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StartseiteSport am WochenendeDrei mutmaßliche Täter vor Gericht13.06.2020

Sexuelle Gewalt im SportDrei mutmaßliche Täter vor Gericht

Der offenbar organisierte sexuelle Missbrauch von Münster zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, Hinweise auf sexuelle Gewalt ernst zu nehmen und zu verfolgen. Auch im Sport. Derzeit stehen drei mutmaßliche Täter aus dem Umfeld des Sports in Deutschland vor Gericht, weitere Ermittlungen laufen.

Andrea Schültke im Gespräch mit Astrid Rawohl

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Ein schwarzer Judogürtel liegt zum Teil auf dem Boden (dpa)
In Berlin steht derzeit unter anderem ein ehemaliger Judotrainer vor Gericht, dem sexuelle und schwere sexuelle Gewalt vorgeworfen wird (Symbolbild) (dpa)
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Triggerwarnung:
Im folgenden Beitrag werden sexualisierte Gewalthandlungen und deren Folgen für die Betroffenen geschildert, die belastend und retraumatisierend sein können. Das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch bietet anonym und kostenfrei Hilfe und Beratung: 0800 22 55 530.  

Vor dem Landgericht Berlin etwa laufen gerade zwei Verhandlungen: Zum einen muss sich ein Judotrainer verantworten, dem sexuelle und schwere sexuelle Gewalt vorgeworfen wird. Darunter sind Taten zu verstehen, die mit Eindringen in den Körper verbunden sind. Es geht dabei um sieben Jungen, die zur Tatzeit teilweise unter 14 Jahren waren. Die Vorwürfe betreffen einen Tatzeitraum von 13 Jahren, wobei es auch zu Gewaltanwendungen wie brutalen Schlägen gekommen sein soll.

Ebenfalls vor dem Landgericht Berlin läuft ein Verfahren gegen den Jugendwart eines Angelvereins. Auch hier sind es sieben betroffene Jungen, von denen der Jüngste zum Tatzeitpunkt sechs oder sieben Jahre alt war. Auch hier verbunden mit Gewaltanwendung. Der Mann hat ein Teilgeständnis abgelegt.

Ebenso wie der Aikidotrainer und Erlebnispädagoge, der sich vor dem Landgericht Dresden verantworten muss. Auch hier geht es um sexuellen und schweren sexuellen Missbrauch. Er hat zugegeben, diese Taten an elf Jungen verübt zu haben, darunter auch Kinder mit einer geistigen Behinderung und Grundschüler.

Ermittlungen im Umfeld eines Segelvereins in Mittelfranken

Außerdem haben sich mehr als 30 Betroffene gemeldet, die dem Jugendleiter eines Segelvereins in Mittelfranken sexuellen Missbrauch vorwerfen. Über drei Jahrzehnte lang soll der Mann sich an Kindern und Jugendlichen vergriffen haben. Er hat in der Untersuchungshaft Suizid begangen, dennoch laufen die Ermittlungen weiter.

So individuell all diese Fälle sind, lassen sich auch Gemeinsamkeiten ausmachen: "Zuallererst haben alle mutmaßlichen Täter das Umfeld Sport ausgenutzt, um sich den Kindern zu nähern", erklärt die Dlf-Reporterin Andrea Schültke in der Sendung "Sport am Samstag". "Eine Täterstrategie, die sich das positive Image des Sports zunutze macht." Teilweise hätten die Täter gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen Ausflüge unternommen, bei denen es zu Übernachtungssituationen kam, die die mutmaßlichen Täter dann für ihre Zwecke genutzt haben. Ein geradezu "strategisches Vorgehen, bei dem sie erstaunlicherweise teilweise über Jahrzehnte unentdeckt blieben", berichtet Andrea Schültke.

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