Verbrauchertipp 12.11.2019

SmartphoneApps zum Bezahlen - zwischen Komfort und DatenschutzVon Dieter Nürnberger

Beitrag hören iPhone X mit SUICA-App zum kontaktlosen Zahlen an einer Einlasssperre beim JR-Bahnhof in Akihabara, aufgenommen im April 2019. (picture alliance / Frank Duenzl)Elektronische Fahrkarte SUICA (picture alliance / Frank Duenzl)

Shoppen ohne Portemonnaie geht heutzutage ganz einfach - mit sogenannten Apps zum Bezahlen für Smartphones oder Smartwatches. Diese Applikationen sind schnell und komfortabel, doch müssen Nutzer in den meisten Fällen damit rechnen, dass ihre Daten an Dritte weitergeben werden.

Bezahlen ohne Geldbörse liegt im Trend. Immer mehr Kassen mit drahtloser Übertragungstechnik in Supermärkten, Kaufhäusern oder auch Tankstellen machen es möglich. Die Stiftung Warentest hat 12 Bezahl-Apps von Banken und anderen Dienstleistern untersucht. Und die erste Erkenntnis dürfte nicht überraschen: Es spart vor allem Zeit, sagt Warentester Stefan Fischer:

"Es gibt eine Statistik, die sagt, dass es nur drei bis elf Sekunden dauert. Und mit Bargeld braucht man bis zu 83 Sekunden. Das ist also schon schnell und komfortabel, weil man nicht nach dem Portemonnaie suchen muss. Wenn es beispielsweise unten im Rucksack ist, kann dies ja durchaus anstrengend sein."

Authentifizierung immer notwendig

Womit aber zumindest auch das Smartphone griffbereit sein sollte. Um schnell bezahlen zu können, müssen sich die Kunden in einem ersten Schritt für eine App entscheiden und nach dem Herunterladen ein Bezahlverfahren einrichten. Die Abrechnung läuft oft über schon bestehende Kreditkarten- oder Girokonten. Andere Apps arbeiten mit externen Finanzdienstleistern wie "Paypal" oder "Boon" zusammen, auch hierfür muss sich registriert werden.
Für die sichere Abwicklung des Bezahlvorgangs schreibt die EU seit September eine spezielle Authentifizierung des Nutzers vor. Alle untersuchten Apps setzen dies auch um - mit unterschiedlichen Varianten:

"Man muss sich immer authentifizieren. Bei den Smartwatches reicht dies einmal am Tag aus, wenn Sie die Uhr nicht zwischendurch ablegen. Bei Smartphones funktioniert dies mit Gesichtserkennung oder Fingerabdruck. Oder auch mit einer Pin."

Bei Verlust auf sicherer Seite

Wer das Smartphone oder die Smartwatch verliert, sei somit weitgehend auf der sicheren Seite, so die Stiftung Warentest. Bei hohen Kaufbeträgen können sogar zwei Authentifizierungs-Varianten notwendig sein. Und auch der eigentliche Abrechnungsvorgang sei gegen Missbrauch geschützt, sagt Stefan Fischer:

"Die Verschlüsselung ist gut. Das macht so eine Transaktion noch sicherer als die Kreditkartenbezahlung. Denn es wird nicht die Kartennummer übertragen oder auch wie beim Lastschriftenverfahren Ihre Kontonummer, sondern immer eine Stellvertreternummer. Sollte diese in die Hände von Betrügern geraten, können die in der Regel nichts damit anfangen."

So weit, so gut. Doch Kritik gibt es auch - sie betrifft das Datensendeverhalten der eingesetzten Apps. Denn erfasst wird mehr als für das Funktionieren der Applikation eigentlich notwendig ist - der gläserne Kunde lässt grüßen, so die Stiftung Warentest:

Gutes Kundenbild - das ist legal

Das sind bei manchen Apps wie "Edeka", "Netto" oder "Payback" die Produkte, die Sie einkaufen und auch, wo Sie diese einkaufen. Damit lässt sich schon ein gutes Kundenbild erstellen. Das ist legal, die Anbieter weisen in ihren Datenschutzbestimmungen darauf hin. Es gibt bei den getesteten Apps aber auch Datenschutzerklärungen, die sehr viele Mängel aufweisen. Dort sind Klauseln, die gegen das Gesetz verstoßen. Bei "Apple" haben wir 30 Klauseln gefunden, die nicht legal sind."

In der Untersuchung konnte lediglich die App "Postbank - Finanzassistent" bei den Datensende- und Datenschutzkriterien überzeugen.
Fazit der Untersuchung: Apps zum mobilen Bezahlen sind schnell und komfortabel. Dank Authentifizierungsverfahren und auch Transaktionsverschlüsselung können sie zudem als weitgehend sicher angesehen werden. Doch müssen Nutzer in den meisten Fällen damit rechnen, dass ihre Daten an Dritte weitergeben werden. Die Nutzung der Bezahl-Apps sei somit - wie so oft im digitalen Leben - eine Abwägung zwischen Komfort und Datenschutz.

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