Sonntag, 24.01.2021
 
Seit 15:05 Uhr Rock et cetera
StartseiteKommentare und Themen der WocheAuf die guten Gründe für eine Corona-Impfung vertrauen12.01.2021

Söder-Vorstoß zur ImpflichtAuf die guten Gründe für eine Corona-Impfung vertrauen

Der Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten für eine Impfpflicht, etwa für das Pflegepersonal, sendet das falsche Signal, kommentiert Carolin Born. Er sei respektlos und im schlimmsten Fall kontraproduktiv. Gute Argumente und die angelaufene Aufklärungskampagne brauchten Zeit zum Wirken.

Ein Kommentar von Carolin Born

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Der Aufkleber für den Impfstoff von Biontech/Pfizer klebt in einem Impfausweis, nachdem der Impfausweis-Inhaber im Corona-Impfzentrum eine Impfung gegen Corona erhalten hat (dpa-Zentralbild)
Manche haben schlicht Zweifel oder Fragen zur Impfung, meint Carolin Born (dpa-Zentralbild)
Mehr zum Thema

Impfpflicht für Pflegeberufe Bas (SPD): Eine wirklich fatale Diskussion

Europäische Impf-Solidarität "Diese Diskussion über die Vergangenheit hilft nicht"

Corona in Großbritannien Massenimpfungen als Hoffnungsträger

"Deutschland krempelt die Ärmel hoch für die Corona-Schutzimpfung": Ein Motiv der Kampagne zeigt eine Ärztin, eine Krankenpflegerin und einen Altenpfleger, alle drei mit freiem Oberarm. Darauf klebt ein Pflaster – von einer Impfung.

Die Realität sieht angeblich anders aus, gerade bei Beschäftigten in Alten- und Pflegeheimen. Doch eine Impfpflicht für diese Berufsgruppe, wie sie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ins Spiel gebracht hat, wäre falsch. Denn sie schafft eben nicht mehr Akzeptanz.

Auf die Vorbildfunktion im Kollegenkreis vertrauen

Natürlich kursieren im Moment viele Falschbehauptungen rund um die Impfung – im Privaten wie im Netz. Doch nicht allen, die sich jetzt nicht impfen lassen wollen, geht es darum. Manche haben schlicht Zweifel oder Fragen zur Impfung und das ist klar, denn vor noch nicht einmal einem Monat haben die Impfungen begonnen. Gerade über die Weihnachtstage hatten wohl viele Menschen anderes im Kopf, als sich über den Impfstoff zu informieren. Auch die eben angelaufene Aufklärungskampagne dürfte noch keine allzu große Wirkung gezeigt haben.

Zwei blaue Gummihandschuhe halten eine Spritze mit Coronaimpfstoff  (picture-alliance/TT News Agency/ Mikael Fritzon) (picture-alliance/TT News Agency/ Mikael Fritzon)Impfpflicht für Pflegeberufe - Bas (SPD): Eine wirklich fatale Diskussion
Bärbel Bas (SPD) kritisiert die neu angestoßene Debatte um die Impfpflicht für den Pflegebereich. Damit würden Ängste geschürt, sagte sie im Dlf. Zunächst müsse umfassend aufgeklärt werden, Arbeitgeber und Politik seien in der Pflicht.

Und: Wer auch nur hin und wieder mal diskutiert, weiß – auch von sich selbst: Eine Einsicht dauert manchmal etwas länger. Auch gute Argumente brauchen Zeit zum Wirken. Man sollte sie denjenigen lassen, die jetzt noch zweifeln. Und dabei auch auf die Vorbildfunktion von Kolleginnen und Kollegen vertrauen, die dazu bewegen kann, dass es sich die eine oder andere doch nochmal überlegt.

Impfpflicht für Pflegeberufe schlicht nicht fair

Aus diesem Grund ist die Idee einer berufsbezogenen Impfpflicht, etwa für Pflegeberufe, schlicht nicht fair. Es ist noch zu früh, um zu behaupten, dass es unter ihnen besonders viele gibt, die sich einer Impfung verweigern.

Vergessen wir nicht: Es sind sie, die während der Pandemie Einsatz zeigen – während andere womöglich geschützt im Homeoffice arbeiten. Sie sind es, die sich kümmern und dabei ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.

Die Debatte um eine Impfpflicht für das Pflegepersonal sendet das Signal: Hauptsache, sie funktionieren weiter – mit der Impfung nun noch verlässlicher. Hauptsache, sie bleiben einsatzbereit und können weiterarbeiten. Das ist respektlos – und im schlimmsten Fall kontraproduktiv:

Weil die Drohung einer Impfpflicht letztlich dazu führen kann, dass sich Menschen bevormundet fühlen und nicht mehr zugänglich sind für die guten Gründe, die für eine Impfung sprechen.

Der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer. Eine Krankenschwester im UC Davis Medical Center in Sacramento, Kalifornien, zieht die Subsatnz aus einem Gläschen in eine Spritze. Zu sehen ist nur ihre mit einem blauen Handschuh geschützte Hand. (dpa/AP/Hector Amezcua) (dpa/AP/Hector Amezcua)Was Sie über die Corona-Impfung wissen müssen
Die Impfungen gegen das Coronavirus haben in Deutschland begonnen. Wer kann sich wann und wo impfen lassen? Wie sicher sind die Impfstoffe? Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten und ist man danach immun? Ein Überblick.

Vertrauen auf Argumente pro Impfung

Wer also will, dass sich möglichst viele impfen lassen, der sollte auf seine Argumente vertrauen. Auch dann, wenn irgendwann ausreichend Impfstoff für alle da ist. Kanzlerin Angela Merkel hat dafür bereits angekündigt, sie hoffe, möglichst viele werden dieses Impfangebot auch annehmen. Es wäre wünschenswert, wenn es bei einem solchen Angebot bleibt – und es nicht zu einem Zwang wird.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk