Dienstag, 11.12.2018
 
Seit 14:30 Uhr Nachrichten
Startseite@mediasresPR-Blogs sind kein Journalismus06.12.2018

Silke BurmesterPR-Blogs sind kein Journalismus

Eine Zeitung nutzt die Tipps einer Reisebloggerin, obwohl die vorher Geld von einer Marketingfirma bekommen hat. Mit Journalismus hat das nichts zu tun, findet unsere Kolumnistin Silke Burmester.

Von Silke Burmester

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Eine Frau arbeitet im Park mit ihrem Tablet. (imago stock&people/Sigrid Olsson)
Etliche Reisebloggerinnen und -blogger bekommen Geld von Tourismuszentralen und Reiseveranstaltern. (imago stock&people/Sigrid Olsson)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Silke Burmester Von Gauland und Gabriel, Gastbeiträgen und Gehältern

Silke Burmester Werbung für die Demokratie

Silke Burmester Wenn die Frauenzeitschrift zur Werbebroschüre wird

Hallo, liebe Hörerinnen und Hörer dieser kleinen Kolumne! Seit dem Auftauchen der ersten Blogger in dem neuen Informationsding, dem Internet, wird die Frage diskutiert, ob Blogger Journalisten sind - oder welche sein können. Festhalten lässt sich: Viele Blogger arbeiten journalistisch, manche dürfen sich unbedingt "Journalist" nennen, denn sie halten das höchste Gut des Journalismus hoch, das, sich nicht kaufen zu lassen.

Andere lassen sich durchaus für ihr Tun von der Industrie bezahlen. Sie schreiben etwa zum Thema "Reise". Und nicht nur, dass sie sich – wie auch viele Verlage – die Reisen von den Veranstaltern und Tourismuszentralen finanzieren lassen, etliche Blogger bekommen von ihnen auch Geld dafür, dass sie diese Reisen tätigen. Können sie machen, ist kein Problem, so lange sie diese Themen nicht dort publizieren, wo es um journalistische Unabhängigkeit geht.

Kaputtgesparte Redaktionen

Das scheint nicht allen klar. Und so ist in etlichen Sparten wie Reise, Auto, Kosmetik, Lifestyle ein Mischimaschi-Areal entstanden, in dem auch Leute ihren Platz finden, die sich ihre Tätigkeit sehr wohl von der Industrie bezahlen lassen.

Das Problem ist, dass Redaktionen kaum den Überblick behalten können, wer zu den journalistisch Integren zählt, und auf wessen Arbeit man lieber verzichten sollte. Ziemlich kaputtgespart, geringstmöglich besetzt, sind die Redaktionen auf die Zusammenarbeit mit Freien angewiesen, um ihre Seiten oder Sendeplätze voll zu bekommen - und sind über jede und jeden froh, die oder der halbwegs geradeaus einen Text zustande bringt. Zumal unter denen, auf deren Arbeit man lieber verzichten sollte, durchaus Leute mit besten Referenzen sind.

Zeitung verlinkt auf Reisebloggerin

Ich erzähle Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, jetzt eine kleine Begebenheit, die die Misere illustriert. Die Namen sind zweitrangig, denn sie sind austauschbar. Darum lasse ich sie weg. Belege liegen aber selbstverständlich vor.

Eine große Wochenzeitung verlinkte in ihrem Hamburg-Newsletter zweimal auf eine Reisebloggerin. Einmal wurde diese interviewt, wo man in Hamburg günstig Sterne-Küche bekommen könne, das andere Mal sollte sie das hauseigene Café testen. Ein Blick auf die Homepage der Bloggerin zeigte das Logo der Stadt Hamburg und wies sie als "Hamburg Botschafter für Hamburg Marketing GmbH" aus.

"Botschafterin" mit selbst gebasteltem Logo

Ein ziemlicher Knaller, dachte ich, wollte aber, bevor ich die Zeitung mit dem Umstand konfrontiere, dass sie Interessenvertreter wie ganz normale Experten in ihre Arbeit einbinden, wissen, wie das so geht, mit dem Botschaftersein. Wie wird man das? Wie sieht die Tätigkeit aus? Was gibt es dafür?

Also rief ich die Hamburg Marketing GmbH an. Und dort stellte sich heraus, die wussten von nichts. Ihnen war eine Botschaftstätigkeit der Dame nicht bekannt. Auch das Logo nicht. Die Autorin habe sich das Logo "gebastelt", so die Dame der Marketing GmbH. Wie wohl auch andere Blogger aus einem Blogger-Zusammenschluss, der für die Hamburg Marketing GmbH gearbeitet hatte.

Mein Mitleid hält sich in Grenzen

Ich nehme mal an, jetzt sind alle Beteiligten sauer. Den Kürzesten dürfte die Bloggerin gezogen haben, die sicherlich zwei Auftraggeberinnen los ist, die Marketing GmbH und die Wochenzeitung.

Mein Mitleid mit Leuten, die sich um die Regeln des Marktes nicht scheren oder die zu blöd sind, zu merken, dass es welche gibt, hält sich in Grenzen. Diese Leute sind mir, ehrlich gesagt, ziemlich egal. Nicht egal ist mir der Journalismus. Und deswegen muss auf seiner Seite gehandelt werden. Auch andere Blätter haben ähnliche Situationen erlebt. Was also können sie tun?

Die Lösung ist relativ einfach: Sie könnten sich von jedem und jeder der oder die für sie arbeitet, unterschreiben lassen, dass nicht über Themen berichtet wird, für die man von dritter Seite bezahlt wird. Eine solche Verpflichtung würde nicht nur die Position der Redaktionen stärken, sie könnte vielleicht auch so manch einem Blogger klarmachen, was bislang noch nicht zu ihm oder ihr vorgedrungen ist: dass "Ich schreib da mal was auf" kein Journalismus ist.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk