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StartseiteVerbrauchertippDigitale Risiken für Hausbesitzer20.05.2019

Smart HomesDigitale Risiken für Hausbesitzer

Die Heizung per App steuern, einen Alarm auf das Handy umleiten: Vieles von dem, was als Smart Home bezeichnet wird, funktioniert schon recht gut. Aber: Ein lascher Umgang mit Passwörtern oder ungesicherte WLAN-Netze gefährden das vernetzte Haus. So können Einbrüche ohne Gewaltspuren stattfinden.

Von Detlev Karg

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Die Heizung per App steuern, einen möglichen Alarm auf das Handy umleiten - vieles von dem was als Smart Home bezeichnet wird, funktioniert heute schon recht gut.  (Picture Alliance/Klaus Ohlenschläger)
Die Heizung per App steuern, einen möglichen Alarm auf das Handy umleiten: Vieles von dem, was als Smart Home bezeichnet wird, funktioniert heute schon recht gut. (Picture Alliance/Klaus Ohlenschläger)
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Das Smart Home lockt mit Eleganz und neuem Komfort. Doch viele Systeme sind gar nicht miteinander kompatibel – ein wesentlicher Punkt, auf den Verbraucher achten sollten. Denn sonst entsteht schnell ein Nebeneinander unterschiedlicher Hersteller, vergleichbar etwa den vier bis fünf Fernbedienungen, sich häufig auf Wohnzimmertischen weltweit finden. Und damit eine erste Sicherheitslücke. Die Tücke liegt oft noch im Detail und aufgrund neuer, komfortabler Techniken eröffneten sich auch ganz neue Einbruchszenarien, sagt der Kölner Rechtsanwalt Manuel Schindler und entwirft ein denkbares Szenario:

"Der moderne Einbrecher kommt nicht mehr mit dem Brecheisen, sondern mit dem Tablet. Er lässt sich von den ungeschützten Sensoren benachrichtigen, dass niemand zu Hause ist, kontrolliert das über die gehackte WLAN-Kamera und sagt dann dem sprachgesteuerten Türschloss: Sesam, öffne dich!"

Nachlässigkeit sei darum hier für Verbraucher besonders riskant, weil vor allem die Rechtslage rund um Haftungsfragen bei nachlässigem Umgang mit digitaler Sicherheitstechnik sozusagen eine "Grüne Wiese" sei, so der Jurist:

"Der Verbraucher bewegt sich hier im Spannungsverhältnis zwischen sich wandelnder und noch nicht ausgereifter Technik, einer hinterher hinkenden oder teilweise an der Realität vorbeigehenden Gesetzgebung und einer erst noch entstehenden Rechtsprechung."

Größtes Sicherheitsproblem: Ungesicherte WLAN-Netze

Vor allem zu simple Passwörter für das Heimnetzwerk oder gar ungesicherte WLAN-Netze seien weiterhin das größte Sicherheitsproblem, bestätigt Sven Hansen, Redakteur bei der Fachzeitschrift c‘t:

"Da geht es ja auch um den Fernzugriff, dass ich das auch von außen überwachen kann, und damit ist automatisch verbunden, dass auch Angreifer von außen einen Weg in das Heimnetz finden können. Das heißt, mit jeder Komfortfunktion holt man sich eigentlich auch eine potenzielle Sicherheitslücke ins Haus."

Hinzu kommt: Einbrüche können ohne Gewaltspuren stattfinden. Das ist für Versicherungsunternehmen Neuland und möglicherweise ein Fallstrick für Nutzer digitaler Haussteuerungen, so Rechtsanwalt Schindler:

"Das Opfer hat nicht nur den Schaden, sondern muss auch noch seiner Versicherung ohne entsprechende Spuren einen Einbruch nachweisen."

Vorsicht bei vernetzten Alarmanlagen

Dabei sei allerdings auch klar, dass bestimmte Systeme sich für potenzielle Cyber-Angreifer in Privatwohnungen eher nicht lohnten, stellt der Softwareexperte Sven Hansen klar:

"Das heißt, es ist eher unwahrscheinlich, dass meine Heizungssteuerung angegriffen wird. Wenn ich eine vernetzte Alarmanlage habe, schaut es anders aus und da sollte man auch vorsichtiger sein."

Fazit: Bevor man sich für digitale Steuerungen im eigenen Haus oder der Wohnung entscheidet, sollte man sich im Klaren darüber sein, wie beherrschbar und wie sicherheitsrelevant sie sind. Für alle Anbindungen an Netzwerke sollte die gleiche Absicherung wie für den heimischen Rechner gelten: Alle verfügbaren Updates sollten stets aufgespielt werden. Um sich vor möglichen finanziellen Risiken zu schützen, sollten Verbraucher Versicherungen etwa im Bereich des Hausrats wählen, die heute schon sogenannte Cyber-Bausteine einschließen. Ebenso empfiehlt Rechtsanwalt Manuel Schindler für den Fall der Fälle:

"Versicherer, die bei Obliegenheitsverletzungen auch grobe Fahrlässigkeit mit absichern."

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