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StartseiteKommentare und Themen der WocheChaos Communication Congress legt Finger in die Wunde28.12.2019

SicherheitsproblemeChaos Communication Congress legt Finger in die Wunde

In Leipzig sitzen Computerfachleute aus aller Welt zusammen. Mehrere Tausend Hacker arbeiten in kleinen Gruppen daran, Sicherheitslücken aufzudecken und mit den zuständigen Fachpolitikern ins Gespräch zu kommen - vor allem über mögliche Lösungsansätze. Dabei gebe es noch viel zu tun, kommentiert Manfred Kloiber.

von Manfred Kloiber

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Teilnehmer des 36C3 Chaos Communication Congress in Leipzig an gemeinsamen Arbeitstischen. (Getty Images  / Jens Schlueter)
Internationaler Hacker-Kongress in Leipzig (Getty Images / Jens Schlueter)
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Morgen Abend wird eine lange Liste abgearbeitet werden auf dem Chaos Communication Congress in Leipzig. Wenn der Aktivist Markus Beckedahl den netzpolitischen Jahresrückblick präsentiert, dann wird wohl einem großen Teil der rund 17.000 Besucher noch einmal klar vor Augen geführt, wie sehr mittlerweile technische Themen aus den Bereichen Computer, Internet und Digitalisierung unseren Alltag und damit den politischen Diskurs bestimmen.

Das neue IT-Sicherheitsgesetz, der Gesetzes-Entwurf gegen Rechtsextremismus und Hasskriminalität, Uploadfilter und Urheberrecht, Plattformregulierung, Künstliche Intelligenz, elektronische Währungen - all diese Themen sind gerade in diesem Jahr nicht nur unter Nerds und Insidern diskutiert worden, sondern vor allem in einer breiten Politischen Debatte gelandet.

Ein mit PRIVAT gekennzeichneter Ordner auf dem Bildschirm eines Computers (picture alliance / dpa / Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa) (picture alliance / dpa / Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)Staatstrojaner / Deutsche Spionagesoftware gegen türkische Oppositionelle?
Im Sommer 2017 tauchte in der Türkei Spionagesoftware auf, die gegen Oppositionelle eingesetzt wurde. Die Spuren führten möglicherweise nach Deutschland, sagte Linus Neumann vom CCC.

Das ist gut so. Denn über lange Jahre haben sich in den Parlamenten auf Landes-, Bundes- und Europa-Ebene nur wenige Fachpolitiker mit diesen Themen beschäftigt, oft in Hinterzimmern und sekundiert von den einschlägigen Fachverbänden und sonstigen Wirtschafts-Lobbyisten.

Hacker und Politik - ein schwieriges Verhältnis

Diese intransparenten Debatten haben die Hacker vom Chaos Communication Congress in den letzten Jahren radikal aufgebrochen. In unermüdlicher und oft akribischer Kleinarbeit haben sie Sicherheitslücken und Demokratie-Risiken in unserer Digitalen Infrastruktur und in der Gesetzgebung aufgedeckt. Egal ob es fehlerhafte Sicherheitsstrukturen in den Mobilfunknetzen sind, Probleme mit der Gesundheitskarte oder die fast schon legendäre Aufdeckung des von Polizei und Geheimdiensten eingesetzten Staatstrojaners zum Ausspionieren von Computern: Oft ging nach der Aufdeckung der Probleme lediglich ein Raunen durch die Branche, Reaktionen der Verantwortlichen, egal in Wirtschaft oder Politik, hielten sich in Grenzen. Doch die Öffentlichkeit nimmt die ernsthafte und vor allem technisch fundierte Kritik sehr ernst.

Und nicht nur die technikaffinen Hacker machen sich zunehmend Sorgen um informationelle Selbstbestimmung, um die Freiheit der Kommunikation und die Sicherheit und Zuverlässigkeit der uns umgebenden digitalen Welt – sonst würden ja nicht so viele Menschen mit Kind und Kegel zwischen den Feiertagen nach Leipzig kommen.

Neue Rolle des Chaos Computer Clubs

Dieser Erfolg freut die Mitglieder des Chaos Computer Clubs – doch über die immer noch schwierige Kommunikation mit den politischen Entscheidern in Berlin und Brüssel sind sie alles andere als glücklich. Teils mit Kopfschütteln, teils mit Resignation nehmen sie zur Kenntnis, dass in der Politik ihre – nicht selten unkonventionelle Kritik – oft nicht angenommen wird.

Und auch die fehlende oder einseitige Fachkompetenz vieler Politiker und Ministerialen lässt sie zweifeln. Daran, ob sich ihre seit Jahren schon vollzogene Wandlung vom Chaotischen Hackerclub zur kritischen und diskussionsfreudigen Nicht-Regierungsorganisation gelohnt haben mag.

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