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StartseiteKommentare und Themen der WocheZu sehr auf Öl, Gas und Kohle ausgerichtet09.07.2020

Siemens EnergiesparteZu sehr auf Öl, Gas und Kohle ausgerichtet

Die Siemens-Aktionäre haben die Abspaltung der Energiesparte des Konzerns abgesegnet. Wie Siemens Energy von heute auf morgen ein grünes Unternehmen werden soll, ist schwer zu sehen, kommentiert Klemens Kindermann. Ausbaden werden diese falsche strategische Weichenstellung am Ende die Beschäftigten.

Von Klemens Kindermann

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Siemens-Flaggen im Wind, davor laufen Menschen (Peter Kneffel, dpa picture-alliancec)
Das Unternehmen soll wieder zurück auf den Wachstumskurs. (Peter Kneffel, dpa picture-alliancec)
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Wenn neutrale Fotos zum Thema Wirtschaft gebraucht werden, dann gibt es zwei Motive, die dominieren: die Container am Hamburger Hafen und die Turbinenschaufel von Siemens. Das kommt nicht von ungefähr: Der Weltruhm von Siemens gründete bisher vor allem auf dem Bau von Kraftwerken und Turbinen. Kaum ein anderes Unternehmen stand bislang so sehr für den globalen Erfolg deutscher Ingenieurskunst wie Siemens.

Insofern ist die Abspaltung der Sparte Siemens Energy ein Einschnitt nicht nur für den größten deutschen Industriekonzern selbst, sondern auch für die deutsche Wirtschaftsgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Deutschland als Ingenieur der Welt, überall komplexe Anlagen konstruierend, um Strom fließen zu lassen - das dürfte schon bald der Vergangenheit angehören.

Denn über die traditionellen fossilen Kraftwerke schreitet weltweit die Energiewende hinweg. Gebraucht werden grüne Energien in großem Maßstab, konstruktionstechnisch vielfach weitaus einfacher umzusetzen. Wie das Elektroauto bald den technisch ausgefeilten deutschen Verbrennungsmotor ersetzen wird, so ersetzen Wind- und Solarkraftwerke das fossile Geschäft.

Beschäftigte werden es ausbaden

Siemens Energy aber ist aktuell noch viel zu sehr auf Öl, Gas und immer noch Kohle ausgerichtet. Da hilft es wenig, wenn Siemens-Chef Joe Kaeser heute auf der Hauptversammlung von Energy einen Plan zum Ausstieg aus der Kohle-Stromerzeugung fordert.

München: Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, nimmt an einer Pressekonferenz vor Beginn der Hauptversammlung in der Olympiahalle teil. (dpa/Sven Hoppe)Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG (dpa/Sven Hoppe)

Den hätte Kaeser in seiner auslaufenden Amtszeit gut auch selbst vorlegen können. Stattdessen hat Kaeser für sechs Milliarden Euro den in der Öl- und Gasindustrie aktiven Dresser-Rand-Konzern in den USA gekauft, der Siemens Energy wie ein Mühlstein umhängen wird.

Nicht nur weil der Fracking-Boom in den USA inzwischen abgeflaut ist, sondern weil auch hier in die falsche Technologie investiert wurde. Wie Siemens Energy von heute auf morgen ein grünes Unternehmen werden soll, ist schwer zu sehen. Da werden andere Wettbewerber schneller und wendiger sein.

Ausbaden werden diese falsche strategische Weichenstellung, die die Energietechnik von der Quer-Kapitalisierung durch den Hauptkonzern abschneidet, die Beschäftigten. Noch sind es mehr als 90.000, Siemens Energy stellt immerhin ein Drittel des bisherigen Siemens-Konzerns dar. Viel Widerstand ist bisher von ihnen nicht zu vernehmen. Da dürfte der Stolz eine Rolle spielen, ein Siemensianer zu sein. Aber wie lange noch?

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft und seit 2012 stellvertretender Chefredakteur beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

 

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