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StartseiteCorsoMenschen wie Maschinen02.12.2019

Serie „The Feed“Menschen wie Maschinen

Die Serie „The Feed“ zeigt eine Welt, in der alle Menschen miteinander verbunden sind und Gedanken und Erinnerungen teilen. Ein dystopisches Zukunftsszenario, das auf subtilen Überwachungs-Horror und ferngesteuerte Menschen setzt, aber nicht ganz an die Kultserie „Black Mirror“ heranreicht.

Von Julian Ignatowitsch

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Ep1. Stars GUY BURNET as Tom and JEREMY NEUMARK JONES as Ben. ( © Studio Lambert and all3media international)
Eine Szene aus der Serie "The Feed" ( © Studio Lambert and all3media international)
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Wie ein endloses, engmaschiges neuronales Netz sieht dieser Feed in der gleichnamigen Serie aus, wenn IT-Experten daran herumprogrammieren.

"Im Bruchteil einer Sekunde mit aller Welt verbunden sein!"

Und genau so muss man ihn sich auch vorstellen. Ein Meta-Gehirn, in dem alle Menschen miteinander verbunden sind, ihre Erinnerungen und Gefühle teilen und speichern können.

"Erfinde eine schönere Welt, teile deine Welt, teile dein Leben!"

Im Mittelpunkt dieses weltumspannenden Netzes steht die britische Familie Hatfield. Sie hat den Feed erfunden und kontrolliert damit Millionen von Menschen. Und obwohl laut offizieller Firmenpolitik angeblich alle Daten sicher und in den Händen der Nutzer sind – so wie auch laut offizieller Firmenpolitik von Facebook oder Google angeblich alle Daten sicher und in den Händen der Nutzer sind – ist natürlich gar nichts sicher und in den Händen der Nutzer!

"Jedes System ist virusanfällig. Einer kam rein, jetzt ist er raus…"

Dystopisches Zukunftsszenario

Allein dieses dystopische Zukunftsszenario taugt ja bereits zum mehrstündigen TV-Format. So lässt sich die Serie "The Feed", basierend auf dem Roman von Nick Clark Windo, auch Zeit, diese übertechnologisierte Welt langsam vor dem Zuschauer auszubreiten. Sie tut das erfreulicherweise mit den Mitteln des Films: Kamera, Kulisse, Schnitt – und nicht in ein paar wenigen Dialogen.
In der Welt des Feeds sind Bildschirme zum Beispiel gar nicht mehr nötig, weil jeder seine Kontakte und Apps im Kopf herumträgt, Fotos werden mit einem kurzen Augenzwinkern aufgenommen und Einrichtungs- oder Deko-Gegenstände können mit dem passenden BAR-Code einfach digital getauscht werden.

"Wie hältst du das aus?"

Das alles, in den ersten drei Episoden zu sehen – eine Welt im Aufmerksamkeits-Defizit-Dauerzustand, in der der Feed-Psychologe die Feed-Junkies betreut und anschließend auf Feed-Detox-Kur, also offline, geht – das alles in den ersten drei Episoden zu sehen macht schon großen Spaß.

"Off, Danny!"
"Voll unfair, sie dürfen und ich nicht."

Spaß am Untergang

Spaß am Zukunftsspinnen. Am Untergang. Natürlich erschrickt man. Und merkt, dass der Feed eine Analogie auf unsere Welt ist und nur insoweit futuristisch, als dass die Technik von den Smartphones in unserer Hand ganz in die Köpfe gewandert ist.

"Sind eure Feeds auch angegangen?"
"Ja keine Ahnung, warum?"
"Ich kann es nicht kontrollieren…"

Und so sind auch die Fragen, die die Serie in den folgenden Episoden aufwirft, Fragen, die uns im Jetzt berühren: Was passiert, wenn das System außer Kontrolle gerät? Wenn Hacker die Cloud angreifen? Wenn die Technik plötzlich den Menschen steuert beziehungsweise ganz zusammenbricht?

Dann – ohne zu viel zu verraten – fällt der freie Wille! Dann werden Freunde zu Feinden! Dann brechen Familien auseinander!

In dieser Hinsicht bietet die Serie eher keine neuen Erkenntnisse. Im Gegenteil: "The Feed" lässt den großen gesellschaftlichen Zusammenhang etwas vermissen und beschränkt seine Perspektive zu sehr auf den Mikrokosmos der machthungrigen und zerstrittenen Familie Hatfield.

"Du hast auf alles eine Antwort!"
"Und du hast zu allem eine Frage!"

Glatt und berechenbar

So gesehen fällt die Serie gegenüber dem auch in der Analyse messerscharfen "Black Mirror" zurück. Der Cast – vorneweg die aus Game of Thrones bekannte Michelle Fairley – und die Dialoge kommen sowohl im Original als auch in der Synchronfassung teilweise merkwürdig roboterhaft daher. Die Welt des Feed erscheint dadurch umso mehr: glatt, kalt und berechenbar.

"Zu viele Fragen."
"Das wäre nicht die erste Krise, die wir bewältigen."

Eine Welt in der Menschen, wie Maschinen agieren. Deshalb ist "The Feed" trotz erzählerischer Schwächen und Längen, eine gute Serie. Sie hätte noch radikaler sein können, noch zugespitzter, aber auch so zeichnet sie ein erschreckendes Bild von der möglichen Überwachungswelt von morgen, die immer online ist und den Menschen im Feed verschwinden lässt.

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