischen körperlicher Fitness und Erfolg im Beruf

Biologie.- Wer als Heranwachsender körperlich aktiv ist, hat mehr auf dem Kasten und verdient im späteren Leben mehr Geld. So lautet das Ergebnis einer neuen schwedischen Studie. Dass Bewegung das Gehirn in Schwung hält, ist bereits bekannt. Neu ist jedoch, dass dieser Effekt schon bei ganz jungen Menschen auftritt.

Von Christine Westerhaus

In der Studie hatten die körperlich Fitten auch geistig die Nase vorn.  (AP)
In der Studie hatten die körperlich Fitten auch geistig die Nase vorn. (AP)

"Je fitter ein Proband ist, desto höher ist seine IQ-Leistung in den Tests, die gemacht wurden. Weiter finden wir eine Korrelation zwischen Fitness im Alter von 18 und sozialem Status. Sowohl Einkommen als auch Ausbildung. Was natürlich mit der Intelligenz zusammenhängt. Das ist natürlich ein indirekter Zusammenhang zwischen physischer Fitness und dem späteren sozialen Status. Aber die Verbindung bleibt erhalten über die kognitive Leistung mit großer Wahrscheinlichkeit."

Hans Georg Kuhn vom Institut für Neurowissenschaften und Physiologie der Universität Göteborg. Für die Studie wertete er gemeinsam mit seiner Kollegin Maria Åberg die Daten von mehr als 1,2 Millionen jungen Schweden aus, die im Zeitraum von 1950 bis 1976 gemustert wurden. Die damals 18-jährigen Männer mussten bei den Eignungstests in die Pedalen eines Ergometers treten. Später mussten sie einen aufwendigen Intelligenztest bestehen. Beim Vergleich der beiden Prüfungen zeigte sich, dass durchtrainierte Probanden mit einem gut funktionierenden Herz-Kreislauf-System weniger Schwierigkeiten hatten, komplizierte Fragen zu beantworten. Dabei spielte es kaum eine Rolle, ob die jungen Männer viel Muskelmasse hatten oder nur wenig.

"Man kann natürlich jetzt nicht sagen: Eine einzelne Person, wo landet die jetzt in dem Sinne, denn es sind 1,2 Millionen Probanden in diesem Experiment enthalten. Aber es gibt auf dem Bevölkerungslevel einen Trend, den man erkennen kann. Ein wichtiger Aspekt ist natürlich zu sagen: In welche Richtung geht die Korrelation? Ist es der Fittere, der schlauer ist oder ist es der Schlaue, der sich entscheidet, mehr Sport zu machen. Und letztendlich können wir das eigentlich nicht hundertprozentig beantworten. Wir können aber sagen, dass es nicht an den Umweltbedingungen liegt, wie jemand aufwächst. Denn wir haben auch 4000 Zwillinge in dieser Analyse. Und in dieser Analyse zeigt sich: Der fittere Zwilling ist auch der intelligentere."

Überrascht hat die Wissenschaftler, dass sich dieser Effekt immer weiter steigert. Je durchtrainierter die Probanden waren, desto besser schnitten sie bei den IQ-Tests ab.

"Zunächst sind wir davon ausgegangen dass jemand, der sehr viel Sport treibt, dass der gar keine Zeit zum Lernen hat und das wir so eine Art umgekehrte U-Kurve sehen, das heißt, es gibt eine Verbesserung zu einem bestimmten Punkt, aber wenn dann der Fitnesslevel weiter steigt, könnte eventuell die kognitive Leistung herunter gehen. Das war eigentlich unsere Erwartung. Aber dass es an jedem Level der Leistung auch noch eine erhöhte IQ-Leistung gibt, dass die kognitive Leistung weiter ansteigt, das war eine echte Überraschung."

Hans Georg Kuhn und seine Kollegen sind sich sicher, dass der gleiche Effekt auch bei jungen Frauen auftritt. Die Neurobiologen betonen aber, dass der Sport regelmäßig getrieben werden muss. Und für die Leibesübungen gilt das gleiche wie für das Lernen: Es bringt nichts, erst kurz vor der Prüfung damit anzufangen.

"Wir glauben nicht, dass jemand, der morgen mit Sport beginnt, in sechs Wochen physisch fit ist und schlauer, sondern die Studie zeigt für uns: Sport sollte etwas begleitendes sein zu den Zeiten, in denen auch sehr viel kognitive Aktivität stattfindet. Zwischen 15 bis 18 findet ja für viele die intensivste Zeit statt - zum Abitur hin und zu anderen Abschlüssen und von daher glauben wir, dass es ganz wichtig ist, dass während dieser Zeit regelmäßig Sport getrieben wird, um sozusagen die Ausbeute der kognitiven Arbeit zu vergrößern."

Sport im jugendlichen Alter schafft auch bessere Voraussetzungen für die Zukunft. Die schwedische Studie zeigt, dass die fitteren 18-Jährigen im späteren Berufsleben meist besser ausgebildet waren und mehr Geld verdienten. Auf die faule Haut legen sollte man sich aber auch als Erwachsener nicht. Wer seine grauen Zellen im Alter fit halten möchte, muss regelmäßig Sport treiben.

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