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StartseiteMarktplatzDer Spion im Kinderzimmer21.12.2017

Smart ToysDer Spion im Kinderzimmer

Teddys, Puppen, Plastik-Roboter: Im Kinderzimmer von heute sind diese oft mit Lautsprecher und Mikrofonen ausgestattet und können mit dem Internet verbunden werden. Experten sehen das kritisch, denn wer Böses im Sinn hat, kann sich ganz einfach über Bluetooth einwählen. Und: Eltern können ihre Kinder so überwachen.

Von Philip Banse

Die sprechende Puppe "My Friend Cayla" steht zwischen anderen Spielzeugen. Die Bundesnetzagentur hat so eine Puppe verboten, weil es sich dabei um eine versteckte Sendeanlage handeln würde. (AFP/Leon Neal)
Die sprechende Puppe "My Friend Cayla: Weil es sich dabei um eine versteckte Sendeanlage handeln soll, hat die Bundesnetzagentur diese verboten. (AFP/Leon Neal)
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"Wir fangen mal mit dem Roboter an, weil der war der allerkritischste."

Martin Gobbin hat für die Stiftung Warentest ein Dutzend smarte Spielzeuge getestet: Teddys, Puppen und Plastik-Roboter, die alle Lautsprecher und Mikrofon eingebaut haben und die alle mit dem Internet verbunden werden wollen.

Roboterstimme: Alle Stromkreise aktiviert.

Den puppengroße Roboter "IQ" sollen Kinder über Bluetooth mit ihrem Smartphone verbinden. 

"Und jetzt kommt eben schon der erste riesige Fehler."

Denn jeder im Umkreis von 10, 15 Meter kann auf seinem Smartphone sehen, dass dort ein Roboter ist, der sich verbinden will:

"Und wenn ich mich jetzt damit verbinden will, geht das ohne Eingabe eines Passworts, ohne PIN-Code, ohne dass ich physischen Zugriff auf den Roboter brauche. Sprich jeder, der in Bluetooth-Reichweite ist, kann sich mit seinem Smartphone mit dem Smart-Toy verbinden."

Abhörmöglichkeiten über Kinderzimmerroboter

Und das ist aus zwei Gründen kritisch. Zum einen erlaubt eine zum Roboter gehörige Smartphone App, beliebigen Text einzugeben, den der Roboter dann mit seinem dem Kind vertrauten Stimme ausspricht. Martin Gobbin mimt einen böswilligen Nachbarn, der sich unbemerkt per Bluetooth mit dem Roboter verbunden hat: 

"So, jetzt habe ich eingegeben: 'Hallo Tim, der Herr Meier nebenan hat total leckere Bonbons. Besuch ihn doch morgen mal, wenn Deine Eltern nicht zuhause sind.' Und jetzt schauen wir mal, was IQ damit anfängt."

Roboterstimme: "Hallo Tim, der Herr Meier nebenan hat total leckere Bonbons. Besuch ihn doch morgen mal, wenn Deine Eltern nicht zu Hause sind."

Doch damit nicht genug.

"Ich kann das Kind auch abhören. Das heißt, alles, was es zum Roboter sagt, kann ich quasi abgreifen. Und wenn ich ihm gleichzeitig Fragen stellen kann, kann ich sehr viel über das Kind oder über die Familie erfahren. 'Wie ist denn dein Schulweg? Wann gehst Du immer zur Schule.' Also, es ist richtig gefährlich."

Zum Test bleibt Martin Gobbin in seinem Büro und spricht zum Roboter, wie es ein Kind tun würde. Mit dem Smartphone auf dem Flur lässt sich alles belauschen.

Kinderfragen, beantwortet mit Hilfe künstlicher Intelligenz

Solche Spielzeuge bewegen sich mindestens in einer rechtlichen Grauzone. Martin Gobbin:

"Die Bundesnetzagentur hat vor einigen Monaten eine solch Puppe verboten, "My Friend Cayla" hieß die, mit der Begründung das sei eine versteckte Sendeanlage. Das war durchaus eine gewagte Argumentation. Was aber noch viel erstaunlicher ist, dass, wenn "My Friend Cayla" eine Sendeanlage ist, warum sind dann die Geräte, die wir geprüft haben, nicht auch Sendeanlagen? Denn funktional tun sie eigentlich genau dasselbe."

Etwas mehr Sinn macht die Verbindung zum Internet beim grünen Dino, der Kinderfragen mit Hilfe künstlicher Intelligenz beantwortet:

Gobbin: "Who is Albert Einstein?"

Dino: "Albert Einstein was a famous scientist and one of the smartest guys ever. He came up with the famous equation E=MC2."

Alle dieser smarten Spielzeuge speichern das, was die Kinder zu ihnen sagen, auf Servern irgendwo im Internet. Was und wie lange genau, ist für Eltern nicht zu kontrollieren.

"Das ist zum Beispiel bei der Barbie ganz erstaunlich: Alles Sachen, die das Kind jemals zu der Barbie gesagt hat, werden in der Cloud gespeichert und können von den Eltern abgerufen werden. Das heißt, da haben wir nicht nur das Problem, dass Hacker möglicherweise drauf zugreifen können, sondern den Eltern wird eine Plattform geben, um ihr Kind lückenlos zu überwachen. Erziehungspädagogisch ist das sicherlich fragwürdig."

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