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StartseiteInformationen am MorgenTeammanagerin wirft FIFA Untätigkeit vor11.07.2019

Sexueller Missbrauch afghanischer Nationalspielerinnen Teammanagerin wirft FIFA Untätigkeit vor

Über Jahre hinweg sollen Spielerinnen der afghanischen Frauen-Fußball-Nationalmannschaft von Funktionären sexuell missbraucht worden sein. Darunter auch der Ex-Verbandspräsident Karim. Nationaltrainerin Kelly Lindsey wirft der FIFA und auch der asiatischen Fußball-Konföderation AFC Untätigkeit vor.

Von Bernd Musch-Borowska

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Mitglieder der afghanischen Frauen-Nationalmannschaft bei einem Training in Kabul.  (imago images / Xinhua)
"Spielerinnen wurden vom Präsidenten des Fußballverbands vergewaltigt. Wie kann das sein, dass da nichts getan wird?", kritisiert Teammanagerin Kelly Lindsey (imago images / Xinhua)
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Die Spielerinnen der afghanischen Frauenfußball-Nationalmannschaft werden bewundert - von den einen - und angefeindet und bedroht - von anderen. Viele Männer in dem traditionellen muslimischen Land fürchten offenbar, dass auch ihre Töchter eines Tages fragen könnten, ob sie auch in eine Sportgruppe gehen dürften.

Früherer Verbandschef abgetaucht

Die bereits im vergangenen Jahr bekannt gewordenen Vorfälle sexuellen Missbrauchs dürften dem Ansehen des Frauenfußballs in Afghanistan eher geschadet haben. Zwar wurde der frühere Chef des afghanischen Fußball-Verbands, Keramuddin Karim, inzwischen nicht nur von der FIFA auf Lebenszeit gesperrt - wegen sexuellen Missbrauchs mehrerer Nationalspielerinnen – und mit einer Millionen schweren Geldstrafe belegt, gegen den langjährigen Sportfunktionär wurde vor wenigen Wochen in Afghanistan auch ein Haftbefehl ausgestellt. Möglicherweise muss Karim sogar ins Gefängnis. Doch wo er sich aufhält, ist unbekannt.

22.09.2013, Afghanistan, Kabul: Keramuddin Karim, Präsident des Afghanistan Football Federation (AFF), spricht mit dem Publikum während einer Pressekonferenz. (S. Sabawoon/EPA/dpa)Keramuddin Karim, der früherer Präsident des Afghanistan Football Federation (AFF) (S. Sabawoon/EPA/dpa)

Wahrscheinlich werden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, wie so oft, im Sande verlaufen, klagte die afghanische Parlamentsabgeordnete, Fatima Nazari, gegenüber dem Fernsehsender TOLO News:

"Hier geht es doch um politische Interessen, deshalb wird die Sache nicht so verfolgt, wie es sein sollte. Damit die Leute, die irgendwie mit dem Fall zu tun haben, nicht in einen Skandal verwickelt werden und eventuell ihre Position verlieren, die sie über politische Verbindungen bekommen haben."

Vorwurf der Untätigkeit gegenüber der FIFA

Mindestens fünf afghanische Fußballerinnen hatten mehreren Funktionären des nationalen Verbands vorgeworfen, sie über Jahre hinweg sexuell missbraucht zu haben. Der Verband hatte die Vorwürfe lange Zeit zurückgewiesen.

Die Managerin der afghanischen Frauenfußball-Nationalmannschaft, Kelly Lindsey, warf der FIFA und auch der asiatischen Fußball Konföderation AFC Untätigkeit vor.

"Spielerinnen wurden vom Präsidenten des Fußballverbands vergewaltigt. Wie kann das sein, dass da nichts getan wird? Wie kann das sein, dass solche Vorfälle nicht sofort aufgeklärt werden? Auch wenn man dafür noch keine Strukturen hat, dann muss man schleunigst welche schaffen. Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass uns die FIFA nicht sofort eingeladen hat, um mit uns gemeinsam dieses Problem zu lösen. Nicht nur für unsere Fußballfrauen, sondern für alle Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt."

Shabnam Mabarz (r.) und Khalida Popal, Mitglieder der afghanischen Frauen-Nationalmannschaft.  (dpa / picture alliance / Jan M. Olsen)Shabnam Mabarz (r.) und Khalida Popal, Mitglieder der afghanischen Frauen-Nationalmannschaft. (dpa / picture alliance / Jan M. Olsen)

Zwar hat die afghanische Generalstaatsanwaltschaft angekündigt, alles zu tun, um den früheren Fußballfunktionär Karim zu fassen, doch Nadir Baloch, ein afghanischer Senator äußerte im Fernsehsender TOLO News seine Zweifel:

"Diejenigen, die keine Verbindungen zur Regierung haben, die werden angeklagt. Aber die, die Macht haben oder jemanden kennen, der Macht hat, kommen davon. Das ist immer das Problem in Afghanistan."

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