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StartseiteEuropawahl 2014"Es gibt kein Zurück mehr für mich"20.05.2014

Serie: Kandidaten zur Europawahl"Es gibt kein Zurück mehr für mich"

In unserer Serie schauen wir im Vorfeld der Europawahl vom 25. Mai auf verschiedene EU-Länder und stellen einzelne Kandidaten vor. Heute richtet sich der Blick auf Griechenland. Die Journalistin Maria Spyraki kandidiert mit der Liste der konservativen griechischen Regierungspartei, der Nea Dimokratia. Ein Wahlkampf im ganzen Land - mit äußerst bescheidenen Mitteln.

Von Rodothea Seralidou

Die griechische Journalistin Maria Spyraki, hier im Gespräch mit Andonis Samaras (Maria Spyraki )
Die griechische Journalistin Maria Spyraki, hier im Gespräch mit Andonis Samaras (Maria Spyraki )
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Wahlkampfplanung im Büro von Maria Spyraki. Ihre Mitarbeiter informieren die Kandidatin über die nächsten Termine. Hochkonzentriert hört die 48-Jährige zu und tippt die anfallenden Termine in ihr Smartphone ein.

Maria Spyraki war fast 25 Jahre lang politische Journalistin. Ihr Schwerpunkt war die Berichterstattung über die Nea Dimokratia, also die konservative Regierungspartei unter Premier Andonis Samaras. Er hatte sie persönlich dazu aufgefordert, für ihn ins Rennen zu gehen:

"Ich weiß, nach dieser Entscheidung gibt es kein Zurück mehr für mich. Ich habe nun politisch Stellung bezogen. Aber ich glaube fest daran, dass Griechenland Teil der Europäischen Union sein muss. Dafür will ich kämpfen. Und ich bin davon überzeugt, dass die Nea Dimokratia eine klare Linie für die Bewältigung der Krise hat."

Um möglichst viele Wähler zu erreichen, müsste Maria Spyraki eigentlich ständig durch das ganze Land reisen. Denn ganz Griechenland ist zum ersten Mal ein einziger Wahlkreis. Für einen so groß angelegten Wahlkampf fehle ihr jedoch das Geld, sagt Maria Spyraki. Um Zeit und Geld zu sparen, konzentriert sich die zweifache Mutter lieber auf Auftritte bei landesweiten und regionalen Fernsehsendern:

"Meine Wahlkampagne ist eine Low-Budget-Kampagne. Ich glaube, ich werde nicht mehr als 15.000 Euro ausgeben. Meine Mitarbeiter sind Freunde und Verwandte. Wenn ich Termine außerhalb Athens habe, übernachte ich bei Freunden, damit ich nur die Fahrkarten oder die Benzinkosten bezahlen muss. Und mein Büro - nun, sie sehen es ja!"

Ihr Büro liegt zwar in der Rigilisstraße, noch vor wenigen Jahren eine der Edeladressen in der Athener Innenstadt, die Ausstattung ist allerdings dürftig: Ein paar Bürotische und Stühle, einige Regale, Computer und Festnetztelefone. Gardinen vor dem Fenster, Teppiche oder Bilder an der Wand sucht man vergeblich.

"Nach vorne schauen"

Schließlich habe die Krise auch ihre Familie getroffen, sagt Spyraki. So wie die meisten ihrer Landsleute. Das könnte für die Regierungspartei Nea Dimokratia in der kommenden EU-Wahl zum Problem werden: Denn von den ersten Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung bekomme die Bevölkerung noch nichts mit, gibt Spyraki zu:

"Im Wirtschaftsleben ist davon bisher nichts zu spüren. Die Menschen haben Probleme. Wir alle haben Probleme. Ich kann zum Beispiel meine Steuern nur in Raten zahlen. Mein Mann ist Hochschuldozent und sein Gehalt ist enorm gekürzt worden. All diese Opfer haben aber langsam zu einem positiven Ergebnis geführt. Die Frage ist, wollen wir dieses Ergebnis untergraben oder wollen wir, dass die Wunden verheilen und wollen wir nach vorne schauen?"

Dass der griechische Ministerpräsident Samaras auf frische Gesichter wie Spyraki setzt, ist kein Zufall. Schließlich hat seine Partei in den letzten Jahrzehnten abwechselnd mit der sozialistischen Pasok regiert und dadurch ist sie mitverantwortlich für den schlechten Zustand Griechenlands. Mit ihren Europawahlkandidaten will die Nea Dimokratia nun zeigen, dass sie sich ändert.

Sollte es Maria Spyraki nicht ins EU-Parlament schaffen, wird sie sich nach einem anderen Job umsehen. Bis zum Wahltermin, am 25. Mai will sie davon aber nichts wissen. Dabei muss sie auch gegen die 41 anderen Kandidaten der eigenen Partei antreten. Also jeder gegen jeden – feste Listenplätze gibt es nicht mehr – ein Novum. Spyraki findet das gut:

"Die Zeiten, in denen die Parteichefs den Listenrang der Kandidaten festlegten, sind damit ein für alle Mal vorbei. Jetzt können die griechischen Bürger endlich aktiver mitentscheiden, wer sie im EU-Parlament vertreten soll. Das ist das Ende des Mythos von der großen Distanz zwischen den EU-Abgeordneten und den Bürgern."

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