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StartseiteNachrichten vertieftAutorin korrigiert Kritik an Retortenkindern07.03.2014

Sibylle LewitscharoffAutorin korrigiert Kritik an Retortenkindern

Es war ein Satz, der einen Eklat auslöste: Die preisgekrönte Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff bezeichnet künstlich gezeugte Kinder während einer Rede in Dresden als "Halbwesen". Jetzt hat sich die Autorin zumindest für diese Aussage entschuldigt.

Die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff am Rednerpult bei der Verleihung des Georg-Büchner-Preises. (dpa picture alliance / Andre Hirtz)
Sibylle Lewitscharoff ist mit ihrer Aussage zu künstlich gezeugten Menschen zurückgerudert. (dpa picture alliance / Andre Hirtz)
Weiterführende Information

Die Dresdner Rede von Sibylle Lewitscharoff vom 2. März 2014 in voller Länge

Offener Brief an die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff als ­Antwort auf ihre Dresdner Rede vom 2. März 2014 von Robert Koall, Chefdramaturg am Staatsschauspiel Dresden

Debatte um Dresdner Rede - "Lewitscharoff wusste, was sie tat" (DeutschlandradioKultur, Thema, 06.03.2014)

Die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff bedauert ihre umstrittene Aussage zu Menschen, die durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden. "Ich möchte den Satz sehr gerne zurücknehmen, ich bitte darum", sagte Lewitscharoff im ZDF: "Das tut mir wirklich leid, der (Satz) ist zu scharf ausgefallen." Sie würde "niemals ein Kind, das auf diese Weise zur Welt kam, als fragwürdigen Menschen bezeichnen".

An ihrer grundsätzlichen Kritik an der künstlichen Befruchtung halte sie aber fest. "Ich kann ja nicht alles zurücknehmen, weil ich in vielen Dingen so denke, wie ich es geschrieben habe", sagte sie mit Bezug auf ihr Redemanuskript. "Den Kindern werfe ich überhaupt nichts vor, sie können nichts dafür, wie sie auf die Welt kamen. Ich bin aber skeptisch gegenüber den modernen medizinischen Methoden. Man sollte stärker diskutieren und sich nicht damit befrieden, dass es diese Medizin gibt." Ihr verursache es Unbehagen, dass auf der einen Seite Millionen Kinder in ärmlichen Regionen ein entsetzliches Leben führten, Eltern in reichen Regionen dagegen versuchten, auf künstlichem Wege Kinder zu zeugen.

Zuvor noch hatte die Autorin ("Pong", "Blumenberg") in einem Zeitungsinterview abgelehnt, ihre Aussage zurückzunehmen: "Darf ich in einer Rede nicht sagen, was ich denke?" Sie werde doch ihre Skepsis gegenüber Methoden der Reproduktionsmedizin formulieren dürfen, so Lewitscharoff in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die mehrfach preisgekrönte Schriftstellerin hatte am vergangenen Sonntag bei den "Dresdner Reden" einen Vortrag mit dem Titel "Von der Machbarkeit. Die wissenschaftliche Bestimmung über Geburt und Tod" gehalten. Darin hatte sie unter anderem gesagt, das gegenwärtige "Fortpflanzungsgemurkse" erscheine ihr "derart widerwärtig", dass sie sogar geneigt sei, "Kinder, die auf solch abartigen Wegen entstanden sind, als Halbwesen anzusehen": "Nicht ganz echt sind sie in meinen Augen, sondern zweifelhafte Geschöpfe halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas."

Am Sonntag, 09.03.2014 um 17.05 Uhr können Sie die Rede in der Sendung "Kulturfragen" im Deutschlandfunk in Auszügen hören.

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