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StartseiteUmwelt und VerbraucherKlimaschutz als Business-Treiber23.10.2015

Serie: Branchen im KlimawandelKlimaschutz als Business-Treiber

Rund fünf Wochen vor dem Klimagipfel in Paris enthält der Entwurf für das geplante Weltklimaabkommen noch viele offene Fragen. Vor allem die Entwicklungs- und Schwellenländer wehren sich gegen das aus ihrer Sicht unzureichende Papier. Die Industriestaaten müssten mehr tun. Was sich bezüglich Klimaschutz aktuell in der Güterproduktion verändert, verrät ein Blick auf die Elektronik-Branche.

Von Michael Watzke

Waschmaschine (dpa/pitcture-alliance/Daniel Karmann)
Geld sparen und Klima schonen – das sind für deutsche Kunden zwei der wichtigsten Kauf-Argumente. (dpa/pitcture-alliance/Daniel Karmann)
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Das ist der neue Wäschetrockner von Cornelia Sebald. Die Familienmutter aus München hat beim Kauf besonders darauf geachtet...

"...dass es ein energiesparendes Modell ist. Einmal, um die Umwelt zu schonen. Weil wir das Gerät sehr viel in Verwendung haben. Und es war uns auch wichtig, für die Familienkasse mehr zu haben, also tatsächlich auch zu sparen."

Geld sparen und Klima schonen – das sind für deutsche Kunden zwei der wichtigsten Kauf-Argumente.  Beides geht gleichzeitig, behaupten die Hersteller von Wäschetrocknern. Zum Beispiel der Münchner Elektrogeräte-Produzent BSH. PR-Chef Fridolin Weindl versichert, Kunden könnten den höheren Anschaffungspreis eines Stromspar-Gerätes schnell herausholen.

"Mit der Kauf-Entscheidung für ein besonders effizientes Hausgerät trifft der Kunde einerseits die Entscheidung für die Stromrechnung der nächsten Jahre. Und er trägt damit gleichzeitig zum Umwelt- und Klimaschutz bei."

Geld sparen - Klima schonen als Verkaufsargument

Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Tatsache ist, dass moderne Wäschetrockner heute  weniger als halb so viel Strom verbrauchen wie noch vor sieben Jahren. Woran das liegt, erklärt BSH-Produktmanager  Korbinian Müller mit einem kleinen Metallkasten unter der Wäschetrockner-Verkleidung.

"Also hier links unten sehen den Wärmetauscher. Im Prinzip trifft die feuchtwarme Luft hier vorne auf die Lamellen. Die Lamellen nutzen wir, um diese feuchtwarme Luft wieder in trockene Luft umzuwandeln und dabei abzukühlen. Und das ist im Prinzip das Herzstück dieser Technologie."

BSH brachte die stromsparende Wärmepumpen-Technologie 2008 auf den Markt. Seitdem hat das bayerische Unternehmen den Wäschetrockner-Umsatz deutlich gesteigert.  BSH ist hinter Whirlpool und Electrolux weltweit die Nummer 3 der Elektrogeräte-Hersteller. Deutsche Unternehmen seien beim Klimaschutz marktführend, sagt Stephanie Spinner-König vom ZVEI, dem Zentral-Verband der Elektro-Industrie.

"Die Energiewende ist ohne die Elektro-Industrie überhaupt nicht zu schaffen. Auch wenn man uns nicht immer außen sieht: Man sieht die Waschmaschine, aber nicht das Innenleben – und dieses Innenleben ist Elektro-Industrie. Da wird maßgeblich und viel geforscht und entwickelt, um hier große Effekte erzielen zu können."

Keine Energiewende ohne Elektroindustrie

Kritiker monieren, dass stromsparende Elektrogeräte nur dazu führten, dass noch mehr Menschen einen Wäschetrockner oder eine Klima-Anlage kauften. Dadurch steige der Stromverbrauch insgesamt, statt zu sinken. Andererseits: Ohne die technischen Fortschritte der Hersteller wäre der Stromverbrauch im vergangenen Jahrzehnt explodiert. Und Europas Kunden seien beim Stromsparen Taktgeber, glaubt BSH-Pressesprecher Weindl.

"Das Thema Energie-Effizienz, Ressourcenschonung, Umwelt- und Klimaschutz ist sicherlich in Deutschland und anderen europäischen Ländern stärker ausgeprägt als in anderen Ländern. Wir wissen beispielsweise, dass das Thema Stromverbrauch in Russland noch nicht so stark ausgeprägt ist wie beispielsweise in Deutschland."

Doch das ändert sich. Wegen steigender Strompreise – und weil die Folgen des Klimawandels sichtbarer werden. Die Elektrobranche profitiert davon – auch wenn es immer wieder Kritik und Zweifel an den Testverfahren gibt. Spart ein Wäschetrockner im täglichen Einsatz wirklich so viel Strom, wie der Hersteller verspricht? Etwa, wenn der Kondensator des Wäschetrockners voller Flusen ist? Bei BSH, erklärt Produktmanager Müller, habe man dafür einen Automatismus entwickelt.

"Mehr als 90 Prozent unserer Geräte haben einen selbstreinigenden Kondensator. Wenn sie den nicht haben, muss der Kondensator aufwendig manuell gereinigt werden. Wenn Sie das nicht tun, steigt natürlich entsprechend der Energieverbrauch."

Klingt ein bisschen wie in der Automobil-Industrie, wo der versprochene und der tatsächliche Benzinverbrauch oft weit auseinanderklaffen. Gibt es möglicherweise auch in Elektro-Geräten sogenannte "defeat devices"? Also Schummel-Software wie beim Volkswagen-Dieselmotor? Bisher finden sich dafür keine Belege. Auf die Energie-Effizienzklassen A+ bis A+++ könne man sich verlassen, beteuert BSH-Pressesprecher Weindl.

"Unsere Geräte sind teilweise sogar noch energie-effizienter als die beste Effizienz-Klasse A+++."

Mit diesem Alleinstellungs-Merkmal plant BSH, seinen Umsatz innerhalb der nächsten zehn Jahre fast zu verdoppeln. Klimaschutz als Business-Treiber.

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