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StartseiteInformationen am MorgenWeltraumkommando der Bundeswehr geht an den Start13.07.2021

Sicherheit von SatellitenWeltraumkommando der Bundeswehr geht an den Start

Das neue Weltraumkommando der Bundeswehr nimmt seinen Dienst auf. Sitz der Einheit ist das "Zentrum Luftoperationen“ der Luftwaffe im nordrhein-westfälischen Uedem. Neben der Überwachung von Satelliten und der militärischen Aufklärung gehört auch die Beobachtung von Weltraumschrott zu ihren Aufgaben.

Von Marcus PIndur

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Blick ins Nationale Lage- und Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum der Bundeswehr, in dem Menschen vor Computerbildschirmen sitzen (picture alliance/ dpa/ Arnulf Stoffel)
Das sogenannte Zentrum Luftoperationen der Bundeswehr wächst jetzt um den Bereich "Weltraum". (picture alliance/ dpa/ Arnulf Stoffel)
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Das neue Weltraumkommando wird von der Luftwaffe verantwortet. Es soll insbesondere im engen Zusammenwirken mit dem Kommando Cyber- und Informationsraum am Standort Kalkar-Uedem betrieben werden. Das sogenannte Zentrum Luftoperationen wächst jetzt um den Bereich "Weltraum". In Zukunft wird auch eine Multinationalisierung des Kommandos mit weiteren Verbündeten der NATO angestrebt. Gleichzeitig beobachtet die Bundeswehr den gesamten deutschen Luftraum aus Kalkar und kann den Start sogenannter Alarmrotten, je zweier Eurofighter, veranlassen.

Kommunikation und Aufklärung

Nicht nur im zivilen Alltag, auch für das Militär sind Satelliten unabdingbar. Man braucht sie zur Erkennung von Raketenstarts feindlich gesonnener Nationen, für die Raketenabwehr, aber auch für Kommunikation und Aufklärung für die eigenen Streitkräfte. Die Bundeswehr betreibt Aufklärungs- und Kommunikationssatelliten, um ein Lagebild und ihre Führungsfähigkeiten sicherzustellen. Ihre Fähigkeiten im Weltraum sind ein Beitrag zur Sicherheitsvorsorge in Deutschland und eine wichtige Voraussetzung für Auslandseinsätze. 

Satelliten warnen vor Gefahren aus dem All

Darüber hinaus wird aus dem Weltraumlagezentrum in Uedem der Weltraum und besonders der dort umherfliegende Weltraumschrott beobachtet. 2.400 Satelliten umkreisen die Erde, über 20.000 Stücke Weltraumschrott kommen hinzu. Diese kleineren und größeren Partikel können Satelliten zum Absturz bringen – steuerbare Satelliten können diesem Schrott ausweichen. Das deutsche Hochleistungsradar "Gestra" kann die dafür notwendigen Daten liefern und auch zivile Betreiber vor Gefahren warnen.

Die künstlerische Darstellung zeigt die rund 750.000 Objekte mit einer Größe von mindestens einem Zentimeter Durchmesser, die Simulationen zufolge durchs All fliegen. Kaputte Satelliten, verlorenes Werkzeug, Trümmer oder Teile von alten Raketen –  das ist Weltraum-Müll. (dpa / TU Braunschweig ) (dpa / TU Braunschweig )Weltraumschrott - Radaranlage soll vor Kollisionen warnen 
Rund 3.000 aktive Satelliten kreisen um die Erde, dazu kommen defekte Satelliten, alte Raketenstufen und Bruchstücke explodierter Objekte. Die lückenlose Überwachung des Weltraumschrotts wird immer wichtiger. 

Eine verteidigungspolitische Debatte ist vorprogrammiert

In Zukunft hat man auch militärische Angriffe auf die eigene Weltrauminfrastruktur und die der NATO-Verbündeten im Blick. China hat bereits einen Testabschuss eines Satelliten durchgeführt. Ein gefährlicher Test, der zu weiteren 3.000 Teilen von Weltraumschrott geführt hat, die das erdnahe All mit großer Geschwindigkeit durchqueren. Auch Indien und Russland verfügen über Anti-Satellitenwaffen. Der Weltraum ist also bereits heute eine neue Zone der Rivalität. Eigene deutsche offensive Maßnahmen sind nach Auskunft der Bundeswehr derzeit nicht geplant. Im westlichen Bündnis haben im Moment nur die USA solche offensiven Fähigkeiten im Weltraum.

Doch sowohl Großbritannien als auch Frankreich haben erkennen lassen, dass sie auch einen Aufbau solcher Waffen wollen. Die nächste verteidigungspolitische Debatte in Deutschland ist damit vorprogrammiert.

Die NATO hatte auf ihrem Gipfel im Dezember 2019 den Weltraum zum eigenständigen Operationsgebiet erklärt. Dieser werde für die eigene Sicherheit und die Abwehr von Sicherheitsherausforderungen immer wichtiger, hieß es damals in der von allen Bündnispartnern unterzeichneten Erklärung. 

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