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StartseiteForschung aktuellAmeisen säen, düngen und ernten22.11.2016

Sechsbeinige LandwirteAmeisen säen, düngen und ernten

Es gibt Ameisen, die melken Blattläuse oder halten sich Raupen; andere treiben Beute in Feldzügen zusammen oder bauen Entlüftungssysteme für ihre Haufen – die Überlebens-Strategien von Ameisen sind vielfältig. Jetzt haben Forscher eine Art entdeckt, die Ackerbau in Bäumen betreibt.

Von Volker Mrasek

Eine Ameise der Art Philidris nagasau auf den Fidschi-Inseln, die einen Samen in der Rinde eines Baumes pflanzt (Ludwig-Maximilians-Universität/dpa picture alliance)
Eine Ameise der Art Philidris nagasau auf den Fidschi-Inseln, die einen Samen in der Rinde eines Baumes pflanzt (Ludwig-Maximilians-Universität/dpa picture alliance)
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Evolution and Ecology of mutualisms, Website von Guillaume Chomicki, LMU München

Die Fidschi-Inseln im Südpazifik. Ein tropisches Urlaubsparadies. Beneidenswert, wenn man dort Feldforschung betreiben darf. Der französische Biologe Guillaume Chomicki war gleich dreimal dort, im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Universität München.

Hingelockt hat ihn eine spezielle Ameisenart, die Epiphyten besiedelt. Das sind Pflanzen, die auf Bäumen wachsen. Und in diesem Fall sehr delikate aus der Gruppe der Röte- oder Kaffeegewächse:

"Auf Fidschi heißen die Pflanzen Theketuawa. Das bedeutet: Hoden der Bäume. Weil sich die Triebe dieser Pflanzen zu großen braungefärbten Kugeln entwickeln, die von den Ästen herunterhängen. Innen drin gibt es lauter Hohlräume, und darin wohnen die Ameisen."

Bis zu 10.000 der kleinen Tiere hat Chomicki in einzelnen dieser Fußball-großen Baumkugeln gezählt. Aber was noch viel erstaunlicher ist: Die Ameisen hausen nicht nur in den Epiphyten - sie ziehen sie auch auf. Man könnte sogar sagen: Die Tiere betreiben Ackerbau in den Bäumen. Sie säen ihre Wirtspflanzen aus, sie düngen sie, und sie ernähren sich später auch von dem Nektar ihrer Blüten.

Die Ameisen züchten, düngen und bewohnen die Pflanzen

Dass manche Ameisen in Symbiose mit Pflanzen leben, ist schon lange bekannt. Aber dass sie sie auch anbauen und kultivieren - das ist neu!

"Die Ameisen schneiden die Samen aus den noch unreifen Früchten ihrer Wirtspflanzen und stecken sie in freie Ritzen in der Baumrinde. Arbeiterinnen patrouillieren ständig an diesen Ackerfurchen und verhindern, dass die Samen gefressen werden.

Nach etwa drei Wochen beginnt der Trieb seine Kugelform zu entwickeln, und sobald der erste Hohlraum da ist, wird er ständig von Ameisen aufgesucht, die sich dort erleichtern. Die Pflanzen werden von den Tieren also nicht nur ausgesät und verbreitet, sondern auch noch durch deren Ausscheidungen gedüngt!"

Eine bisher verborgen gebliebene Zweckgemeinschaft! Laut dem Biologen ist sie obligat, das heißt: Der eine kann nicht ohne den anderen. Die Epiphyten werden ausschließlich durch die Ameisen verbreitet und nicht etwa durch Vögel. Und die Insekten sind auf die Pflanzen und ihre seltsamen Baumkugeln angewiesen, weil sie selbst keine Nester bauen können wie andere Ameisen-Arten:

"Das ist die erste bekannte Form von Pflanzenzucht, bei der Ameisen unverzichtbar sind. In den Tropen kommen zwar auch sogenannte Ameisen-Gärten vor, in denen die Tiere Samen von Epiphyten in ihre Behausungen tragen und dort einpflanzen. Aber diese Ameisen bauen ihre Nester selbst, sie düngen die Sämlinge nicht, und die Pflanzen können auch ohne die Ameisen leben."

Ameisen schon vor dem Menschen tätig in der Pflanzenzucht

Seine Ameisen hätten einst eigene Nester gebaut, sagt Guillaume Chomicki. Diese Fähigkeit sei aber im Laufe der Evolution verloren gegangen.

Das könnte vor drei Millionen Jahren der Fall gewesen sein, wie die Analyse genetischer Mutationen im Stammbaum dieser Gruppe tropischer Ameisen ergab. So lange könnten die Tiere also bereits in Symbiose mit den Epiphyten leben und zur Untermiete in deren kugeligen Baumhäusern wohnen. Ameisen seien demnach schon viel länger in der Pflanzenzucht tätig als der Mensch, heißt es dazu augenzwinkernd in Nature Plants - der Fachzeitschrift, die die frappierende Fidschi-Studie jetzt veröffentlicht.

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