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StartseiteVerbrauchertippNur drei Programme erhalten die Note gut24.04.2019

Software für die SteuererklärungNur drei Programme erhalten die Note gut

Wer seine Steuererklärung beim Finanzamt einreicht, bekommt laut Statistik im Schnitt 974 Euro zurück. Hilfe dabei versprechen digitale Steuerprogramme für PC, Tablet oder sogar das Smartphone. Im Praxistest offenbarten jedoch viele Programme Rechenprobleme, wie die Stiftung Warentest feststellte.

Von Dieter Nürnberger

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Frau sortiert Belege, Unterlagen, Rechnungen und Kassenbons auf einem Schreibtisch, für die Steuererklärung (dpa / imageBROKER / Jochen Tack)
Beim Belege- und Unterlagensammeln hilft die Steuersoftware leider nicht (dpa / imageBROKER / Jochen Tack)
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Kann eine Steuererklärung sogar Spaß machen? Vor allem einige neue Anbieter von digitalen Helfern versprechen genau das. Kinderleicht, ohne viel Fachchinesisch - und in der Handhabung eher an einen WhatsApp-Chat oder einen Dialog erinnernd. Einige dieser spielerischen Ideen der Steuersoftware-Entwickler überzeugten zunächst auch die Stiftung Warentest. Denn die Benutzerführung bekam in den meisten Fällen eine mindestens gute Bewertung, sagt Stefan Fischer.

"Bedienungsfreundlich sind die Programme. Allerdings spielt das Steuerrecht nicht so hundertprozentig mit, denn das ist ja nach wie vor kompliziert. Bei den meisten ist es vorgesehen, dass man direkt im Browser hantiert, dass die Daten also auf dem Server der Anbieter liegen. Oder, dass man sich eine Software runterlädt. Und es gibt Apps, die selbständig funktionieren. Man kann also die Steuererklärung auch auf dem Smartphone durchführen."

Zumindest theoretisch. Denn vom kleinen Bildschirm des Smartphones einmal abgesehen, konnten die relativ neuen Steuerprogramme vor allem bei der Steuerberechnung nicht überzeugen. Ein Maximum an Erstattung herauszuholen, werde hier nicht gewährleistet.

Bei der Steuerberechnung nicht überzeugend

Die Stiftung Warentest kreierte für die Untersuchung zwei nicht gerade einfache, aber doch lösbare Steuerfälle. Inklusive absetzbarer Posten wie Kinderbetreuung oder studierender Nachwuchs. Auch mussten Ausgaben für einen zu pflegenden Partner bewältigt werden. Die Prüfer stellten fest, dass neuere Programme wie "Steuerbot" oder " Wundertax" mit Kindern gar nicht zurechtkamen.

"Da gibt es teilweise nicht einmal die Möglichkeit, Kinder zu erfassen, wenn sie ein bestimmtes Alter haben. Bei Pflegefällen hatten die Programme ein Problem, wenn der zu Pflegende keinen Schwerbehindertenausweis beantragt hatte. Die Programme sahen hier immer vor, dass man diesen Ausweis einträgt. Allerdings machen das nicht alle. Personen, die die Pflegestufe 4 oder 5 erhalten, müssen ja nicht gleichzeitig einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Da empfehlen wir, die Programme auszutricksen und einfach anzugeben, dass man hilfsbedürftig sei."

Rechenprobleme, die bereits am Markt etablierte Steuerprogramme so meist nicht hatten. Das "mangelhaft" rechnende "Steuerbot"-Programm war das einzige kostenlose in der Untersuchung. Die anderen kosten zwischen rund 15 und 35 Euro.

Persönliche Daten zum Teil nicht sicher

Zwei Steuerprogramme haben zudem Probleme mit dem Datenschutz. Konkret: An Software-Hersteller oder an Dritte werden beispielsweise auch persönliche Daten gesendet, die für das Funktionieren der Software nicht nötig sind. In die Gesamtbewertung ging dieser Aspekt nicht mit ein, bedenklich sei es dennoch.

Warentester Stefan Fischer: "Das sind zum Beispiel die Mobilfunkanbieter oder etwa auch die Android-ID. Also letztendlich Daten, mit denen man das Gerät identifizieren kann. 'Wiso Steuerweb' erstellt einen digitalen Fingerabdruck. Das Gerät kann man identifizieren und somit auch den Nutzer, der dahinter sitzt."

Nur bedingt einzelfallgerecht

Am Ende erhielten nur drei der 14 untersuchten digitalen Steuerprogramme ein gutes Qualitätsurteil. Sie stammen allesamt vom Hersteller "Buhl Data Service":

"Also 'Wiso Steuerweb', 'Wiso Steuersparbuch' und auch 'Tax'. 'Tax' kostet nur 15 Euro. Im Gegensatz zu den anderen beiden Testsiegern, die mit 35 Euro recht teuer sind." Und es ist von der Berechnung und der Handhabung her nahezu identisch."

Allerdings konnte keines der Programme die vorgegebenen Steuerfälle zu 100 Prozent richtig berechnen. Weswegen die Stiftung Warentest in wirklich komplizierten Fällen dazu rät, die Hilfe eines Steuerhilfe-Vereins oder eines deutlich teureren Steuerberaters in Anspruch zu nehmen.

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