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Sikh-Anschlag in EssenTerrorverdächtige waren polizeibekannt

Das Sikh-Gemeindezentrum in Essen. Im Eingangsbereich des Gebetshauses hatten Unbekannte einen Sprengsatz zur Explosion gebracht. (dpa / Roland Weihrauch)
Das Sikh-Gemeindezentrum in Essen. Im Eingangsbereich des Gebetshauses hatten Unbekannte einen Sprengsatz zur Explosion gebracht. (dpa / Roland Weihrauch)

Am Samstag detonierte an einem Sikh-Tempel in Essen ein Sprengsatz, drei Menschen wurden verletzt. Die Polizei spricht inzwischen von einem "Terrorakt". Zwei polizeibekannte Jugendliche wurden festgenommen. Sie sollen einen "islamistischen Hintergrund" haben und handelten womöglich nicht allein.

Die beiden 16-Jährigen hätten "klare Bezüge zur Terrorszene", sagte Essens Polizeipräsident Frank Richter. Einer der beiden habe sich freiwillig gestellt, der andere wurde in seinem Elternhaus festgenommen. Sie sollen die Tat teilweise zugegeben haben, machten aber keine Angaben zu ihrem Motiv.

Offenbar brachten Hinweise aus der Bevölkerung die Beamten auf die Spur. Die Essener Polizei hatte mit Bildern einer Überwachungskamera öffentlich nach den mutmaßlichen Tätern gefahndet. Sie hatte eine Belohnung von bis zu 5000 Euro für Hinweise ausgesetzt.

Tatverdächtige sind polizeibekannt

Die beiden jetzt festgenommenen jungen Männer kommen aus Essen und Gelsenkirchen. Ob sie mit einer bestimmten islamistischen Organisation sympathisieren, sagte Richter nicht, nur soviel: "Wir müssen von einem Terrorakt ausgehen, von religiös eingefärbtem Terror der islamistischen Szene".

Beide Verdächtigen sind den Sicherheitsbehörden bereits bekannt gewesen. "Die beiden sind in Staatsschutzangelegenheiten schon auffällig gewesen", sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger. Die Behörden in NRW dürften die Daten minderjähriger Gefährder zwar nicht speichern, die Ermittlungsarbeit sei dadurch aber nicht erschwert worden, so Jäger, da "die Sicherheitsbehörden in Deutschland eng zusammenarbeiten."

Auch nach den Festnahmen dauern die Ermittlungen rund um den Anschlag weiter an. Die Polizei geht nach eigenen Angaben davon aus, dass es noch weitere Festnahmen geben wird. Jäger zufolge wird nun geprüft, ob die beiden 16-Jährigen sich selbst radikalisiert hätten oder möglicherweise Kontakt zu Islamisten hatten. 

Explosion nach Hochzeitsfeier

Der Anschlag hatte sich am Samstag-Abend ereignet. Gegen 19 Uhr war am Eingang des Essener Zentrums der Religionsgemeinschaft Sikh ein Sprengsatz detoniert, kurz nachdem dort eine indische Hochzeitsfeier stattgefunden hatte. Drei Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Er wird nach wie vor im Krankenhaus behandelt.

"Es hätte sehr viel mehr passieren können, wenn sich zum Zeitpunkt des Anschlages noch Menschen in dem Gebäude befunden hätten", so Polizeipräsident Richter. Durch die Wucht der Explosion wurde das Gebäude stark beschädigt, außerdem gingen mehrere Fenster zu Bruch. 

Ein Prediger des Sikh-Gemeindezentrums, in Essen zeigt den den zerstörten Eingangsbereich (Archivbild). (picture alliance/dpa/Roland Weihrauch)Ein Prediger des Sikh-Gemeindezentrums, in Essen zeigt den den zerstörten Eingangsbereich (Archivbild). (picture alliance/dpa/Roland Weihrauch)

Am Tatort fanden die Ermittler Reste eines Rucksacks, in dem wohl der Sprengsatz verstaut war. Außerdem wurde eine Sturmhaube entdeckt, die offenbar von einem der Täter getragen wurde. Unmittelbar nach der Tat hatten Zeugen eine maskierte Person fliehen sehen.

Sikhs sind streng gläubige Anhänger einer religiösen Reformbewegung, die im 15. Jahrhundert in Nordindien entstand. Gläubige Sikhs leben nach strengen Vorschriften: Nikotin und Alkohol sind verboten, ebenso Ehebruch und sexuelle Beziehungen vor der Ehe. In Deutschland leben etwa 15.000 Sikhs.

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