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StartseiteCampus & KarriereFrankreich plant ein umfassendes Verbot21.12.2017

Smartphones an SchulenFrankreich plant ein umfassendes Verbot

Es war eines der Wahlkampfversprechen von Frankreichs Präsident Macron: ein Handy-Nutzungsverbot für alle Grund-und Mittelschulen des Landes. Ab September 2018, zum Start des neuen Schuljahres, soll es eingeführt werden. An vielen französischen Schulen ist es längst Realität. Viele Lehrer begrüßen das.

Von Suzanne Krause

Eine Lehrerin sitzt in Frankreich in einem Klassenzimmer vor ihren Schülern. (imago stock&people)
"Die Handys sind eine wahre Plage", sagen manche Lehrer an französischen Schulen (imago stock&people)
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Ja, in Grund- und Mittelschulen solle die Handynutzung bald komplett verboten sein, erklärte Bildungsminister Jean-Michel Blanquer kürzlich in einer Radio-Talkshow.

"Der Gesundheitsministerin wie auch mir liegen Studien zur öffentlichen Gesundheit vor, die aufzeigen, dass es für Kinder unter sieben Jahren schädlich ist, vor einem Bildschirm zu sitzen. Deshalb das Handyverbot an den Schulen. Derzeit erarbeiten wir die Modalitäten, für die unterschiedlichsten Fälle. Denn teils kann man das Handy als pädagogisches Werkzeug brauchen. Zudem dient ist es im Falle eines dringenden Notrufs. Von daher sollte es trotz allem verfügbar bleiben."

Striktes Handynutzungsverbot an Schulen

Verfügbar - aber versenkt im Ranzen oder in einem abschließbaren Fach in der Aula. Das ist in Frankreich aber im Grunde schon heute vielerorts Realität. Denn seit 2010 ist das Handy im Unterrichtsbereich, also dem Klassenzimmer und dem Flur, generell untersagt. In vielen Schulen herrschen allerdings drakonischere Regeln. Romanne ist zwölf und besucht das Collège Les Pannevelles in Villiers-Saint-Georges, einem Dorf 80 Kilometer östlich von Paris.

"Wir dürfen unser Handy zwar in die Schule mitbringen, aber es dort nirgendwo benutzen. Wenn wir damit erwischt werden, ob auf dem Pausenhof oder in der Kantine, wird uns das Telefon abgenommen. Mir ist das noch nicht passiert, ich halte mich an die Regeln. Ich habe aber schon mitgekriegt, dass sich mancher mit dem Handy auf der Toilette oder in einer ruhigen Ecke versteckt, um Videos zu schauen oder Musik zu hören."

Mehr als acht von zehn französischen Teenagern verfügen über ein Smartphone, ergibt eine Studie von 2015. Immer mehr Viertklässler werden von ihren Eltern mit einem Handy ausgestattet, einer Art digitalen Nabelschnur. Doch so brav wie Romanne, die das Handy in der Schule ausschaltet, sind längst nicht alle - zum Leidwesen vieler im Lehrpersonal, bestätigt Gewerkschafter Philippe Tournier.

"Die Handys sind eine wahre Plage - auf sie geht heute schon teils jeder zweite Störfall in den Mittelschulen zurück. Vor allem im Unterricht, wenn da jemand unter der Bank ins Smartphone starren. Wir Lehrer können ihm das Gerät zwar bis zum Unterrichtsende abnehmen, aber wir fühlen uns im Großen und Ganzen ziemlich machtlos."

Für ein Handyverbot spricht sich auch Samuel Cywie vom Elternvertreterverein aus.

"Das Handy sorgt für viele Probleme, wegen dem Mobbying in den sozialen Medien oder auch wegen der schlimmen Bilder im Internet."

Generelles Handyverbot wird ausdrücklich begrüßt

Einen komplett anderen Kurs hingegen fährt das Collège in der elsässischen Gemeinde Ingwiller. Dort ersetzen seit zwei Jahren die Smartphones manches Schulbuch, kann jeder am Bildschirm Übungsstoff pauken. Ein Konzept, das landesweit bislang ziemlich einmalig ist, sich aber verbreiten könnte. Bildungsminister Blanquer will deshalb ein Türchen offenlassen für den Einsatz des Handys als pädagogisches Hilfsmittel. Wie aber sonst sichergestellt werden kann, dass das Smartphone ausbleibt, ist derzeit noch ungeklärt.

Gérard Figuier begrüsst ein generelles Handyverbot ausdrücklich - der Rektor hat das in seiner Mittelschule in Toulouse schon zu Schuljahresbeginn eingeführt.

"Nun beschäftigen sich die Teenager wieder wie früher miteinander, statt dass jeder nur auf seinen Bildschirm starrt."

Nicht zur Diskussion steht hingegen in Frankreich, das Handyverbot auf die Gymnasien auszuweiten. Da winkt jeder von vorneherein ab - viel zu kompliziert!

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