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StartseiteUmwelt und VerbraucherMehr als gesunde Küche10.04.2015

Slow FoodMehr als gesunde Küche

Die Slow-Food-Bewegung bekommt immer mehr Zulauf. Dabei geht es den Anhängern nicht nur um den langsameren und damit bewussteren Genuss von Lebensmitteln, sondern auch um deren Herkunft und Herstellung. Auf einer Messe in Stuttgart ließen sich jetzt die neuesten Trends in Sachen Slow Food probieren.

Von Thomas Wagner

Ein Mann mit Schürze steht hinter einem Verkaufsstand mit Oliven und füllt welche davon in eine Tüte. (dpa/picture alliance/Wolfram Kastl)
Nicolas Magurno verkauf auf der Stuttgarter Slow-Food-Messe, dem "Markt des guten Geschmacks", Oliven. (dpa/picture alliance/Wolfram Kastl)
Weiterführende Information

Wie aus Respekt zur guten Küche eine Lebensphilosophie wurde
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 09.10.2013)

"Also wir haben zwei Mal die Linse und einmal Leindotteröl...."

Gerda Rauch ist eigens aus dem Hohenlohischen aufs Stuttgarter Messegelände gekommen. In ihrer Hand hält sie eine kleine Flasche. Drin ist:

"Leindotteröl. Das ist neu. Und es schmeckt super, super gut, ja."

Gleich nebenan lässt Ausstellerin Conny Reinhardt sogenannte Slow-Food- Würstchen auf ihrem Grill brutzeln:

"Slow Food bedeutet, dass man das Essen mit Genuss zu sich nimmt und einfach spürt, was man isst und weiß, dass man die Sachen, die man verzehrt, aus gutem Hause sind, aus einer guten Aufzucht."

Will heißen: Slow-Food-Produkte sind, sagen die Mitglieder der Slow-Food-Bewegung, mehr als nur nachhaltig hergestellte Bioprodukte. Ursula Hudson, Vorsitzende des Vereins "Slow Food Deutschland e. V.":

"Also wir richten den Blick über den Tellerrand hinaus, schauen auf die Herkunft der Lebensmittel und ihre Zukunftsfähigkeit. Und wir sagen: Wir wollen die Lebensmittel aus der Nähe fördern. Also sozusagen ein einfaches Bioetikett für Erdbeeren, die im Moment noch von weit weg kommen - das wollen wir einfach nicht. Was Ausgereiftes ist natürlich viel schöner als etwas, das für einen langen Transport gemacht ist."

Hinzu gesellt sich manchmal ein leiser Hauch von Exotik von Slow-Food-Produkten.

"Ich esse gerade Kaktusfeigenmarmelade. Schmeckt gut, schmeckt ähnlich wie Honig."

Warnung vor überhöhten Hoffnungen

Eine Gruppe Jugendlicher schlendert in den Messehallen auf und ab. Einige probieren hier und da, was da an Slow-Food-Produkten so alles angeboten wird.

"Vielleicht schmeckt das ja auch irgendwie intensiver. Jetzt habe ich gerade was mit Kaktus probiert, was nicht so 08/15 ist. Vielleicht ist das noch ein Grund, dass man etwas Besonderes, etwas Vielfältigeres bekommt, dass man einfach bewusster isst. Dass man weg geht von der Devise 'jetzt mal schnell was essen.' Das ist ja das, was Slow Food auch ausmacht."

"Ich interpretiere das Slow Food so, dass es um die Philosophie geht, was ich mit meinem Lebensmittel mache, wie ich es zubereite, wie ich es zu mir nehme. Slow Food ist das erst, wenn man sich Zeit dafür nimmt."

Offenbar, darauf deutet der rege Andrang auf der Stuttgarter Messe hin, nehmen sich immer mehr Verbraucher Zeit für Slow-Food-Produkte. Ursula Hudson von "Slow Food Deutschland":

"Die Menschen empfinden ein Unbehagen am globalisierten Ernährungsmarkt. Und da entwickelt sich so eine Sehnsucht, nach Transparenz und nach Näher-Holen. Und deswegen wird das sauber hergestellte, traditionell hergestellte Lebensmittel einen Zukunftsmarkt haben."

Allerdings setzen manche Slow-Food- Fans Hoffnungen in die Produkte, die sie nicht erfüllen können - zum Beispiel die, dass Slow-Food-Produkte nur deshalb gesund sind, weil sie eben in die Slow-Food-Kategorie fallen. Spätestens hier erhebt Christiane Manthey, Ernährungsberaterin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, mahnend den Zeigefinger:

"Wer eine Weizenallergie hat, der hat eine Weizenallergie - völlig gleichgültig, ob der jetzt nach den handwerklichen Kriterien von Slow Food produziert wird oder eben nicht. Das gilt auch für Rohmilch: Rohmilch hat bestimmte Nachteile, nämlich die der bakteriellen Belastung. Und somit muss Rohmilchverzehr kritisch gesehen werden, insbesondere wenn es um sensible Bevölkerungsgruppen geht wie Kinder, immungeschwächte und alte Menschen."

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