Kommentare und Themen der Woche 30.12.2019

Silvester-FeuerwerkGenerelles Böllerverbot ist falschVon Monika Dittrich

Beitrag hören Fotomontage von bunten Silvesterraketen am Nachthimmel über Dresden. (picture alliance / dpa-Zentralbild / Andreas Franke )Silvesterfeuerwerk über Dresden, 2014. (picture alliance / dpa-Zentralbild / Andreas Franke )

Ein Feuerwerk sei zwar zum Fürchten, ungesund und unvernünftig, kommentiert Monika Dittrich. Ein generelles Verbot würde die permanente Feinstaubbelastung in Großstädten aber kaum reduzieren. Wer die private Böllerei verbieten wolle, müsse sich fragen lassen, was noch auf die Verbotsagenda gehöre.

Feuerwerk ist nicht vernünftig. Viele Menschen – einschließlich der Autorin dieses Kommentars – mögen es nicht einmal besonders, sie fürchten sich zum Beispiel vor umherfliegenden Raketen. Und es gibt triftige Gründe gegen die Böllerei: Rund viereinhalb tausend Tonnen Feinstaub durch Feuerwerk, Spitzenwerte in den ersten Stunden des neuen Jahres wie an keinem anderen Tag, unzählige Verletzungen – von Verbrennungen über abgerissene Finger bis hin zu Gehörschäden. Ausnahmezustand für Krankenhäuser und Rettungskräfte. Obendrein die Müllberge, die das Feuerwerk verursacht. Nein, vernünftig ist das alles nicht.

Verbote müssen angemessen sein

Trotzdem wäre ein generelles Verbot des privaten Feuerwerks unverhältnismäßig. Gesetzliche Verbote sind ein scharfes Schwert, eine Ultima Ratio, um das Zusammenleben einer Gesellschaft zu regeln. Sie sind auch notwendig, um die Freiheit des einzelnen zu schützen. Aber sie müssen angemessen sein. Das Silvesterfeuerwerk verursacht zwei Prozent der gesamten jährlichen Feinstaubemissionen in Deutschland. Das ist nicht nichts – aber ein Verbot würde die permanente Feinstaubbelastung in deutschen Großstädten kaum reduzieren. Für bessere Luft brauchen wir eine echte Verkehrswende und vielleicht auch Verbote – aber bitte solche, die einen größeren Effekt haben.

Städte und Kommunen haben schon heute viele Möglichkeiten, das Silvesterfeuerwerk einzuschränken – in Randale-gefährdeten Vierteln etwa oder dort, wo historische Bauten geschützt werden sollen. Es wäre auch wünschenswert, wenn mehr zentrale Feuerwerke oder auch Licht- und Lasershows angeboten würden – manch ein Bürger würde sich die Böllerei dann vielleicht sparen.

Was noch auf die Verbotsagenda?

Wer aber das private Feuerwerk ganz verbieten will, muss sich fragen lassen, was noch auf die Verbotsagenda gehört. Der Kölner Karneval verursacht massenweise Müll und tagelangen Ausnahmezustand in den Ambulanzen. Das gleiche gilt für das Münchner Oktoberfest und so manche Kirmes. Wollen wir solche Feste deshalb verbieten? Der Genuss von Alkohol schädigt nicht nur die Trinker selbst – sondern jedes Jahr viele Unbeteiligte in Familien und im Straßenverkehr. Wäre Prohibition die Lösung? Und: Echte Kerzen am Weihnachtsbaum sind ein Brandrisiko. Würde ein Lichterkettenzwang helfen?

Solche Verbotsdebatten kann niemand ernsthaft führen wollen. Die private Böllerei ist nicht vernünftig. Aber an einem einzigen Tag im Jahr kann eine freie Gesellschaft das aushalten.

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