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Sierra LeoneSchwanger und diskriminiert

Sierra Leone möchte morgen feiern - dann dürfte das Land für "Ebola-frei" erklärt werden. Doch viele Schülerinnen haben keinerlei Grund zur Freude: Wer schwanger ist, wird in Sierra Leone von den offiziellen Schulen und Prüfungen ausgeschlossen. Amnesty International berichtet zudem von demütigenden Untersuchungen.

Die Schulen in Sierra Leone waren wegen der Ebola-Epidemie lange geschlossen - von Sommer 2014 bis Frühjahr 2015. Amnesty International schreibt, gerade in dieser Zeit sei die Zahl der Schwangerschaften in dem Land gestiegen - durch sexuellen Missbrauch, durch fehlenden Zugang zu Beratungen und Verhütungsmitteln.

Dass schwangere Schülerinnen in Sierra Leone nicht auf die staatlichen Schulen gehen dürfen, ist nicht neu. Aber das Bildungsministerium veröffentlichte erst Anfang April laut Amnesty eine neue Stellungnahme, in der noch einmal darauf hingewiesen worden sei, dass Schwangeren der Schulbesuch untersagt sei, um "unschuldige" Schülerinnen vor schlechtem Einfluss zu schützen.

Schülerinnen berichten von erniedrigenden Tests

Die Menschenrechtsorganisation interviewte mehr als 50 Schülerinnen. Sie berichten auch davon, dass sie erniedrigende Tests hinnehmen mussten. Offenbar wurden sie von Lehrerinnen abgetastet, einige mussten Urinproben abgeben. Amnesty betont, solche Praxis sei zwar nicht Teil der Regierungspolitik, aber weithin bekannt. Die Regierung müsse darum schnellstens Direktiven erlassen, um solche Tests zu verbieten.

Es gibt in Sierra Leone inzwischen alternative Bildungsangebote für schwangere Schülerinnen. Nach Regierungsangaben sollen sich 3.000 Schülerinnen angemeldet haben, und die Regierung räumt auch ein, dass die Zahl der Schwangerschaften während der Ebola-Epidemie zugenommen habe. Amnesty aber beklagt, dass der Unterricht in anderen Gebäuden und zu anderen Zeiten stattfinde und die Mädchen immer noch nicht an den wichtigen Prüfungen teilnehmen dürften. Amnesty fordert, dass die alternativen Angebote freiwillig und gleichwertig sein müssen - und die Mädchen die Gelegenheit haben sollten, auch am normalen Unterricht teilzunehmen.

Amnesty: Tausende Schwangere von Bildung ausgeschlossen

Das Fazit: In Sierra Leone als junge Frau schwanger zu sein, ist an sich schon problematisch. Viele Frauen werden deshalb ausgegrenzt und empfinden große Scham. Zusätzlich aber werden tausende Schwangere laut Amnesty vom klassischen Bildungsweg ausgeschlossen. Schon die "Wahrheits- und Versöhnungskommission" des Landes - so Amnesty - habe 2004 nach dem Ende des Bürgerkrieges erklärt, dass es "diskriminierend und archaisch" sei, schwangeren Schülerinnen den Zugang zu Bildung zu verwehren.

Hier noch der Tweet des internationalen Generalsekretärs von Amnesty International, Salil Shetty:

(jcs/tj)

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