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StartseiteEuropa heuteJugendhaft wegen Hass-Videos24.08.2016

Sohn von radikalem PredigerJugendhaft wegen Hass-Videos

Ein Video mit einer Hassbotschaft sorgte Anfang August in Belgien für Aufsehen. Darin hatte der Sohn eines radikalen Imams zum Christenmord aufgerufen. Seit gestern sitzt der 17-Jährige in Jugendhaft. Sein Vater wehrt sich seit Jahren erfolgreich gegen die Abschiebungsversuche der belgischen Behörden.

Von Sebastian Schöbel

Die Haftanstalt im belgischen Beveren wurde im Jahr 2014 in Betrieb genommen (dpa / Picture Alliance / Jonas Roosens)
Für drei Monate muss der Sohn des Islamistenpredigers Shayh Alami in Jugendhaft. (dpa / Picture Alliance / Jonas Roosens)
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"Allah, vernichte die hasserfüllten Christen, töte sie alle, lasse keinen übrig."

Es sind diese Worte, die dem Sohn eines marokkanisch-stämmigen Imams im belgischen Verviers nun drei Monate Jugendarrest eingebracht haben. Anfang August war ein Video im Internet aufgetaucht: Darauf summt der Jugendliche bei einem abendlichen Spaziergang durch das ostbelgische Verviers seine Hass-Botschaft. Als er nun aus dem Marokko-Urlaub wiederkam, stand die belgische Bundespolizei vor der Tür.

17-Jähriger bereut sein Verhalten

Inzwischen bereut der 17-Jährige, was er da von sich gegeben hat. Er sei kein Anhänger der Terrormiliz IS, sagte er gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Sender RTBF. Er habe sich zudem missverständlich ausgedrückt.

Es sei nicht um Christen gegangen, sondern um Alawiten in Syrien, der schiitischen Minderheit, der Machthaber Baschar Al-Assad entstammt. Die Worte für beide Gruppen, Christen und Alawiten, seien im Arabischen sehr ähnlich, so der junge Mann. Und was er da gesagt habe, sei auswendig gelernt gewesen - so habe er das falsche Wort benutzt.

Die belgische Polizei nimmt die Sache dennoch sehr ernst - und zwar weil wohl klar ist, von wem der Jugendliche solche Sprüche gelernt hat: Von seinem Vater Shayh Alami nämlich, einem landesweit berüchtigten Hassprediger. Alami, der sich auch Alami Abu Hamza nennt, ist ein Fixpunkt der Islamistenszene in Verviers. Die Terrorzelle, die Anfang 2015 in der Stadt aufgeflogen war, soll von ihm inspiriert worden sein. Anfang Juli wurden vier Mitglieder der Zelle zu langjährigen Haftstrafen verurteilt; sie sollen Angriffe auf Polizisten und den Flughafen in Brüssel geplant haben. Neun weitere mutmaßliche Mitglieder der Zelle sind noch auf der Flucht.

Fixpunkt der Islamistenszene

Der eigentliche Anführer der Verviers-Gruppe, Abdelhamid Abaaoud ist längst tot: Er gilt inzwischen als Drahtzieher der Anschläge von Paris, bei denen 130 Menschen starben. Abaaoud wurde wenige Tage nach den Angriffen in einem Pariser Vorort von Polizeibeamten erschossen.

Der Islamistenprediger Shayh Alami gilt als Abaaouds geistiger Ziehvater. Dass nun sein leiblicher Sohn Hasstiraden singend durch Verviers lief, wundert Belgiens Staatssekretär für Migration, Theo Francken, gar nicht.

Vom Einfluss westlicher Werte isoliert

Das liege in der Familie, so Francken im TV-Sender VRT. Alami habe seinen Jungen streng vom Einfluss westlicher Werte isoliert. Was er zu Hause predige unterscheide sich nicht von dem, was er in der Moschee von sich gibt.

"Seit Jahren versuchen wir, den Mann loszuwerden. Doch er hat immer wieder Berufung gegen die Abschiebung eingelegt. Ich kann nur hoffen, dass die Behörden ihn jetzt bald aus dem Land werfen."

Doch dass das nicht gelingt, liegt nicht an belgischer Bürokratie: Shayh Alami hat nicht nur einen marokkanischen, sondern auch einen niederländischen Pass und genießt damit den Schutz des Schengen-Raums.

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