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StartseiteUmwelt und VerbraucherMobiles Bezahlen nicht sehr beliebt15.04.2015

SmartphonesMobiles Bezahlen nicht sehr beliebt

Einfach und unkompliziert soll es sein. Kein Rumfummeln mehr mit verschieden EC- oder Kreditkarten. Kein lästiges Suchen nach Kleingeld mehr. Schon seit Jahren versprechen Internet-Konzerne und Mobilfunkbetreiber, dass das einfache Bezahlen mit dem Handy oder Smartphone kurz vor dem Durchbruch steht.

Von Philip Banse

Ein Handy mit der Nahbereichskommunikationstechnik NFC Near Field Communication wird am 27.11.2012 beim Trendkongress der Bitkom in Berlin mit der App MyWallet der Telekom an ein Bezahlterminal gehalten. (dpa / picture-alliance / Michael Kappeler)
Bezahlen mit Handy soll in Deutschland einfacher gemacht werden. (dpa / picture-alliance / Michael Kappeler)
Weiterführende Informationen

Chipkarten - Überholt, aber nicht tot
(Deutschlandfunk, Computer und Kommunikation, 24.01.2015)

Mobile Zahlungssysteme als Datenkrake
(Deutschlandfunk, Computer und Kommunikation, 02.02.2013)

Jetzt soll es aber zumindest in Berlin angeblich wirklich richtig losgehen. Heute wurde dort  eine neue Initiative vorgestellt - und an der sind mehrere große Einzelhandelsketten beteiligt. In Deutschland ist das Aufrüsten des Smartphones für das Bezahlen bislang noch immer zu kompliziert und die Bezahlmöglichkeiten gerade in Bussen und Kiosken noch zu gering. Und daran wird auch die heute gestartete Initiative nichts ändern.

Die Initiative NFC City ist ein Zusammenschluss der drei großen deutschen Mobilfunkunternehmen Telefonica/O2, Telekom und Vodafone. Dazu gesellen sich sechs große Einzelhändler wie Kaisers, Rewe, Kaufhof oder Real. Diese Unternehmen wollen dafür sorgen, dass das kontaktlose Bezahlen mit dem Smartphone auch in Deutschland beliebter wird. Das ist eine Technik, die in anderen Ländern funktioniert und populär ist, in Deutschland aber seit Jahren nur wenig genutzt wird, obwohl alle großen Mobilfunkanbieter Bezahllösungen anbieten. Das Neue ist jetzt: In Berlin können Kunden ab heute an 2.000 Kassen kontaktlos mit ihrem Smartphone bezahlen. Ralf Opalka von Telefonica glaubt, wenn die passenden Kassen da sind, werden die Kunden auch mit dem Smartphone zahlen: "Der Kunde hat bei allen Netzbetreibern die Möglichkeit, sich fit zu machen fürs mobile Bezahlen. Er kann auf die unterschiedlichen Wallet-Lösungen setzen. Das ist eine digitale Geldbörse in seinem Smartphone. Für alle Kunden, die sagen, ich habe ein älteres Gerät, das ich auch nutzen will, bieten wir eine NFC-Sticker-Lösung an. Er wendet sich an einen Mobilfunknetzbetreiber und kann dort die entsprechende Ausrüstung entweder aufstücken oder sich die Ausrüstung beschaffen."

Bestimmte App installieren

Um mit dem Smartphone bezahlen zu können, müssen Kunden also einige Voraussetzungen erfüllen: Sie brauchen als erstes ein zertifiziertes NFC-Smartphone. Alle Mobilfunkanbieter bieten auf ihren Webseiten Tests, um das herauszufinden. Ist das Smartphone zum Bezahlen in der Lage, muss der Kunde sich eine Wallet-App installieren, eine Art digitales Portemonnaie und da seine Zahlungsdaten hinterlegen. Ist das Smartphone nicht geeignet zum Bezahlen, können sich Kunden bei ihrem Mobilfunkanbieter einen Aufkleber bestellen, der die nötige Funktechnik enthält. Den kleben sie hinten aufs Smartphone. Findet der Kunde dann eine Kasse, mit dem Logo "Zahl einfach Mobil", läuft das Bezahlen wie folgt ab, sagt Ralf Opalka von Telefonica: "An der Kasse sagt er, ich möchte mobil bezahlen, er hält sein Smartphone an das Lesegerät und die Zahlung wird abgewickelt. Kleinstbeträge kann er direkt an der Kasse abwickeln. Für Beträge über 25 Euro ist die Zahlung zusätzlich über eine PIN abgesichert."

Das heißt: Man hält sein Telefon sehr dicht ans Bezahlterminal, weil nur dann die Funkverbindung zustande kommt und Beträge bis 25 Euro werden vom Konto abgebucht. Wer mehr zahlt, muss noch mal die PIN eingeben - das kann mit dem Telefon in der Hand fast noch nerviger sein, als bei der EC-Karte. Axel Kossel von der Computerzeitschrift ct hält dieses Bezahlen mit dem Smartphone für "hinreichend sicher". Gegen das unbeabsichtigte Zahlen soll helfen, dass das Smartphone weniger als vier Zenitimeter am Bezahlterminal dran sein muss. Wer sein Bezahl-Phone verliert muss die SIM-Karte oder seinen Aufkleber umgehend sperren lassen, denn bis 25 Euro kann damit ja jeder einkaufen. Dennoch wirkt die heute vorgestellte Initiative, die mehr geeignete Kassen nach Berlin bringt, auf Axel Kossel von der ct wie ein "verzweifelter Versuch", das kontaktlose Zahlen auch in Deutschland populär zu machen.  Er beobachte das "mit Mitleid". Denn die Bezahlsysteme der Mobilfunkanbieter sind seit Jahren auf dem Markt und haben bisher wenig Freunde gefunden.

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