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StartseiteUmwelt und VerbraucherGrünstrom-Anbieter fordern bessere Vermarktungsmöglichkeiten20.03.2015

Solar- und WindenergieGrünstrom-Anbieter fordern bessere Vermarktungsmöglichkeiten

60 Prozent der Verbraucher wollen mit ihrem Stromtarif Ökostrom aus der Region fördern. Nur: Bisher ist das kaum möglich, denn bisher bekommen Ökostrom-Kunden ein Stromgemisch unbekannter Herkunft geliefert. Das Grünstrom-Markt-Modell will das nun ändern und für mehr Transparenz sorgen.

Von Daniela Siebert

Weiterführende Information

Energie - Ökostrom nicht immer nachhaltig
(Deutschlandfunk, Verbrauchertipp, 03.02.2015)

Ökostrom - Verschärfte Kriterien für das Ökolabel "Grüner Strom"
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 03.02.2015)

Das Grünstrom-Markt-Modell hat vor allem ein Ziel: Transparenz. Es soll sichtbar werden, von wo der Ökostrom kommt, wenn er bei den Kunden in der Steckdose landet. Denn derzeit passiert das nicht, Ökostrom-Kunden bekommen meistens ein Stromgemisch unbekannten Ursprungs geliefert.

Durch die EEG-Novelle von 2014 wurde eine Vermarktung von Grünstrom über die Strombörse zum Standard. Mit der Folge, dass der Ökostrom etwa aus Wind- oder Solaranlagen in einem großen Topf landet und nur als sogenannter Graustrom ausgeliefert wird, der auch Kohle- und Atomstromanteile enthält. Das moniert unter anderem der Mannheimer Stromanbieter MVV Energie. Holger Krawinkel:

"Wir können als Energieunternehmen im Moment keinen deutschen Ökostrom an die Kunden vermarkten, es wollen aber viele Kunden Ökostrom haben und die einzige Möglichkeit bestünde, in der Tat jetzt aus Norwegen oder aus Österreich Wasserkraftstrom sozusagen zu etikettieren und entsprechend dann als Grünstrom zu verkaufen.

Das ist aber das, was wir nicht wollen, was die Kunden auch nicht wollen, sondern die wollen sozusagen Ökostrom aus eigener Schlachtung, aus der eigenen Region."

Mehr Transparenz, mehr Akzeptanz

Das Grünstrom-Markt-Modell, das nun von MVV Energie und seinen Mitstreitern propagiert wird, würde dieses Problem beseitigen. Denn es würde Stromerzeuger und Stromverbraucher direkter miteinander verbinden. Es kommt ohne die anonymisierende Zwischenstation Strombörse und ohne das EEG-Umlageverfahren aus, erklärt Sönke Tangermann von Greenpeace Energy:

"Der Vorteil bei unserem Modell ist, dass der Stromhändler, der den Strom an den Endkunden verkauft, wirklich sagen kann: Der Strom kommt aus einem ganz konkreten Windpark, aus einer ganz konkreten Fotovoltaikanlage zum Beispiel und es kostet den Verbraucher so gut wie gar nichts mehr gegenüber dem, was er normalerweise für seine Stromrechnung bezahlt.

Die Vorteile wären vor allem, die dass die Akzeptanz von Projekten, die ja vor allem dezentral erforderlich ist, weil die Leute von den Windparks und Fotovoltaikanlagen betroffen sind, die in ihrer Nähe wohnen, dass diese Akzeptanz durch die Bevölkerung gesteigert wird, weil sie den Strom auch tatsächlich erwerben können."

Für die Verbraucher und auch für das EEG-Umlagesystem wäre das Modell kostenneutral versichern die Unterstützer. Für das Grünstrom-Markt-Modell plädieren inzwischen viele Akteure, sagt Sönke Tangermann. Auf der Internetseite grünstrom-markt-modell.de bekennen sich rund 30 Firmen und Verbände zu der Idee, darunter der Bundesverband WindEnergie, der Bundesverband BioEnergie und die Stromanbieter LichtBlick und Yello Strom.

Unterstützung aus der Wirtschaft

Zu den Befürwortern gehört auch Sebastian Bolay vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Umfragen in den eigenen Reihen hätten großes Interesse von Firmen an echtem etikettiertem heimischen Ökostrom gezeigt, betont er.

"Etwa ein Drittel der Unternehmen möchten hier gerne deutschen oder regionalen Grünstrom beziehen, und wir fordern deswegen, dass hier alternative Grünstromvermarktungskonzepte umgesetzt werden.

Natürlich wollen viele Unternehmen aktiv auch zum Klimaschutz beitragen, dann gibt es auch immer mehr Reporting-Maßnahmen, also die Unternehmen müssen darlegen, was sie machen zum Beispiel im Bereich Klimaschutz und da ist es natürlich auch eine schöne Maßnahme für die Unternehmen, wenn sie nachweisen können, dass sie deutschen Ökostrom beziehen und hier auch ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten."

Eine Emnid-Umfrage im Auftrag von Greenpeace Energy ergab zudem, dass 60 Prozent der befragten Verbraucher mit dem eigenen Stromtarif Erneuerbare-Energie-Anlagen in der Region fördern wollen.

Ergebnisoffene Prüfung

Die EEG-Reform von 2014 ermöglicht ein Grünstrom-Markt-Modell wie jetzt vorgeschlagen tatsächlich per Verordnungsermächtigung. Aus dem zuständigen Bundeswirtschaftsministerium heißt es per Mail auf Deutschlandfunkanfrage: der Erlass einer Rechtsverordnung zur Grünstromvermarktung werde derzeit anhand verschiedener Modelle – ergebnisoffen – geprüft.

Insbesondere müsse eine solche Lösung "für das Gesamtsystem energiewirtschaftlich sinnvoll" und für die EEG-Umlage kostenneutral sein sowie mit dem Europarecht vereinbar.

Kein Problem, versichern Greenpeace Energy und Co heute.

 

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