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StartseiteSport Aktuell„Blick hinter die Maske“ zeigt Täterstrategien 21.09.2021

Sexueller Missbrauch„Blick hinter die Maske“ zeigt Täterstrategien

Es kommt immer wieder vor, dass Kinder in Sportvereinen Opfer sexualisierter Gewalt werden. Der Deutsche Fußballbund geht dagegen mit Präventionsveranstaltungen vor, wo zukünftig auch ein Video eingesetzt wird. Es heißt „Blick hinter die Maske" und soll dabei helfen, Täter frühzeitig zu erkennen.

Von Andrea Schültke

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(Andrea Schültke - Deutschlandradio)
Ursula Enders (Mitte) von Zartbitter e.V. hat das Video "Blick hinter die Maske" entwickelt. (Andrea Schültke - Deutschlandradio)
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Gerd ist 22 Jahre alt, will Lehrer werden und hat eine Lizenz als Fußballtrainer. Er ist Täter, macht sich strafbar, denn er konsumiert Missbrauchsabbildungen von Kindern im Internet. Irgendwann reicht ihm das nicht mehr:

"Wie komme ich mit Jungen in Kontakt? Am liebsten mit so einem sportlichen, cleveren Zwölfjährigen?", fragt sich Gerd in dem Video. Dann geht er planmäßig vor. Als Fußballtrainer findet er schnell einen Job, kommt im Verein bei Eltern und Kindern gut an. Einem Jungen nähert er sich gezielt. Erst sind es zufällige Berührungen, dann in der Umkleide der geplante Griff zwischen die Beine des Jungen: "Ups, sorry, da habe ich dir aus Versehen an den Arsch gepackt."

Am Ende filmt der Trainer Missbrauchsdarstellungen mit Jungen aus der Mannschaft. Ursula Enders von der Fachberatungsstelle Zartbitter e.V. hat das Video "Blick hinter die Maske" über Täterstrategien entwickelt.

Verführung und Schweigegebote gehören zur Täterstrategie

Ihre Botschaft: Täter manipulieren das gesamte Umfeld – auch die Eltern, damit die später den Kindern nicht glauben.

"Und dann überwinden sie den Widerstand der Kinder durch Verführung, durch Schweigegebote, durch Vernebelung und steigern immer parallel die Handlungen. Das heißt, wenn die Umwelt die Übergriffe am Anfang ernst nimmt und direkt aktiv einschreitet, können wir massive Formen sexueller Gewalt zumindest erheblich reduzieren."

Für Stephan Osnabrügge, den Kinderschutzbeauftragten des DFB, eine wichtige Aufgabe der Vereine: "Die Strategie des DFB ist, dass wir Täterstrategien aufzeigen und dass wir Vereine begeistern, für dieses Thema zu streiten und sich damit zu befassen."

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Das Video sollen die Landesverbände bei Präventionsveranstaltungen und Schulungen einsetzen. Und dann an die Basis bringen, zu den etwa 25.000 Fußballvereinen in Deutschland.

Datenschutz behindert weiteres Warnsystem

Wenn die für das Thema Kinderschutz sensibilisiert sind, senden sie potenziellen Tätern das Signal: Dieser Verein ist ein unbequemer Ort für Täter. Suchen die sich dann einen anderen Club, verhindert - laut Stephan Osnabrügge - der Datenschutz, dass diese anderen Vereine gewarnt werden. Da sei auch die Politik gefordert.

"Es ist nicht so, dass der Datenschutz über Kinderschutz geht. Es ist häufig auch eine Frage, wie man das macht und da muss man sich das jetzt sehr genau angucken und das werden wir mit Herrn Dr. Osnabrügge auch noch weiter besprechen."

So Nordrhein-Westfalens Familienminister Joachim Stamp. Sein Haus hat das Video "Blick hinter die Maske" finanziell gefördert. Der Film endet damit, dass Trainer Gerd ins Gefängnis muss und der DFB ihm seine Trainerlizenz entzieht. Oft Wunschdenken, denn ein Lizenzentzug im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch ist sehr selten, und dass Täter vor Gericht kommen, eher die Ausnahme.

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