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StartseiteVerbrauchertippFreiberuflich nebenher arbeiten27.08.2019

SelbständigkeitFreiberuflich nebenher arbeiten

Geduld, Widerstandskraft und Selbstkritik: Nebenberuflich selbständig kann jeder werden - aber ist meine Geschäftsidee vielversprechend und tauge ich zum Unternehmertum? Teilzeit-Existenzgründer können das testen, ohne direkt ihren Arbeitsplatz, ihr Studium oder eine andere Beschäftigung komplett aufzugeben.

Von Susanne Kuhlmann

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Einiges ist zu beachten beim Start in die nebenberufliche Selbständigkeit (imago | Westend61)
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"Grundsätzlich kann sich jeder nebenberuflich selbständig machen", sagt Mathias Härchen. Er ist bei der Industrie- und Handelskammer zu Köln verantwortlich für Gründung und Unternehmensförderung. Sein Team hilft Teilzeitgründern, den Aufbau ihres Geschäfts zu planen und die steuerlichen und versicherungsrechtlichen Pflichten zu berücksichtigen.

Jörg Freiling ist Professor für Existenzgründung und Entrepreneurship an der Universität Bremen. Er hält genügend Geduld und Widerstandskraft für unerlässlich und auch die Fähigkeit, sich selbst in Frage zu stellen.

"Man muss innovativ sein. Man muss auch in der Lage sein, Risiken managen zu könne. Das sind die beiden Aufgaben, die zusammenkommen, wenn man Neuland betritt" - und sich zum Beispiel in der Selbständigkeit als Ärztin, Rechtsanwalt oder Hebamme erproben möchte. Freiberufler wie sie müssen kein Gewerbe anmelden. Alle anderen sollten sich an das Gewerbeamt oder die Handwerkskammer wenden. Berücksichtigen müssen nebenberuflich Selbständige auch Fragen der Einkommensteuer und Umsatzsteuer.

Einstiegsberatung wird angeboten

Mathias Härchen: "Es gibt da Erleichterungen, auch das ist wichtig. Deshalb sich möglichst schnell mit dem Finanzamt in Verbindung zu setzen. Aber dafür sollte man schon eine gewisse Struktur haben. Ich muss ungefähr im Blick haben, wie viel ich, zumindest nach meinem Plan, verdienen möchte."

Voller Schreibtisch mit Terminkalender.  (picture alliance / dpa / Robert B. Fishman)Eine gewisse Struktur ist nötig (picture alliance / dpa / Robert B. Fishman)

Entscheidend ist es, diesen Plan überhaupt zu entwickeln.

"Gerne stichwortartig. Hauptsache, man hat schon mal einen gewissen Überblick: Wo steht der Gründer, die Gründerin - in welcher Phase? Das Wichtigste ist, dass man bei seiner Geschäftsidee bleibt, die durchstrukturiert, so weit wie man kommt, alles möglichst schriftlich festhalten. Dann stößt man auf die richtigen Fragen in der richtigen Reihenfolge."

Diese Fragen kann man dann dort vorlegen, wo Beratung angeboten wird: Neben der Industrie- und Handelskammer zum Beispiel bei der Handwerkskammer, den Arbeitsagenturen oder der Einstiegsberatung zur Gründung, die manche Städte vorsehen.

Auch Krankenkasse und Rentenversicherung müssen informiert werden, denn sobald die nebenberufliche Selbständigkeit Gewinn abwirft, kann sich das Sozialversicherungsverhältnis ändern.

Genehmigung durch Arbeitgeber teils nötig

Wenn jemand aus einer Hauptbeschäftigung in die Teilzeit-Selbständigkeit startet, sollte der Arbeitgeber mit ins Boot geholt werden sagt Jörg Freiling.

"Wenn man nebenberuflich gründet, braucht man eine Abstimmung mit dem Hauptberuf. Man braucht auch Rückendeckung aus dem Hauptberuf. Man muss Argumente finden für sich, warum man das tut. Man muss aber auch deutlich machen, dass es im Hauptberuf zumindest keine Einbußen gibt oder dass es vielleicht sogar sinnvoll ist, das zu tun."

Meschen sitzen in einem loftartigen Büro mit Planzen an ihren Arbeitsplätzen. (imago images / Westend61 / Bonninstudio)Zusammen ist oft einfacher als allein (imago images / Westend61 / Bonninstudio)

In manchen Fällen ist im Arbeitsvertrag explizit festgelegt, dass der nebenberufliche Gründer sich die Selbständigkeit genehmigen lassen muss.

Studium, Arbeitslosigkeit, Rentnerdasein oder Teilzeitbeschäftigung - der Aufbruch in die nebenberufliche Selbständigkeit ist für alle möglich. Jörg Freiling von der Universität Bremen hält ein gutes Netzwerk an Kontakten für unerlässlich beim Start - und Personen, die den Weg mitgehen und beim Durchhalten helfen.

"Ich würde in vielen Fällen dazu raten, es nicht alleine zu machen, denn schon, diese Rückschläge zu verkraften, das kann auf die Dauer schwieriger und schwieriger werden. Manchmal sieht man auch schwarz. Aber man sieht selten im Team zusammen schwarz."

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