Freitag, 19.07.2019
 
Seit 16:30 Uhr Nachrichten
StartseiteCorsoDas Gegenteil von Breaking Bad31.05.2019

Serie "How To Sell Drugs Online (Fast)"Das Gegenteil von Breaking Bad

Die durch Jan Böhmermann bekannt gewordene Bilduntonfabrik fiktionalisiert die Geschichte eines Teenagers, der Drogen aus seinem Kinderzimmer verkauft. Ein neues Breaking Bad? Auf keinen Fall!

Von Julian Ignatowitsch

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Maximilian Mundt und Danilo Kamperidis sitzen auf einem Sofa  (www.imago-images.de (C. Hardt / Future Image))
Die Schauspieler Maximilian Mundt und Danilo Kamperidis bei der Premiere der Netflix TV Serie "How to Sell Drugs Online Fast" (www.imago-images.de (C. Hardt / Future Image))
Mehr zum Thema

Netflix-Serie "Dogs of Berlin" Wuff, wuff, jaul

Erste deutsche Netflix-Serie "Dark" verbreitet globalisierten Horror

Netflixserie "Dark" Deutsche Provinz, dunkler Wald

"Breaking Bad" kommt ins Museum

Abschied von Breaking Bad

ZDF-Miniserie "Morgen hör' ich auf" "Wir wollten niemals das deutsche Breaking Bad machen"

Der deutsche Walter White heißt Moritz Zimmermann, ist 17 Jahre jung, schmächtig, schüchtern und ein echter Außenseiter.

Moritz: "Für mich völlig okay. Schließlich waren alle erfolgreichen Menschen mal unbeliebte Nerds. Typen wie wir, die von allen für Loser gehalten werden. Bis es ‚Klick‘ macht und sie es allen zeigen."

Er träumt vom großen Business-Coup.

Moritz: "Nerd today, Boss tomorrow."

Und davon, seine Freundin zurückzugewinnen, nachdem die mit ihm Schluss gemacht hat.

Moritz’ Freundin: "Es hat nichts mit dir zu tun aber… vielleicht machen wir erstmal eine Pause."

Also gründet Moritz zusammen mit einem Freund einen Drogenhandel im Internet.

Moritz: "Lenny überleg doch mal, das könnte unser Ding werden, unser Ticket raus aus diesem Kaff’. Wenn das klappt dann können wir danach machen, was wir wollen."

Besser gesagt im Darknet.

Lenny: "Wir senden den Link jetzt in ein paar Darknet-Foren und machen richtig Kohle…"

Basierend auf einem realen Fall

So beginnt also die Geschichte von "How To Sell Drugs Online (Fast), die Moritz und Lenny von einer abstrusen Situation in die nächste führt, und auf einem realen Fall basiert: Im November 2015 wurde ein 18-Jähriger verurteilt: Unter dem Decknamen"Shiny Flakes" hatte er Drogen im Wert von knapp vier Millionen Euro vertickt - von seinem Kinderzimmer aus nach ganz Europa.

Die Macher der Bildundtonfabrik – darunter auch Firmengründer und Drehbuchautor Philipp Käßbohrer - ließen sich von dieser unglaublichen Story inspirieren.

Philipp Käßbohrer: "Also eher mit diesem Gefühl, das kann ja gar nicht wahr sein. Und dann haben wir da fasziniert darauf rumgeklickt, und uns Texte durchgelesen von Kunden, die da Bewertungen zu Kokain und Ecstasy geschrieben haben. Das war alles wie von einem anderen Planeten. Dass es da ein Start-up gibt, das im Stile von Amazon eine Drogenseite ins Internet stellt."

Für Käßbohrer und seine Kollegen Sebastian Colley und Stefan Titze, die die Serie erfunden haben, war das idealer Comedy-Stoff. Deswegen ist "How To Sell Drugs Online (Fast)" auch kein neues Breaking Bad, dazu fehlen der Ernst und das Drama.

Philipp Käßbohrer: "Man merkte eher, das ist eine Falle in die wir nicht tapsen dürfen. Und uns war bewusst, dass wir uns davon emanzipieren müssen. Aber natürlich gibt es kleine Anspielungen, dass wir uns der Existenz von Breaking Bad bewusst sind."

Moritz: "Ecstasy verkaufen?"

Die Serie greift durchgehend Gamer- und Nerd-Kultur auf, z.B. wenn Moritz - übrigens stark gespielt vom bislang kaum bekannten Maximilian Mundt - plötzlich in greller GTA-Optik, wie in einem Videospiel, durch sein Viertel radelt oder Jonathan Frakes von der Mystery- Kultserie "X-Factor" in einem Überraschungsauftritt konspirativ unsere allgegenwärtige Überwachung aufdeckt.

Whatsapp, Instagram & Co. omnipräsent

Die sozialen Medien sind omnipräsent, Moritz und Lenny kommunizieren über Whatsapp, Instagram und Facebook - und die Serienmacher verstehen es, all diese technischen Spielereien ganz natürlich in die Handlung zu integrieren, erklärt Philipp Käßbohrer.

Philipp Käßbohrer: "Der Weg dahin war ein sehr anstrengender, weil wir haben die Serie nicht nur mit internen Mitarbeitern gemacht, die das kennen von unseren anderen Produktionen, sondern es war ein großes Team von Leuten, die Expertise hatten, wie man Fiction macht, und denen man das vermitteln musste, dass auf dem Bildschirm viele Dinge passieren, die für die Geschichte wichtig sind. Das war vielleicht so, wie das in den 50er Jahren war, wenn Kameraleute sich gewehrt haben, Menschen beim Telefonieren zu filmen."

Dazu stimmen die meisten Pointen, von Blödeleien bis hin zu hochreferenziellen Zynismen. Der Humor lässt sich durchaus an Böhmermanns Neo Magazin Royal, das die Bildundtonfabrik ja ebenfalls produziert, messen.

Philipp Käßbohrer: "Die größere Herausforderung für uns war, die Figuren und die Story hinzubekommen, weil Gags kennen wir ja."

Gag an Gag, aber kein Erzählfluss

Aber genau da liegt die Schwachstelle von "How To Sell Drugs Fast (Online)": Ein echter Erzählfluss, eine stimmige Atmosphäre, gar ein visueller Drogentrip will nicht wirklich aufkommen.

Zu sehr reihen die Macher Gag an Gag, brechen immer wieder auf die Metaebene aus und integrieren auch Mokumentary-Elemente in ihre Geschichte… nicht weiter erzählen!

Moritz: "Na außer natürlich Netflix ruft an und sagt sie wollen eine Serie über dein Leben machen."

Im Vergleich zur ersten deutschen Netflix-Serie "Dark" ist "How To Sell Drugs Online (Fast)" schneller, schriller und wesentlich leichter wegzuschauen. Im Gegensatz zur missglückten zweiten deutschen Produktion "Dogs Of Berlin" ist sie vor allem: lustig.

Zusammenfassend: Eine kurzweilige Unterhaltungsserie mit Coming-of-Age-Elementen für Millenials und vielleicht auch deren Eltern, die ihre Kinder und deren digitale Welt besser verstehen wollen. Gewitzt, selbstironisch, ein bisschen oberflächlich und selbstdarstellerisch - eigentlich genau so wie die Generation Z, die sie porträtiert. Und: Das Gegenteil von Breaking Bad.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk