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StartseiteVerbrauchertippSelbstüberschätzung ist kein guter Beifahrer09.04.2020

Senioren am SteuerSelbstüberschätzung ist kein guter Beifahrer

Das eigene Auto ermöglicht Senioren Unabhängigkeit, mehr Mobilität und Abwechslung im Alltag. Um auch im fortgeschrittenen Alter noch sicher zu fahren, sollten ältere Menschen einiges beachten. Ein Tipp: Regelmäßig hinters Steuer setzen.

Von Bernd Debus

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ILLUSTRATION - Ein Rentner sitzt am 23.10.2013 in Stuttgart (Baden-Württemberg) bei einem Fahrsicherheitstraining am Steuer. Nachdem ein 88 Jahre alter Autofahrer beim Ausparken einen schweren Unfall verursacht hat, warnen Experten vor pauschaler Kritik gegen Senioren am Steuer. Foto: Jonas Schöll/dpa (picture alliance / dpa / Jonas Schöll)
Fahrassistenzsysteme können Senioren im Straßensystem unterstützen (picture alliance / dpa / Jonas Schöll)
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"Das wird alles gemacht mit dem Auto. Denn ich habe eine Lebensgefährtin, die ist gehbehindert und man ist dann nicht auf den Bus angewiesen. Das Einsteigen mit dem Rollator und so was alles, das geht im eigenen Wagen doch besser."

Der 90-jährige Bruno Peters lebt am Rande einer Kleinstadt im Sauerland. Er und seine Lebensgefährtin nutzen ihr Auto für Fahrten zum Arzt, für Einkäufe im Supermarkt und für Ausflüge und Urlaubsreisen in ganz Deutschland. Wie er das noch schafft? Vor allem mit viel Übung. Burkhard Nipper, geschäftsführender Direktor der Landesverkehrswacht NRW, mit dem Tipp Nr. 1, um möglichst lange sicher mit dem Auto unterwegs zu sein:

"Die Fahrfähigkeit wird vor allen Dingen dann gut erhalten, wenn man sie regelmäßig trainiert. Und es gibt dazu Untersuchungen, die sagen mindestens 3.000 Kilometer im Jahr muss man fahren, um einigermaßen fit zu bleiben, gerade im Alter."

Vorsicht statt Selbstüberschätzung

Bruno Peters legt jedes Jahr sogar 30.000 Kilometer zurück. Auf der Autobahn gerne auch mal mit Tempo 180, wenn die Strecke frei ist. Solche Geschwindigkeiten sieht Nippers kritisch, erst recht jenseits des 70. oder 80. Lebensjahrs:

"Zumal in dem Alter das Reaktionsvermögen ja auch nicht mehr so groß und schnell ist wie das bei jüngeren Menschen der Fall ist."

Gegen die nachlassende Reaktionsfähigkeit gibt es ein einfaches Mittel. Tipp Nr. 2 von Burkhard Nipper: "Wenn die nicht mehr so gegeben ist, schränken sich die Älteren von sich aus ein und dann fährt man eben auf langsameren Straßen."

Eine Seniorin telefoniert mit ihrem Handy. (dpa)Eine Seniorin telefoniert mit ihrem Handy. (dpa)

Seniorenhandys - Mit einfacher Bedienung auf der sicheren Seite
Neben normalen Smartphones gibt es auch sogenannte Seniorenhandys. Das Angebot richtet sich vor allem an Menschen, denen eine einfache Bedienbarkeit wichtig ist. Neben großen Tasten bieten diese Modelle weitere Feature, die im Ernstfall Leben retten können.

Fahrassistenzsysteme nutzen

Aber auch auf Bundes- und Landstraßen oder innerorts braucht man den Schulterblick. Sei es beim Überholen eines Traktors oder beim Einparken. Schwierig, wenn die Halswirbel da nicht mehr mitspielen. Der Fachmann rät Fahrerassistenzsysteme zu nutzen. In vielen modernen Fahrzeugen gehören sie längst zur Serienausstattung. Sein Tipp Nr. 3: "Fahrerassistenzsysteme im Auto, die helfen den Überholvorgang korrekt zu führen, dass man den Tote-Winkel-Warner hat und es gibt auch bei den neuen Autos Einparkassistenten."

Tipps vom Fahrlehrer einholen

Von gesetzlich verordneten Gesundheitsprüfungen für alle älteren Autofahrerinnen und Autofahrer hält der Experte übrigens nicht so viel. Burkhard Nipper plädiert stattdessen für regelmäßige Rückmeldefahrten mit einem Fahrlehrer. Was das ist, erklärt er in seinem Tipp Nr. 4: "Wir nennen das Rückmeldefahrt, weil der Prüfling, in Anführungszeichen, ja hier nicht eine Prüfung macht, sondern es soll ihm eine individuelle Hilfe geben zu beurteilen, wo er Schwächen hat, die er dann durch Übung beheben kann, sodass er dann künftig wieder sicher unterwegs ist."

Eine Rückmeldefahrt dauert, inklusive Abschlussgespräch, ungefähr eine Stunde und kostet, je nach Fahrschule, circa 60 Euro. Und niemand wird nach einer misslungenen Rückmeldefahrt beim Straßenverkehrsamt angeschwärzt. Die Fahrlehrer geben nur Ratschläge und hoffen ansonsten auf die Vernunft der Teilnehmer. So wie bei Bruno Peters, der durchaus schon mal über den Tag X nachgedacht hat:

"Wenn es körperlich nicht mehr geht, oder tatsächlich der Geist nachlässt, dann werde ich sofort aufhören, denn dann gefährde ich andere Leute und mich selbst. Also das möchte ich nicht."

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