Sonntag, 31.05.2020
 
StartseiteRock et ceteraDie Sonnenbrille04.08.2019

Serie: Musikers HandwerkzeugDie Sonnenbrille

Die meisten Rockstars nehmen sie nie ab: ihre Sonnenbrille. Sie ist Markenzeichen und Statussymbol in einem. Und sie ist praktisch, weil sie die Spuren der vielen Partys gut kaschiert - und eine Barriere zu lästigen Fans oder Fragestellern schafft. Die Sonnenbrille ist: Musikers Handwerkszeug.

Von Tim Schauen

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Eine Sonnenbrille liegt im Sand an einem Strand. (Unsplash / Ethan Robertson)
(Unsplash / Ethan Robertson)
Mehr zum Thema

Musikers Handwerkszeug Der Roadie

Musikers Handwerkszeug Das Gaffer-Tape

Musikers Handwerkszeug Das Mellotron

Musikers Handwerkszeug Das Pedalboard

Musikers Handwerkszeug Die Slide-Gitarre

Musikers Handwerkszeug Das Wah-Wah-Pedal

Die Sonne. Ohne sie gäbe es kein Leben auf der Erde. Und: keine anständig bekleideten Rockstars. Denn die müssen sich ja schließlich mit irgendwas vor der Sonne oder: jeglichem Licht! - und vor bewundernden Blicken verstecken. Und dazu brauchen sie: Sonnenbrillen. Als Massenphänomen gibt es diese seit fast auf den Tag genau 90 Jahren. Fast so lange wie den Rock'n'Roll.

Bühnenrand: mit Sonnenbrille unsichtbar

Eigentlich ist es gar nicht angeraten, bei fast vollständiger Dunkelheit auf einer Bühne eine Sonnenbrille zu tragen: Man kann ja kaum bis zum Bierbecher blicken. Auch nicht zum Kollegen am Bass, um zumindest zu sehen, welchen Song man eigentlich gerade spielt. Der drohende Bühnenrand, das Ende der Bretter, die die Welt bedeuten? Wird mit Sonnenbrille schon mal übersehen. Autsch! Komischerweise aber sind auf die Bühne fliegende Dessous und ihre AbsenderInnen in den ersten 2-14 Reihen durch Sonnenbrillen stets gut zu erkennen.

Aber: Die Sonnenbrille ist natürlich - und das liegt - Achtung: Stereotyp. Klischee, perpetuum mobile! - auch am Rockstar selbst: die Sonnbrille ist das coole Accessoire schlechthin. Berufsbekleidung sozusagen. Noch vor Bierbecher, Groupie oder E-Gitarre. Äh, können Musiker oder auch Piloten ihre Sonnenbrillen eigentlich von der Steuer absetzen?

Es soll übrigens auch mancher Schauspieler mit Sonnenbrille gesehen worden sein, aber: Die Schauspieler tun ja immer bloß so. Bob Dylan, Billy Gibbons von ZZ Top oder auch uns' Udo Lindenberg sind quasi nie ohne Dunkelgläser zu sehen, auch abseits der Bühne. Im Falle des Udopischen ist das vielleicht auch besser so. Denn die Sonnenbrille verhüllt nicht nur den Spiegel der Seele - sondern auch Augenringe. Und da bekäme man angesichts der Wahrheit hier und da schon mal Angst.

Spuren der Aftershow-Partys

Denn andere Handwerkszeuge der Musiker, wie der systemimmanente Alkohol und die handelsüblichen Drogen hinterlassen zusammen mit den langen Aftershow-Partys schon ihre Spuren im Gesicht der hart arbeitenden MusikerInnenschaft. Daher: Sonnenbrille an, Lächeln ausgeknipst: Schon ist man auftrittsreif.

Wobei: Hinter manchem Modell erinnert der oder die Sonnenbrillentragende doch eher an Puck, die Stubenfliege - aber genaugenommen ist Puck ist ja auch irgendwie Rockandroll.

Es gibt die klassischen Modelle: Sie hören auf den Namen, der mit R und B beginnt und auf der ganzen Welt zu kaufen ist. Sogar in billigen Kopien. Das ist ein Vorteil für arme, aber die Welt betourende Musikanten. Die Klassiker sind schlicht und pechschwarz. Alle anderen Formen müssen Sondermodelle für Katy Perry und Elton John sein. Der Rest ist: Musikers Handwerkszeug.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk